Wirkungen bestimmter Arzneien
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Anästhetika (Narkosemittel)
Laut einer Studie aus Schweden mit 11.785 PatientInnen erinnern sich 0,2% der Operierten an die Operation (Gespräche, Gefühlszustände, Schmerzen u.a.). Knapp die Hälfte dieser PatientInnen erlebte nach der Operation Schlafstörungen, Ängste oder andere "posttraumatische Stresssymptome". Außer über PatientInnen, die sich bewusst erinnern, wurde in den USA vor längerer Zeit auch über PatientInnen berichtet, die sich nur unter Hypnose erinnern.
Quelle: Ärztezeitung 6.2.04
Anorektika (insb. Rimonabant/Acomplia®)
Deutsches Ärzteblatt 16.11.07:
Zwei Meta-Analysen bestätigen, dass die Wirkung der derzeit zugelassenen Anorektika begrenzt ist und dass Rimonabant Angstzustände und Depressionen auslösen kann. Diese Risiken hatten in den USA im Sommer ein negatives Votum von FDA-Gutachtern ausgelöst. Dort ist das Medikament im Gegensatz zu Europa nicht zugelassen. Der Hersteller betont, dass die Europäische Zulassungsbehörde EMEA dem Medikament weiterhin ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis bescheinigt. ... Für Rimonabant besteht in Europa seit Juli dieses Jahres eine Kontraindikation bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen. Die Europäische Arzneibehörde EMEA hatte damals auf die erhöhte Rate von mentalen Erkrankungen und Depressionen in den Studien reagiert. Diese Risiken hatten kurz zuvor externe Gutachter bewogen, der amerikanischen Behörde FDA von einer Zulassung abzuraten. ...
Aspirin® / Acetylsalicylsäure
Eine Studie der Cleveland Clinic Foundation ergab, dass die tägliche Einnahme von Aspirin die allgemeine Sterblichkeit von Menschen mit koronaren Arterienerkrankungen um mehr als ein Drittel senkt. (Medscape)
Bextra® / Valdecoxib
Bextra, ein Arzneimittel von Pfizer, wird zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen bei Osteoarthrose und chronischer Polyarthritis eingesetzt. Außerdem wird das Mittel zur Behandlung akuter Schmerzen, z.B. nach Operationen, verwendet.
Am 10.12.2004 gab die US-amerikanische Behörde FDA eine Warnung aus, nach der Bextra tödliche Hautreaktionen hervorrufen kann. Hautreaktionen treten in den meisten Fällen in den ersten zwei Wochen der Behandlung auf, können aber auch zu jeder anderen Zeit auftreten. In den USA kam es zu 4 Todesfällen. Laut FDA darf Bextra in den USA außerdem nicht mehr nach Bypassoperationen angewendet werden, da eine Studie von Pfizer ergab, dass Bextra das Risiko für ernste Herzzwischenfälle erhöht.
In der Online-Patienteninformation von Pfizer sind diese Dinge bisher (31.12.04) nicht erwähnt.
Ergänzung 26. August 2005: Pfizer musste im August 2005 Bextra nach einer Aufforderung der US-Gesundheitsbehörde FDA vom Markt nehmen. Auch in Europa wird das Medikament nicht mehr vertrieben.
Quellen:
- Netzeitung 9.5.05
- Medscape Alert, 10.12.04 (englisch)
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Chlorhexidindigluconat
Chlorhexidindigluconat(abgekürzt CHX) ist ein vor allem in der Zahnmedizin benutztes Antiseptikum. Es ist als Mundspülung rezeptfrei in Apotheken erhältlich und wird auch als Bestandteil in Desinfektionsmitteln z.B. für die Hände sowie zur Konservierung in Kosmetika in verwendet.
Aus Hygiene und Umwelt Forum Siegen e.V. - Dr.med. Dipl.Ing. Ruthard Leonhard Käflein: Wundantiseptika:
Chlorhexidin (Wirkstoff: Chlorhexidindigloconat; z.B. Desmanol, Skinsept mucosa u.a.) Die Substanz besitzt ausschließlich bakteriostatische Wirkung und geringere Wirksamkeit gegen gramnegative Bakterien, insbesondere bei klinischen Isolaten. Chromosomale und plasmidische Resistenzentwicklung sind möglich. Hohe Effektivität auf den Schleimhäuten der Mundhöhle und im Genitalbereich. Zelltoxische Eigenschaften wurden festgestellt. Es besitzt bei Resorption neurotoxische Potenz und wirkt mutagen. Eine Hemmung der Wundheilung ist möglich. Zahlreiche Berichte über Infektionen und Komplikationen unter der Behandlung liegen vor. Kein Wirkstoff der Wahl bei tiefen Wunden. Anwendung auf Schleimhäuten und häufige Anwendung auf der Haut ist in der Schwangerschaft und bei Früh- und Neugeborenen kritisch. Anwendung in der Mundhöhle sind auf 2 Wochen zu begrenzen. Kontraindikationen sind bradytrophes Gewebe, ZNS-Strukturen (Auge 0,05%), Peritonealspülungen und bei bekannter Allergie. ...
Mechanismen der Wechselwirkungen zwischen Oxidativem Stress und Umweltchemikalien (3.9.2003):
Oxidativer Stress stellt die Folge eines Ungleichgewichtes zwischen Oxidantien und Antioxidantien in Organismen bzw. in der Zelle dar. Zu den Auslösern von Oxidativem Stress zählen "reaktive Sauerstoffspezies" (ROS), wie O2¯ , H2O2 und ·OH-Radikale, die aus H2O2 gebildet werden. Ist die Antioxidantienkapazität der Zelle erschöpft, so muss bei weiterer Bildung/Zuführung von ROS mit irreversiblen Schäden gerechnet werden. ...Es wurde gezeigt, dass H2O2 synergistisch toxisch mit Xenobiotika, wie Ethanol, Methanol und Lindan sowie Chlorhexidine wirkte (u. a.: Ginsburg et al., 1995). Die Ursache dieser Synergismen wurde in einer interaktiven Membranschädigung zwischen H2O2 und den membranschädigenden Agenzien gesehen, die zu einer größeren Zugänglichkeit von H2O2 zum Target, führte (Ginsburg & Kohen, 1995). Arbeiten aus meiner Gruppe zeigten, dass H2O2 in Kombination mit unspezifisch wirksamen, also nicht gentoxisch wirkenden Xenobiotika synergistische DNA-Schäden in menschlichen Fibroblasten hervorriefen (Lueken et al., eingereicht; Witte, 2000). Da die synergistischen DNA-Schädigungen nur in der Zelle beobachtet wurden, nicht jedoch an isolierter DNA, müssen die Synergismen aufgrund zellulärer Wechselwirkungen zustande kommen. Im Einklang mit den Ergebnissen von Ginsburg postuliere ich, dass die primäre Ursache der synergistischen DNASchädigungen
synergistische Membranschäden darstellen mit der Folge einer erhöhten Lipidperoxidation und/oder einer erhöhten Aufnahme von H2O2 in die Zelle. Sollte H2O2 in der Kombination vermehrt in die Zelle aufgenommen werden, so können in den Zellen irreversible Schäden in so geringen H2O2-Konzentrationen auftreten, wie sie durch H2O2 allein nicht zu beobachten sind.
P.N. Gänßler, A. Korb: Oxidativer Stress im Blut und Speichel von Nichtrauchern und Rauchern bei der Therapie der aggressiven Parodontitis (Dissertation 02.12.2005):
ROS verursachen den sog. oxidativen Stress ... Exogen werden sie über den Zigarettenrauch und durch ionisierte Strahlung wie UV-, Röntgen- und radioaktive Strahlung freigesetzt (Chapple 1996). Außerdem nimmt der Körper laut Gutteridge and Halliwell (1994) von außen weiterhin Radikale durch Asbest, Ozon und Stickstoffdioxid (NO2) auf. ... Des Weiteren wird Alkohol indirekt für eine erhöhte Freisetzung von freien Radikalen verantwortlich gemacht. Er verringert stark die Vitamin-E-Menge, der eine wichtige protektive Funktion für die zellulären Strukturen zugesprochen wird und erhöht die Aufnahme von Eisen aus dem Darm. ... Ein weiterer wichtiger Lieferant von freien Radikalen ist der Tabakrauch. Jeder Zug einer Zigarette enthält zwischen 2-3 x 1010 Radikale (Haustein 2001) bzw. 10 14 Radikale (Halliwell and Gutteridge 1988) sowie H2O2. Zusätzlich enthält Zigarettenrauch Spuren von Metallionen wie Cadmium, Eisen und Kupfer (Halliwell and Gutteridge 1988). ... Exogen zugeführte Medikamente können durch eine Induktion des Cytochrom P 450-Systems zu einer bedeutenden Radikalquelle werden. Auch Alkoholabusus führt über diese Induktionsmechanismen zu einer verstärkten Radikalschädigung und den bekannten Organschädigungen (Siems et al. 1998).
Siehe auch
- Beipackzettel des Herstellers Engelhard Arzneimittel
- Geenpeace-Flyer zu Chlorhexidindigluconat, Oktober 2003
- M. C. Michel, M. Wilhelm: Chlorhexidin als Gleitmittelzusatz - Eine pharmakologisch-toxikologische Bewertung
Springer Berlin / Heidelberg 19.2.2004 - Food and Drug Administration 8.10.1998: List of Drug Products That Have Been Withdrawn or Removed From the Market for Reasons of Safety or Effectiveness
Chlorhexidinglukonat als Mittel zur Hautvorbereitung bei Operationen vom Markt genommen - SA Souza-Júnior: Chlorhexidine digluconate induces mitotic recombination in diploid cells of Aspergillus nidulans
Oral Diseases - Volume 11 Issue 3 Page 146-150, May 2005 - MHH Forschungsbericht 2004: Abteilung Zahnerhaltung und Parodontologie
Chemisch-biologische Wechselwirkungen von Kombinationen von Peroxiden und metallischen bzw. organischen Inhaltsstoffen zahnärztlicher Materialien auf das antioxidative System menschlicher oraler Zellen
Cipramil® / Citalopram
In einer Studie, die im November 2004 veröffentlicht wurde, zeigte Citalopram bei alten Menschen gegenüber Placebos keine Vorteile, jedoch die Nachteile der "Nebenwirkungen". Untersucht wurden 174 Menschen ab einem Alter von 75 Jahren über acht Wochen.
Quelle: American Journal of Psychiatry, 2004;161:2050-2059 (englisch). Um den Artikel zu öffnen, ist eine Anmeldung bei Medscape erforderlich, kostet nichts.
Dilatrend® / Carvedilol, Beloc® ZOK / Metoprolol
Carvedilol und Metoprolol, zwei Betablocker, wurden im "Carvedilol or Metoprolol European Trial" (COMET) über einen Zeitraum von 5 Jahren in 15 europäischen Ländern an 3029 PatientInnen mit leichter bis schwerer Herzinsuffizienz gegeneinander getestet.
Das Ergebnis wurde auf dem Annual Congress of the European Society of Cardiology (ESC), 30.08.- 03.09.2003, bekannt gegeben:
Für die Therapie der chronischen Herzinsuffizienz belegen die Ergebnisse der COMET-Studie eine klare Überlegenheit von Carvedilol gegenüber Metoprololtartrat. So zeigten die beim ESC-Kongress in Wien vorgestellten Ergebnisse der Studie unter Carvedilol eine geringere kardiovaskuläre Mortalität und eine reduzierte Schlaganfallmortalität. (Notfallmedizin, 11/2003)
KritikerInnen stellten das Ergebnis der Studie in Frage, da Metoprolol unterdosiert worden sei. Spätestens als die Möglichkeit einer Unterdosierung durch eine andere Studie (Metoprolol Randomised Intervention Trial in Heart Failure, MERIT-HF) im Juni 1999 bekannt wurde, hätte die COMET-Studie nach Ansicht des Arznei-Telegramms abgebrochen werden müssen, um die beteiligten COMET-PatientInnen angemessen zu versorgen. Dies unterblieb. Unter der zu niedrigen Dosierung von Metoprolol starben im Verlauf der Studie 88 Menschen mehr als unter Carvedilol.
Die COMET-Studie wurde von den Carvedilol-Anbietern Hoffmann-La Roche und GlaxoSmithKline finanziert. Einige der COMET-Hauptautoren arbeiten als Berater für diese Firmen. (ARSMEDICI 16/2003, S. 803f)
Lamictal® / Lamotrigin
Der Hersteller GlaxoSmithKline warnte im August 2006 nach "Diskussionen" mit der Kanadischen Gesundheitsbehörde Health Canada vor einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Lippen- und Gaumenspalten bei Neugeborenen, wenn die Mutter in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft Lamictal® einnimmt (verglichen mit Müttern, die in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kein Lamictal® einnehmen).
Der Hersteller rät Frauen, die schwanger werden wollen oder schwanger sind und Lamictal® einnehmen, dies dem Arzt/der Ärztin mitzuteilen und die weitere Behandlung zu besprechen.
Ausführlichere Infos in Englisch bei Health Canada.
Levitra® / Vardenafil
Pressemitteilung der Coordination gegen BAYER-Gefahren vom 24. November 2005:
Australien: Umstrittene Marketing-Methoden untersagt
BAYER muss LEVITRA-Kampagne stoppen
Beschwerden von niedergelassenen Ärzten haben dazu geführt, dass der BAYER-Konzern in Australien eine umstrittene Kampagne für das Potenzmittel LEVITRA stoppen muss. Das Unternehmen hatte auf einer homepage zur Gesundheitsberatung die Adressen von 1000 Ärzten aufgelistet. Potentielle Patienten wurden aufgefordert, die registrierten Doktoren zu konsultieren. Das Unternehmen leitete die Patientendaten an die Ärzte weiter und fügte ein „Informations-Paket“ bei, das an die zu behandelnde Person weiter gegeben werden sollte.
Der Verband der australischen Pharma-Industrie, Medicines Australia, griff die Beschwerden auf und urteilte, dass die Ärzte nicht darüber aufgeklärt worden waren, dass sie Teil einer Marketing-Kampagne waren. Außerdem würden Patienten dahingehend beeinflusst, von ihrem Arzt eine Verschreibung von LEVITRA zu fordern, obwohl auch nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden zur Wahl stünden. Medicines Australia sieht hierin einen Verstoß gegen den Verhaltenskodex des Verbands. BAYER wurde aufgefordert, alle beteiligten Ärzte anzuschreiben und über den Verstoß aufzuklären.
Der Absatz von Levitra liegt mit 200 Mio Euro jährlich weit unter der von BAYER angestrebten Größe von einer Milliarde Euro. Der Konzern begegnet den schwachen Verkaufszahlen mit aggressiven Werbekampagnen, die schon mehrfach beanstandet wurden. So musste BAYER in den USA eine TV-Werbung wegen irreführender Angaben und fehlender Hinweise auf Nebenwirkungen stoppen. Die Zulassung in den USA war wegen möglicher Gesundheitsgefahren mehrfach verschoben worden.
Auch in Deutschland machte das Unternehmen mit unseriösen Angaben von sich reden: Das Kölner “Institut für evidenz-basierte Medizin” untersuchte Broschüren, mit denen Pharmareferenten über neue Produkte informieren. Der Leverkusener Chemie-Multi stellte in e iner Publikation die schnelle und lange Wirksamkeit von LEVITRA heraus - verschwieg aber, dass sich diese Aussage auf Tests mit betäubten Hasen bezog.
Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Die Einnahme von LEVITRA kann zu Erblindung und anderen körperlichen Schäden führen. Die aggressiven Kampagnen für LEVITRA zeigen einmal mehr, dass Werbung für Pharmazeutika streng reglementiert und größtenteils verboten werden muss. Die Information über Medikamente gehört in die Hände unabhängiger Prüfer.“
Originaltext der Veröffentlichung von Medicines Australia
Novalgin®, Inalgon Neu®, in Kombination: Spasmium® comp., Buscopan® compositum, Spasmo-Inalgon® Neu / Metamizol
Metamizol, ein Schmerz- und Fiebermittel, wurde in den USA 1977 wegen tödlicher Wirkungen verboten (Warnung der Orange County Health Care Agency vor dem Medikament anlässlich eines Todesfalls, 13.06.02).
Auch in anderen Ländern ist das Mittel verboten. In Schweden wurde es 1974 von Markt genommen, 1995 wieder eingeführt und dann wieder verboten, da die Häufigkeit des Eintretens von Agranulozytose (hochgradige Verminderung von bestimmten weißen Blutkörperchen) 1:2000 betrug (Pharmainformation der Ärztekammer Tirol, September 1999).
Metamizolhaltige Medikamente werden von Aventis, Berlin-Chemie, Hexal, Lichtenstein und Ratiopharm produziert.
Eine Liste weiterer Mittel, die mit Agranulozytose in Zusammenhang gebracht werden, findet man im Roche Lexikon Medizin.
Ich sehe keine Alternative für Novalgin bei schwerem Fieber!
Anonyme Schwester
Es gibt KEINEN Grund Metamizol noch zu gebrauchen. Die Agranulozytosehäufigkeit ist mit 1:4.000 bis 1: 20.000 EXTREM hoch und es gibt durchaus Alternativen.
Das Medikament ist weitaus besser magenverträglich als Aspirin oder Diclofenac. Bei Tumorpatienten und Bauchkoliken ist es unverzichtbar.
Die Daten des Agranulozytoserisikos wurden nie sauber erhoben. Wenn das Medikament so gefährlich wäre, müßte es in den Ländern mit Zulassung deutlich höhere Zahlen an Agranulozytose geben.
==> Eine saubere statistische Erfassung der Nebenwirkungen ist bislang nicht erfolgt.
Paracetamol® / Acetaminophen
Menschen, die mehr als 2 g Acetaminophen pro Tag nehmen, haben ein fast 4 Mal so hohes Risiko, an Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren zu erkranken, wie Menschen, die das Zeug nicht nehmen. (Medscape)
Propulsin®, Prepulsid®, Alimix® / Cisaprid
Cisaprid-haltige Arzneimittel wurden 1990 in der Bundesrepublik Deutschland zur Behandlung von Sodbrennen und Gastritis bei Erwachsenen, Kindern und Säuglingen zugelassen. Seit dem Jahr der Zulassung wurden 30 Verdachtsfälle kardialer Nebenwirkungen gemeldet, teilweise mit Todesfolge.
Nach zehn Jahren, 2000, ordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) an, die Zulassung von Mitteln mit diesem Wirkstoff ruhen zu lassen. Der Hersteller (ein Tochterunternehmen von Johnson & Johnson) zog in diesem Jahr die Mittel in den USA zurück, weigerte sich aber, sie auch in der BRD zurückzuziehen (HIV-Nachrichten, Mai 2000).
In der BRD wurden die Mittel häufig verschrieben. 1998 gab es 1,25 Mio. Verordnungen auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen.
Der Clou: "Die Wirksamkeit von Cisaprid in diesen Anwendungsgebieten ist" laut BfArM "nach heutigen Maßstäben und im Vergleich zu neueren Wirkstoffen nicht überzeugend belegt" (Pressemitteilung des BfArM, 10. Juli 2000).
Das müssen seltsame Maßstäbe gewesen sein, nach denen anno 1990 Wirksamkeiten belegt wurden. - Doch eventuell waren damals andere Mittel noch unwirksamer?
Risperdal® / Risperidon
Das Mittel kommt seit einigen Jahren schon bei Kindern im Kindergartenalter (ab 5 Jahren) zum Einsatz. Die Medikation wird meistens damit begründet, dass die Kinder nicht in der Lage seien, ihre impulsiv auftretenden Aggressionen zu kontrollieren.
Ausführliche Informationen zu dem Mittel und weshalb es an Kinder verabreicht wird, finden sich bei www.psychiatrie-nussknacker.de.
Ritalin® / Methylphenidat
Lesenswerter Artikel in der Zeit vom 10.8.06 Eine Krankheit. Keine Krankheit:
Im Jahr 1985 wurde in Deutschland von 10.000 Kindern eines mit Ritalin behandelt ..., im Jahr 2000 galt bereits eines von hundert Kindern als Ritalin-bedürftig. Die Tendenz setzt sich fort.
Siehe auch
- Wikipedia-Artikel
- "Fachinfo" vom Hersteller Novartis
- Einfluss der Pharmaindustrie auf Selbsthilfegruppen
Serevent®, Diskus® / Salmeterol
Der Medikamtenhersteller GlaxoSmithKline hat eine laufende Studie des Asthma Medikamentes Serevent abgebrochen, nachdem mehrere schwere Nebenwirkungen bei jenen Patienten auftraten, die mit dem Mittel behandelt wurden. Darunter habe es auch Todesfälle gegeben. (StockSelect-Börsenboard / ©BörseGo - 23.01.2003)
Vom Sterberisiko betroffen sind v.a. Schwarze. Im Jahr 2003 warnte Glaxo US-ÄrztInnen offiziell vor Serevent. Die betreffenden Studienergebnisse stammen von 1996, wobei Glaxo erst Ende 2002 dazu gekommen zu sein scheint, Zwischenergebnisse zu berechnen (Warnung von Glaxo 2003 - englisch)
Seroxat®, Paxil® / Paroxetin
Die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft verklagte 2004 den britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline wegen der Zurückhaltung von Informationen über das Antidepressivum Paxil (auch bekannt als Seroxat). Bei diesen Informationen handelt es sich um Studien, die die Unwirksamkeit von Paxil belegen und ein erhöhtes Selbstmordrisiko nahegelegen.
Die zuständige US-Aufsichtsbehöre, United States Food and Drug Administration (FDA), warnte 2003 ÄrztInnen vor der Verschreibung von Paxil an Kinder und Jugendliche, nachdem eine Studie gezeigt hatte, dass Paxil bei Kindern und Jugendlichen gegenüber Plazebos keine Vorteile hat, dafür aber das Selbstverletzungsrisiko um das Dreifache erhöht.
In Großbritannien wurde die Verschreibung von Paxil an Kinder und Jugendliche verboten.
Strattera® / Atomoxetin
Strattera® ist ein ADS-Mittel von Lilly.
Das Mittel wurde in der ZDF-Sendung Frontal21 vom 9.12.08 behandelt. Daraufhin gab es in der Süddeutschen Zeitung vom 10.12.2008 eine Darstellung, die unter Berufung auf Aussagen des Leiters der Abteilung für Arzneimittelsicherheit beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte der Darstellung in Frontal21 widersprach.
Hierzu hat wiederum Frontal21 am 11.12.08 Stellung genommen:
... Frontal21 bleibt bei seiner Darstellung und bezieht sich dabei auf eine entsprechende Liste, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dem Magazin nach mehrmaligen Nachfragen selbst überlassen hat. Nach dieser internen Liste der Behörde wurden bislang vier Verdachtsfälle von tödlichen Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Strattera gemeldet. Die Verdachtsfälle aus der BfArM-Datenbank des Instituts im Einzelnen: Am 14. Dezember 2005 der Suizid eines 16-Jährigen. Am 26. Juni 2006 der Gehirnschlag eines zwölfjähriger Jungen. Am 11.7. 2006 der Tod ein dreijährigen Kindes und am 27. Juli 2007 der Herzinfarkt eines fünfjährigen Jungen. Die Verdachtsfälle wurden vom Bundesinstitut selbst mit folgenden Fallnummern versehen: DE-BFARM-05018404, DE-BFARM-06036075, DE-BFARM-06045681, DE-BFARM-07061104. ... Weiter bleibt das ZDF bei der Darstellung, dass es 234 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Strattera seit der Einführung im Jahr 2005 gegeben hat. Darunter Herzschwächen, Hörstürze und Suizidgedanken - bei Kindern und Jugendlichen. Das Bundesinstitut hat die Zahl der Verdachtsfälle mittlerweile auf 237 angehoben.
Desweiterin hat die Lilly Deutschland GmbH Aussagen von Prof. Peter Schönhöfer (Pharmakologe beim arznei-telegramm) in der Frontal21-Sendung widersprochen (Zitat nach Frontal21 am 11.12.08):
"Ein Zitat von Professor Peter Schönhöfer legt die pharmakologische Gleichsetzung von Strattera mit Amphetaminen und "Speed" nahe. Diese Aussage ist falsch. Strattera gehört nicht zu den Psychostimulanzien und besitzt kein Abhängigkeitspotenzial."
Darauf erwiederte Schönhöfer (Zitat nach Frontal21 am 11.12.08):
... Es trifft zu, dass Atomoxetin (Strattera) in seiner Wirkung den Psychostimulantien vom Typ der Amphetamine zuzuordnen ist. Das belegt auch die Einordnung in die Klassen des offiziellen, international gültigen ATC-Code 2008 ... Atomoxetin gehört also nach der international gültigen ATC-Klassifikation zweifelsfrei zu der Gruppe der Psychostimulantien, und zwar zur Untergruppe zentral wirksame Sympathomimetika, deren Leitsubstanz Amphetamin ist, das seit den 1960er Jahren in der Drogenszene auch als "Speed" bezeichnet wird. ...
Warnung der US-Amerikanischen Behörde FDA bezüglich Selbsttötungsrisiken bei Strattera® aus dem Jahr 2005
FDA Alert [9/2005: Suicidal Thinking in Children and Adolescents]
The Food and Drug Administration (FDA) directed Eli Lilly (Lilly) to revise the labeling for Strattera to include a boxed warning and additional warning statements regarding an increased risk of suicidal thinking in children and adolescents being treated with this drug.
Übersetzt ungefähr: "Die Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten (FDA) wies Eli Lilly (Lilly) an, den Beipackzettel von Strattera zu ändern und eingerahmte Warnungen anzubringen bezüglich des erhöhten Risikos von Selbsttötungs-Gedanken bei Kindern und Heranwachsenden, die mit diesm Mittel behandelt werden."
Siehe auch
Topamax® / Topiramat
Die Firma Johnson & Johnson teilte mit, dass "fettleibige" PatientInnen über 11% ihres Körpergewichts verloren, nachdem sie ein Jahr das Antiepileptikum Topiramat schluckten. (Medscape)
Vioxx® / Rofecoxib
Nach Todesfällen in Zusammenhang mit dem Rheuma- und Schmerzmittel Vioxx® wurde der US-Pharmakonzern Merck zur Zahlung von 24,45 Mio. $ Schmerzensgeld verurteilt. Außerdem wurde Merck zur Zahlung von 229 Mio. $ verurteilt, weil der Konzern die Gefahren des Medikaments gegenüber der Öffentlichkeit verschleiert habe.
Merck hatte am 30. September Vioxx weltweit zurück gerufen.
Im September 2005 sagte der ehemalige Forschungschef von Merck, Edward Scolnick, aus, dass Studienergebnisse, die Vioxx mit Todesfällen in Zusammenhang brachten, von Merck zurückgehalten wurden.
Quellen:
- Financial Times Deutschland 22.8.05
- Spiegel Online 22.8.05
- Netzeitung 19.8.05
- Medscape/Reuters 27.9.05 (kostenlose Anmeldung erforderlich)
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Siehe auch
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