Rede einer Bulimikerin

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Eröffnungsansprache der zweiten Vorsitzenden zur 3. Jahrestagung des Bulimischen Kampfbundes e.V. 1981

Erstveröffentlichung: Hamburger Frauenzeitung Nr. 54, Dez.-März 1998


Liebe Genossinnen, verehrte bulimische Gästinnen, geehrte Nichtbulimikerinnen!

Unsere diesjährige Tagung steht unter dem Motto „Bulimie als konstruktiver Widerstand“. Die eine oder andere unter uns hier im Saal wird sich bei diesem Motto sicherlich gefragt haben: Bulimie als konstruktiver Widerstand – geht das? Bulimie ist doch eine Krankheit, oder, wenn nicht eine Krankheit, so doch wenigstens eine Störung! Eine Eßstörung. Wie kann eine solche selbstzerstörerische Krankheit oder Störung auf eine konstruktive Weise widerständig sein? Handelt es sich nicht eher um einen Widerstand gegen den eigenen Körper, gegen seine eigentlichen Bedürfnisse und Wünsche, um ein autoaggressives Verhalten?

Aus Gesprächen, die ich in der Vorbereitungsphase unserer Tagung mit nichtorganisierten Bulimikerinnen und Nichtbulimikerinnen führte, weiß ich, daß einige FrauenLesben bei dieser Frage antworten: der konstruktive Widerstand stellt einen Aspekt der Bulimie da. Er ist ein Aspekt neben dem Aspekt des Selbstzerstörerischen. Damit bin ich nicht einverstanden. Denn ich lehne es ab – und so steht es auch in unserer Satzung! – im Zusammenhang mit Bulimie von Krankheit, Störung oder Autoaggression zu sprechen. Denn, was bedeutet es, wenn von einer Krankheit oder Störung oder Autoaggression die Rede ist? – Es bedeutet, daß Bulimie weg muß!

Wir haben uns demgegenüber im Kampfbund zusammengeschlossen, nicht um Widerstand gegen die Bulimie zu leisten, sondern um unseren Widerstand gegen die Unterdrückungsmechanismen zu organisieren, die wir als Bulimikerinnen tagtäglich erfahren. Und zu diesen Unterdrückungsmechanismen zählt gerade die Anforderung, die Bulimie zu beseitigen, unser Verhalten sozialverträglicher und kostengünstiger zu gestalten, gesund zu sein. Es ist schwer, unter diesen Bedingungen an herrschenden psychohygienischen Idealen vorbei zu eigenen Maßstäben und Orientierungspunkten zu finden. Geradezu diffizil ist es für diejenigen Genossinnen, die sich als Orientierungspunkt die Überwindung der Bulimie gesetzt haben. Keine von diesen Genossinnen vertritt aber den Standpunkt, Bulimie sei eine Krankheit, Störung oder Autoaggression.

Wie hilfreich es sein kann, Bulimie als konstruktiven Widerstand zu begreifen, wenn eine Bulimikerin sich die Überwindung ihrer Bulimie zum Ziel gesetzt hat, darüber wird Berenice später mehr erzählen. Ich möchte derweil an meinem Beispiel erzählen, wie hilfreich es sein kann, Bulimie als konstruktiven Widerstand zu begreifen, wenn eine Bulimikerin sich die Überwindung ihrer Bulimie nicht zum Ziel gesetzt hat. Eine Voraussetzung dafür ist es, denke ich, den herrschenden Krankheitsbegriff hinter sich zu lassen. Praktisch ist das gar nicht so schwer, wenn eine Bulimikerin – so wie ich – Bulimie praktiziert, um zu überleben. Es kommt mir daher im Moment nicht darauf an, gesund zu leben. Es kommt mir nicht darauf an, lange zu leben, nicht darauf, schmerzfrei zu leben. Es kommt mir darauf an, jetzt zu leben. Alles andere ist sekundär. Alles andere kommt dahinter. Wenn mir die Bulimie ermöglicht – und ich bitte einige nichtbulimische Gästinnen unter uns, dies für den Moment einmal zu akzeptieren; ich komme später darauf zurück – wenn mir die Bulimie also ermöglicht, jetzt zu leben, dann ist sie in Ordnung, dann ist sie richtig, dann ist sie ein Lebensmittel. Wenn aber etwas zum Leben gebraucht wird, welchen Sinn macht es dann, von Krankheit oder Störung oder Autoaggression zu sprechen? Und sogar, wenn ich irgendwann einmal ohne Bulimie leben sollte: Welchen Sinn hätte es dann, die Bulimie nachträglich zu einer Krankheit oder Störung oder Autoaggression zu machen?

Ich habe lange nach dem Sinn gesucht, den es für mich haben könnte, mich als krank oder gestört zu erklären. Zwei Dinge sind mir eingefallen. Erstens: Die Krankheit ist eine sozial anerkannte Begründung für mein vermeintliches individuelles Versagen. Diese Funktionalität der Krankheit reicht vom Gelben Schein über die Absage einer Einladung zu einer Geburtstagsparty bis hin zur Entschuldigung vor mir selbst, wenn ich meine Ziele nicht erreiche. Zweitens: Die Krankheit ermöglicht mir Distanz zu meinem eigenen Verhalten. Über den Begriff der Krankheit kann ich ein Verhalten, einen Zustand eingrenzen und damit auch vom Rest von mir abgrenzen. Der Rest erlangt dadurch eine Handlungsmacht gegenüber dem Abgegrenzten. Ich will diese beiden Nutzeffekte der Krankheit hier nicht weiter bewerten. Nur so viel: Warum muß ich mich eigentlich für was womit entschuldigen? Und: Gibt es nicht auch andere Möglichkeiten, Handlungsmacht zu erlangen als solche der Selbstentfremdung?

Ich habe auch nach Motiven von Nichtbulimikerinnen gesucht, mich als krank zu erklären. Hier sind einige: Wer mich als krank definiert, tut dies von einem nicht-kranken Standpunkt aus, einem Standpunkt der Über-Sicht sozusagen, einem Standpunkt, den ich mir selbst gegenüber ebenfalls einnehmen kann, wie vorhin schon gesagt. Von diesem Standpunkt aus ist Distanzierung möglich, ist eine Helferinnenrolle möglich.

Ein weiteres Motiv ist immer mal wieder der Selbstschutz: Wer mich als krank definiert, muß sich von meinem Verhalten nicht persönlich angegriffen fühlen. Denn das, was ich tue, wird aus meinen Willensbereich in den Bereich der Kausalität verschoben. Es ist wie beim Regen. Niemand fühlt sich durch ihn persönlich beleidigt, weil er die Wirkung einer Ursache ist, für die kein Mensch etwas kann. Meine Krankheit hilft außerdem bei der Orientierung des eigenen Verhaltens. So kann man sich beispielsweise gezielt auf Dinge vorbereiten, die Bulimikerinnen tun könnten, aber kaum auf Dinge, die irgend jemand tun könnte.

Ich hoffe, daß diese Gedanken ausreichen, um ein bißchen von der Auffassung wegzukommen, daß jede Krankheit etwas Gegebenes ist – so etwas vielleicht wie dieses Rednerinnenpult. Krankheit kann eine soziale Relation und ein Selbstverhältnis sein, dessen Sinn und Nutzen hinterfragbar ist. Bulimie ist nicht sozusagen aus sich heraus eine Krankheit, nicht, weil sie Bulimie ist, sondern weil sie als Krankheit inszeniert wird.

***

Ich habe behauptet: Bulimie ist in Ordnung, Bulimie ist richtig. Nämlich, sie ist es genau dann, wenn eine Frau Bulimie praktiziert. – Ich sage extra nicht: Bulimie hat. Denn Bulimie ist kein Virus. Es ist immer eine Frau, die in einem konkreten Moment etwas Konkretes tut, erlebt und empfindet. Mit dem Wort Bulimie möchte ich mich auf die Vielzahl von Handlungen, Emotionen, Gefühle und Situationen beziehen, um die herum wir heute zusammengekommen sind. Oder anders: Indem wir heute hier zusammengekommen sind, machen wir uns etwas Gemeinsames. Das ist Bulimie.

Wieso behaupte ich, daß Bulimie in Ordnung ist, wenn eine Frau sie praktiziert? Meine Erfahrung ist: Ich tue immer das Beste für mich. Nicht das Zweitbeste, nicht etwas Schlechtes. Sondern immer nur das Beste. Mit „ich“ und „mich“ meine ich dabei nicht diesen kleinen Funktionskomplex bewußter Selbstreflexion, nicht meine Vernunft, nicht dieses denkende Ich, das sich einbildet, über alles am besten Bescheid zu wissen, und dabei noch nichteinmal alle Träume erinnert. Sondern ich meine mich als ein Ganzes. In diesem Ganzen eingekörpert sind unter anderem meine Begegnungen mit anderen Menschen, Normen und Strukturen dieser Gesellschaft, Erinnerungen, eine Schilddrüse und kariöse Zähne. Dieses Ganze meine ich mit „ich“, wenn ich sage: Ich tue immer nur und unter allen Umständen das Beste für mich. Und es geht noch weiter: Die Tatsache, daß ich Bulimie praktiziere, stellt einen Beweis dafür dar, daß Bulimie das Beste ist, was ich im Moment für mich tun kann. Denn wäre es nicht das Beste für mich, dann würde ich es nicht tun.

[Zuruf aus dem Saal: Das Beste für dich ist sehr egoistisch!]

Ja, es ist sehr egoistisch, immer nur das Beste für sich zu tun. Aber es bedeutet nur im Kapitalismus automatisch – und da auch nicht immer – anderen etwas Schlechtes zu tun. Mir ist bewußt, daß mein Argument vom Besten ein Zirkel ist. Aber dieser Zirkelschluß ist nur eine gedankliche Form des Zirkels, in dem ich mich sowieso schon befinde. Der Zirkel um mich entspricht meiner Haut, aus der ich nicht heraus kann. Ich kann keinen Standpunkt außer dem meinigen einnehmen. Ich kann andere Standpunkte imaginieren. Aber das bin dann auch ich. In dieser Situation kann ich mir vertrauen, oder ich kann mir nicht vertrauen. Daß Selbstmißtrauen gelehrt wird, daß es im Gesundheitsdiskurs trainiert wird, daß wir unserem ichförmigen Kontrollkomplex mehr vertrauen sollen als dem ganzen Rest von uns zusammengenommen, hat mit Herrschaft zu tun.

Wenn eine Frau also bulimisch ist, gehe ich davon aus, daß sie das Beste für sich tut, was sie im Moment für sich tun kann. Das ist aus meinem Selbstvertrauen extrapoliert, aus meinem Vertrauen in die angemessene Ordnung meiner selbst. Ich würde weder sie noch mich aufgrund der Bulimie gestört oder krank nennen. Und wenn sie sich selbst gestört oder krank nennt, dann gehe ich davon aus, daß dies das Beste ist, was sie im Moment für sich tun kann: einen Widerspruch auf diese Weise zu formulieren, um ihn zu lösen.

***

Liebe Genossinnen und Gästinnen!

Ich hoffe, daß ihr mir soweit folgen konntet. Und ich hoffe, daß niemand von euch meint, ich wollte mit all dem ausdrücken, das Beste sei gut. Bulimie ist nicht gut. Bulimie tut weh. Aber: Bulimie ist konstruktiv. Bulimie ist lebenserhaltend. Warum?

Ich will sehr allgemein von mir sprechen (warum ich in dieser Rede überhaupt so privat werden muß, wird am Ende vielleicht noch deutlich). Ich praktiziere Bulimie, weil sie mein Gleichgewicht erhält. Mein Gleichgewicht ist die Voraussetzung dafür, daß ich leben kann. Jetzt. Nicht unbedingt morgen. Nicht unbedingt lange. Sondern jetzt. Mein Gleichgewicht beruht auf der angemessenen Ordnung einer Unzahl ausgleichender Aktionen. Um einige davon zu nennen: Wenn der Sauerstoffgehalt in meinem Blut sinkt, atme ich ein. Wenn ich einen Widerspruch in meinem Selbstbild finde, denke ich nach. Wenn ich einen Hunger habe, esse ich. Wenn ich einen Hunger habe, esse ich. Wenn ich einen Hunger habe, esse ich. Wenn ich einen Zahnschmerz empfinde, gehe ich zur Zahnärztin. Wenn ich überfüllt bin, kotze ich. Wenn ich einen Trennungsschmerz empfinde, mache ich ein Drama daraus.

Ich tue alles, um mein Gleichgewicht zu erhalten. Mein Gleichgewicht ist ein überkomplexes System miteinander verwobener und wechselwirkender Ausgleichsaktionen. Ich erhalte es optimal. Und nur einem Wesen, das fähig wäre, seinen eigenen Zirkel zu verlassen, seine Haut und die Maßgaben seines eigenen Besten, stünde ein anderes Urteil zu. Optimal bedeutet für mich im Moment, daß sich mein Elektrolythaushalt am Rande der Entgleisung befindet und daß ich diese Rede halten kann. Optimal bedeutet aber auch: nicht perfekt. Die vollkommene Harmonie wäre ein Grablied, endgültiger Stillstand. Ja, meine Bulimie ist für meine Elektrolyten eine Störung, eine Dissonanz, die mich dazu bewegt, mich zu verändern. Meine Bulimie ist indessen keine Störung für mich, weil – ich bin nämlich mehr als meine Elektrolyten. Viel eher als ein störender Faktor ist meine Bulimie der Ausgleich einer Störung. Denn durch etwas, das ich erlebt habe, das mich gestört hat, verstört hat, mein inneres Kind zerstört hat, sind mir Möglichkeiten verschlossen geblieben, die Nichtbulimikerinnen haben.

Dabei haben Bulimikerinnen nicht etwa weniger Möglichkeiten als Nichtbulimikerinnen, sondern andere! Bulimikerinnen sind nicht beschränkter als Nichtbulimikerinnen. Manche Nichtbulimikerinnen haben beispielsweise noch nichtmal die Möglichkeit, sich selbst zum Erbrechen zu bringen. Das ist eine sehr starke Einschränkung! Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine FrauLesbe ohne diese Möglichkeit überleben kann!

[Zuruf aus dem Saal: Bring es mir bei!]

Sei lieber froh, daß die Muster meines Gleichgewichts nicht normrelevant sind, Heidi! Du würdest krank werden davon!

Nichtbulimikerinnen schaffen sich in bestimmten Bereichen andere Möglichkeiten als Bulimikerinnen. Manche Möglichkeiten, denke ich, sind einfacher zu schaffen als andere, weil sie zum offiziellen Angebot dieser Gesellschaft gehören. Ich habe mir – nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit in unserem Kampfbund – Möglichkeiten geschaffen, die außerhalb der üblichen Konfektionsgrößen liegen. Das mußte ich, daran freue ich mich. Doch kann ich nicht Geige spielen wie die Mullova, nicht fliegen wie mein Wellensittich Butch, nicht essen wie meine Freundin Sabine. Der Anteil meiner Möglichkeiten, der gesellschaftlich honoriert wird, der gemeinhin als positiv betrachtet wird, ist vielmehr außerordentlich klein.

Als Bulimikerin sind mir gerade solche Möglichkeiten verschlossen, deren Mangel mir Schmerzen bereitet, deren Mangel mein Leben bedroht. Was mir passiert ist, ist aber passiert. Und es erscheint mir sinnlos, so werden zu wollen, wie ich geworden wäre, wenn es mir nicht passiert wäre. Das würde nämlich eine ganz andere sein. Darum stelle ich nichts wieder her. Ich befinde mich nicht in einem Heilungsprozeß. Und ich arbeite nicht daran, daß mein inneres Kind wieder nachwächst. Es ist tot. Das ist meine Ausgangsbasis. Von da aus gehe ich weiter und mache Neues. Und es ist dabei so, daß jede Möglichkeit, die ich mir schaffe, um mein Gleichgewicht zu erhalten, ein Widerstand ist. Ein Widerstand dagegen, an dem, was mir passiert ist, zu sterben, und ein Widerstand gegen gewisse Gleichgewichtsstandards dieser Gesellschaft.

[Zuruf aus dem Saal: Hey, das ist ein bißchen sehr allgemein! Das würde ja bedeuten, daß alles, was du machst, ein Widerstand ist!]

Ja, das bedeutet es. Und ich finde das nicht zu allgemein. Denn mein Widerstand gegen diese Gleichgewichtsstandards ist nicht weniger speziell oder konkret als der gegen eine Autobahn durch Kleinkleckersdorf.

Das Schwierige ist, daß bestimmte Forderungen an die Art, wie Individuen sich in dieser Gesellschaft zu strukturieren haben und welche psychischen Figuren sie dazu bilden müssen, nicht als solche zur Sprache kommen. Solange dies nicht der Fall ist, wird die Realität solcher Forderungen nur von denjenigen bemerkt, die aus irgendwelchen sozialisationstechnisch nicht reflektierten Gründen – und das bedeutet in dieser Gesellschaft: aus individuellen Gründen – gegen sie verstoßen. Demenstprechend wird die Problematik, die sich daraus ergibt, individualpsychologisch gehandhabt.

Individuelle Abweichungen von Standards können aber nur dann als Widerstand formuliert werden, wenn das, wovon abgewichen wird, als Forderung oder Zwang formuliert ist. Und individueller Widerstand kann nur dann politischer Widerstand sein, wenn diese Formulierung eine soziale Basis hat – sei sie auch noch so schmal. Diese Idee der Politisierung ist ja nicht neu: der heterosexuelle Standard zum Beispiel hatte lange die Form eines natürlichen Zustands, bevor er als patriarchale Zwangsjacke zur Sprache kam, gegen die ein Widerstand möglich ist.

***

Bulimische Genossinnen! Gästinnen!

Es hat bisher noch keine Politisierung unserer Anliegen in diesem Sinne stattgefunden. Wohl aber sind Bestrebungen im Gange, unsere bisher individuellen Abweichungen zu vergesellschaften. Wir haben seit einem Jahr eine sozial anerkannte Marke: die Bulimie wurde vom medizinischen Establishment zu einer eigenständigen Krankheit gekürt. Um konkreter zu sein: wir sind heute als Nummer F50 Punkt 2 und Punkt 3 in der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen kodiert. Dies hat Vorteile, was unsere Versorgung angeht, bedeutet aber auch, daß sich über kurz oder lang gewisse Normen etablieren werden. Normen, die unser Selbstbild und unsere Selbstdarstellung betreffen, die Sprache, die wir sprechen und in der wir uns denken, Inhalte und Formen der Geschichte, die wir uns entwerfen und vieles mehr. Wir hatten diesen Normen bisher nichts Eigenmächtiges entgegenzusetzen. Wir haben unsere Abweichung nicht politisiert. Die Folge davon ist, daß es weder einen sozialen noch einen sprachlichen Kontext außerhalb des Krankheits- oder Suchtdiskurses gibt, in dem die Rede einer sich autonom definierbaren Bulimikerin plazierbar wäre. Es gibt keinen Bulimischen Kampfbund, und der politische Dialekt ist der ML-Szene der 70er und 80er Jahre nachempfunden. Die Rede fand statt – im Privaten.


Siehe auch



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