Nachrichten 2009

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März 2009

Ungesund leben als PolizistIn

Der Spiegel vom 14.03.2007 meldete:

... Die Zahl der Übergriffe auf Beamte ist im vorigen Jahr stark angestiegen. ... Bundesweit stieg die Zahl der erfassten Fälle von 20.689 im Jahr 1997 bis zur letzten statistischen Erhebung 2005 auf 25.664, wie das Bundeskriminalamt mitteilte.
"Das ist ein enormer Anstieg. Polizeiliches Eingreifen wird immer gefährlicher", kommentierte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg. Daher sei auch der Personalabbau bei der Polizei verantwortungslos. Die Statistik zeige vielmehr, dass die polizeiliche Präsenz erhöht werden müsse. Hilfreich seien auch schnelle und empfindliche Urteile nach Straftaten gegen Ordnungshüter. "Wir hoffen, dass die Richter den Abschreckungscharakter berücksichtigen." ...

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.03.2009 meldet nun:

Polizisten in Deutschland werden immer öfter Opfer von Gewalt. Das beklagen Innenbehörden und Polizeiführer von Bund und Ländern. Als Gründe gelten mangelnder Respekt von jugendlichen Migranten sowie der Einfluss von Alkohol.


Uniformen

Seit Ende 2004 wurden in den Bundesländern die Polizeiuniformen im Zuge der EU-Harmonisierung schrittweise von Grün auf ein sehr dunkles Blau umgestellt. Siehe dazu Wikipedia.

Zuvor, bundesweit eingeführt 1972, waren bundesdeutsche Polizeiuniformen moosgrün und beige. Die Entscheidung für diese Farben war von farpsychologischen Erwägungen beeinflusst. "Die Polizei: dein Freund und Helfer" war das herrschende politische Motto.

Menschen, die die Umstellung der Polizeiuniformen auf Dunkelblau miterlebten, bewerten die neuen Polizeiuniformen in der Regel als "aggressiver" -- was als positiv oder als negativ empfunden wird, je nachdem, ob ein Mensch die aggressive Note als für PolizistInnen angemessen oder beurteilt oder nicht.

Im Blog VS-Geheim - Aus dem Alltag eines Polizisten antwortet zum Beispiel jemand auf die Frage des Bloggers, wie die neue Uniform ankommt:

Außerdem finde ich die schw...dunkelblauen (ist das wirklich blau) Uniformen viel zu martialische, zu aggressiv. Ich fand das grün irgendwie beruhigender.

Jemand anders schreibt:

Ich würde lieber die grünen Uniformen beibehalten. Die waren irgendwie freundlicher, ziviler. Die blauen sehen so martialisch aus und man kann sie schnell mit privaten Sheriffs verwechseln.

Ein Dritter schreibt:

Die neue Uniform ist deutlich besser als die alte. Sie strahlt wesentlich mehr Autorität aus und ist einfach schicker.


Vernünftigerweise hätte die Umstellung der Uniformen von Studien flankiert werden müssen, die prüfen, ob sich abhängig von den Uniformen die Wahrscheinlichkeiten von Gewaltanwendungen gegen PolizistInnen ändern. Zeit genug dafür wäre gewesen, da sich die Umstellung über mehrere Jahre hinzog. Ich bin mir ziemlich sicher, dass signifikante Zusammenhänge nachgewiesen werden könnten. Vielleicht hat es solche Studien auch gegeben, deren Ergebnisse aber nicht veröffentlicht wurden?


Stahlknüppel

Eine weitere Gefährdung von PolizistInnen ergibt sich aus der Umstellung von Gummi-Schlagstöcken auf Stahl-Schlagstöcke (EKA - Einsatzstock Kurz Ausziehbar), die in Hamburg im Verlauf dieses Jahres beginnen soll.

Die Stahl-Schlagstöcke sind geeignet, Knochen zu brechen. Bei Schlägen auf den Kopf können sie einen Menschen töten, weshalb PolizistInnen verboten wird, auf den Kopfbereich zu schlagen.

Gefahren für die physische und psychische Gesundheit von PolizistInnen entstehen aus mehreren Quellen:

  • Bei Auseinandersetzungen müssen GegnerInnen von PolizistInnen mit schwersten Verletzungen rechnen und werden entsprechend (re-)agieren.
  • PolizistInnen scheuen vor der Anwendung eher zurück, d.h. verzichten u.U. auf Selbstverteidigungsmöglichkeiten, die sie beim Gummiknüppel nutzen würden.
  • Das Verbot, auf den Kopfbereich zu schlagen, lässt sich in unübersichtlichen Situationen oder bei Panik schwer einhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass PolizistInnen Menschen unbeabsichtigt schwere Schäden zufügen, und auch die Wahrscheinlichkeit von Gerichts-Prozessen gegen PolizistInnen steigt.


Eine nicht-räpresentative Umfrage im Forum der Gewerkschaft der Polizei im April 2008 hat ergeben, dass rund 70% der PolizistInnen den Stahl-Knüppel EKA begrüßen und rund 30% den EKA ablehnen. Der Hauptgrund zur Befürwortung des EKA scheint seine Ausziehbarkeit zu sein, nicht seine Eigenschaft, Menschen damit töten zu können.


Siehe auch

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