Nachrichten 2007
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Oktober 2007
Explosion berufsbedingter Krebserkrankungen in Großbritannien
LabourNet Newsletter 26.10.07:
Berufskrankheit Krebs. Eine EpedemieEin Report von BBC-Online vermeldet, dass Forscher der Sirling Universität die offiziellen Angaben der Arbeitsgesundheitsbehöde HSE heftig kritisieren: statt der offiziell "verbuchten" 6.000 jährlichen Krebsfälle gäbe es mindestens viermal so viele Opfer, die die Krankheit von der Arbeit mitbringen würden. Nun mag einen zunächst der Streit darüber ob jedes Jahr 6.000 oder 24.000 Menschen an der Berufskrankheit Krebs sterben eher kalt lassen - ist doch jeder Einzelne zuviel. Aber das Wichtige an dem Streit ist die Feststellung der Forscher, die Zahl der Krebsfälle aus der Arbeit sei aktuell dabei, regelrecht zu explodieren. Und zwar eben nicht sozusagen als "Altlast" etwa früherer Asbestverwendung beispielsweise, sondern durch neue chemische Produkte einerseits, neue wenig erfasste Branchen der Produktion im allgemeinen andrerseits.
a) Eine kurze (englische) redaktionelle Zusammenfassung des BBC-Berichts auf der Google-Sammelseite UKPress vom 9. Oktober 2007:
"Occupational cancer epidemic" in der vor allem auch der beschönigende Umgang der britischen Regierung mit dieser Entwicklung kritisiert wird: [1]
b) Eine Mail von Roland Sheppard vom 12. Oktober 2007 auf der Mailingliste Labor-L in der er den genannten BBC-Bericht mit seinem eigenen Essay: "War at the Point of Production" zusammenbringt, der diese Entwicklung in den USA und Großbritannien zusammenfasst: [2]
Rechte behinderter Kinder auf schulische Integration teilweise bestätigt
Am 26. Oktober 2007 fällte das Bundesverwaltungsgericht ein Urteil, dass die Rechte behinderter Kinder auf schulische Integration erweitert.
"Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes ist ein wichtiges Signal im Bestreben für die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderungen. Bisher sah die Regelung vor, dass die Kosten für einen Integrationshelfer beim Besuch einer integrativen Schule nur dann zu tragen sind, wenn das Kind dieser Schule schulrechtlich zugewiesen wurde. Mit dem jetzt vorliegenden Urteil ist der Träger der Sozialhilfe auch verpflichtet, die Kosten zu übernehmen, wenn schulrechtliche Wahlfreiheit besteht, Eltern und Kinder somit die Wahl zwischen Förder- und Regelschule haben", erklärte der Christdemokrat Hüppe, der behindertenpolitische Sprecher seiner Fraktion im Bundestag. ... Seine sozialdemokratische Amtskollegin Silvia Schmidt erklärte: "Ich finde es ausgesprochen schade, dass immer erst Gerichte entscheiden müssen und die menschenrechtlich verbriefte Wahlfreiheit behinderter Menschen in der UN-Konvention noch nicht grundsätzlich Eingang in Verwaltungsentscheidungen findet.
In einem Kommentar unter dem Kobinet-Artikel heißt es:
Man sollte ... vorsichtig sein mit Pauschalaussagen in der Richtung, dass Eltern und Kinder ... jetzt "frei entscheiden können ob sie sich für einen Schulbesuch in einer Sonder- oder Regelschule entscheiden". Das ist ja nicht so. Nur dann, so das Urteil, wenn das Schulamt den betroffenen Kindern bzw. ihren Eltern die Wahl zwischen Sonderschule und allgemeiner Schule freistellt, hat das Sozialamt die erforderlichen Kosten zu tragen. Eine solche Wahlfreiheit ist aber eben leider nicht überall gegeben. ...
September 2007
Großbritannien: Gewerkschaftsaktion gegen Schließung von "Behinderten"-Werkstätten
In Großbritannien sollen nach Plänen des Managements 43 der 83 Remploy-Werke geschlossen werden, wodurch 3.000 Menschen - davon 2.300 behindert - erwerbslos würden. Die Gewerkschaften, die die Remploy-Beschäftigten vertreten, haben einen Plan vorgelegt, nach dem die Betriebe ohne Verluste weiter laufen könnten, wenn öffentliche Stellen verstärkt Aufträge an Remploy vergeben - ohne dabei selbst höhere Kosten zu haben. Die Gewerkschaften betonen, dass Betriebe wie Remploy eine Notlösung darstellen, weil die Diskriminierung behinderter Menschen auf dem Mainstream-Arbeitsmarkt beseitigt werden müsse.
Die Gewerkschaften haben einen "Marsch zum Erhalt der Remploy-Jobs" organisiert, der im August 2007 in Aberdeen startete, über London geht und am 24. Sepetember bei einer Konferenz der Labour-Partei enden wird.
Die Geschäftsleitung von Remploy sagt indessen, niemand werde erwerbslos. Man werde durch die Umstrukturierungsmaßnahmen die Möglichkeiten schaffen, 20.000 behinderte Personen in herkömmliche Betriebsstätten zu vermitteln. Dies koste 5.000 £ pro behinderter Person, während jeder Job bei Remploy 20.000 £ pro Jahr koste.
Quellen
- TUC 11.9.07 (englisch)
- Erklärung des Remploy Managements dazu (englisch)
Siehe auch
- Homepage von Remploy
- Zum Begriff "Behinderung" und den diesbezüglichen Sprachregeln britischer GewerkschafterInnen
August 2007
Internationale Forderung nach strenger Regulierung der Nanotechnologie
Internationale Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts- und HotelarbeitnehmerInnen (IUL) 6.8.07:
Ein internationales Bündnis von 44 nationalen und internationalen Gesundheits-, Umwelt- und Gewerkschaftsorganisationen - darunter die IUL, der IGB und die US-amerikanischen Gewerkschaften AFL-CIO, BCTGM und United Steelworkers - hat eine strenge, umfassende Regulierungsaufsicht über alle Stufen der Nanotechnologie und ihrer Produkte gefordert. Mit Hilfe der Nanotechnologie werden synthetische und natürliche Stoffe auf Atomar- und Molekularebene bearbeitet. Viele Produkte, die bearbeitete Nanopartikel enthalten, sind bereits im Handel, und viele weitere sollen demnächst auf den Markt kommen, denn die Konzerne investieren massiv in diese Technologie, ungeachtet ihrer nachgewiesenen Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Es gibt keine Möglichkeit, die Präsenz von Nanopartikeln am Arbeitsplatz zu messen, und erst recht keine Expositionstests. Die Technologie, so erklärt das Bündnis, ist mit spezifischen Risiken verbunden und erfordert eine spezifische Regulierungsaufsicht. ...Die Erklärung des Bündnisses führt acht fundamentale Grundsätze auf, die für eine angemessene und wirksame Aufsicht und Beurteilung des jungen Gebiets der Nanotechnologie unverzichtbar sind:
- Eine vorbeugende Grundlage:
Produkthersteller und -vertreiber müssen die Beweislast für die Sicherheit ihrer Produkte tragen: ohne unabhängige Überprüfung der Sicherheits- und Gesundheitsaspekte keine Marktzulassung.- Verbindliche nanospezifische Vorschriften:
Nanostoffe sollten als neue Substanzen eingestuft werden und einer nanospezifischen Aufsicht unterliegen. Freiwillige Initiativen reichen nicht aus.- Sicherheit und Gesundheit der Öffentlichkeit und der Arbeitnehmer:
Eine Exposition gegenüber Nanostoffen, deren Sicherheit nicht nachgewiesen wurde, muss verhindert werden, um Öffentlichkeit und Arbeitnehmer zu schützen.- Umweltschutz:
Vor der Marktzulassung muss eine die gesamte Lebensdauer erfassende Analyse der Auswirkungen auf die Umwelt durchgeführt werden.- Transparenz:
Alle Nanoerzeugnisse müssen gekennzeichnet und Sicherheitsdaten müssen veröffentlicht werden.- Einbeziehung der Öffentlichkeit:
Die Öffentlichkeit muss auf allen Stufen in transparenter, sinnvoller und umfassender Weise einbezogen werden.- Berücksichtigung weitergehender Auswirkungen:
Die weitreichenden Auswirkungen der Nanotechnologie, darunter auch ethische und soziale Folgen, müssen berücksichtigt werden.- Erzeugerhaftung:
Die Nanobranchen müssen für ihre Produkte haften.
Mehr über Nanotechnologie bei Wikipedia.
Juni 2007
Psychiatrie-Erfahrene wollen den Nobelpreis für Gert Postel
Oberhessische Presse 2.6.07:
Gert Postel ... der frühere Postbote, der heute in Marburg lebt, hatte sich bis zum Chefarzt einer psychiatrischen Klinik "hochgestapelt". Wegen Hochstapelei wurde er verurteilt und saß im Bau. Inzwischen tourt er als Autor durch die Republik. ...
Beschluss der Mitgliederversammlung der Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V., der Mitgliederversammlung der International Association Against Psychiatric Assault, des Plenums des Werner-Fuss-Zentrums und der Vorstände des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Berlin-Brandenburg e.V. und der Irren-Offensive e.V. April/Mai 2007:
Es wird Zeit für eine EntschuldigungIn der schon lange währenden Debatte um die Verantwortung der Wissenschaft für Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde eine Institution bisher ausgeblendet: der Nobelpreis.
Als Unterzeichner dieses Aufrufs wollen wir an die unmoralische Verleihung des Nobelpreises für Lobotomie [siehe: http://randbereiche.de/lobotomie.shtml] an Antonio Egas Moniz im Jahr 1949 erinnern. Die Lobotomie, insbesondere wenn sie mit dem in der Psychiatrie üblichen Zwang und unter Gewaltanwendung ausgeübt wurde, war ein offensichtliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dafür Antonio Egas Moniz mit dem Nobelpreis zu belohnen, gab dieser Grausamkeit den Ruf guter medizinischer Praxis und förderte ihren Gebrauch.
Da der Nobelpreis nicht zurückgenommen werden kann, appellieren wir an das Nobelpreis-Komitee sowie die Universitäten, die zur Nomination für den Nobelpreis autorisiert sind, sich mit einer Geste eigener Art zu entschuldigen: Durch die Verleihung des Nobelpreises für Medizin an Gert Postel, der erfolgreich den Chefarzt einer Psychiatrie vorgetäuscht hat. Seit 1981 hat er dreimal bewiesen, dass es gar kein psychiatrisches Wissen gibt und er hat somit Psychiatrie als eine gegen die Menschlichkeit gerichtete Institution aufgedeckt. Er hat mit seinem existentiellen Experiment bewiesen, dass es innerhalb der Wissenschaft eine Stimme der Moral gibt, welche in der Tat notwendig ist, um die Möglichkeiten von wissenschaftsfundierter Technik und medizinischer Praxis zu begrenzen.
Dieser Aspekt von Gert Postels Arbeit muss belohnt werden, jenseits aller Kontroverse darüber, ob er kriminelle Methoden anwendete, als er eine ärztliche Approbation fälschte, die es in der Psychiatrie sowieso nicht geben kann und die ihn insofern in einen diametralen Gegensatz zu einem der Hauptdogmen der Medizin gebracht hat.
Gert Postel vollendete das berühmte David L. Rosenhan Experiment und hat bewiesen, dass es auch auf der Ärzteseite jederzeit wiederholt werden kann. Er hat folglich einen empirischen Beweis dafür geliefert, dass es so etwas wie "psychische Krankheit" gar nicht gibt.
Mai 2007
Übereinkommen der UNO über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
Aus dem Newsletter der Aktion Mensch 20.5.2007:
Die Konvention zum Schutz und zur Förderung der Rechte behinderter Menschen ist am 13. Dezember 2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet worden. Seit März 2007 sind alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen aufgerufen, das internationale Übereinkommen zu unterzeichnen. Deutschland hat dies am 30. März 2007 getan. Einen kleinen Überblick über die UNO-Konvention erhalten Sie in unserer Broschüre "Ein großer Schritt nach vorne: Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen". Einzusehen und bestellbar unter: http://diegesellschafter.de/aktion/5mai/unokonvention.php
April 2007
Hinterbliebene machen Telefongesellschaft für Suizid verantwortlich
Im Januar 2007 tötete sich in Australien Sally Sandic. Einige Wochen zuvor hatte die 21-jährige Frau, die mit einem Antidepressivum behandelt wurde, in einem CallCenter des in Australien führenden Telekommunikationsunternehmens Telstra gearbeitet.
Eltern und KollegInnen behaupten, der schlechte psychische Zustand von Sally Sandic stehe in unmittelbaren Zusammenhang mit der Restrukturierung von Umsatzvorgaben bei Telstra vor einem Jahr. Überzogene Zielvorgaben hätten Sally Sandic in ein nervliches Wrack verwandelt. Ihre auf ein psychologisches Attest gestützte Anfrage zur Reduktion der Arbeitszeit sei vom Management abgelehnt worden. Der Vater von Sally Sandic sagte: "Ich denke, die Firma ist verantwortlich für das, was mit meiner Tochter geschah. Wenn Telstra hätte zur Verantwortung gezogen werden können, wäre sie noch unter uns. Aber es ist ihnen egal, alles dreht sich nur um Dollars, sie behandeln dich wie eine Maschine."
Die Familie erwägt, gegen Telstra vor Gericht zu ziehen. Nachdem die Sache in die Medien kam, kündigte Telstra eine Untersuchung ihrer CallCenter in ganz Australien an. Der Suizid von Frau Sandic sei eine "Tragödie", sagte ein Sprecher von Telstra. Angebote zur Arbeitszeitverkürzung habe Frau Sandic abgelehnt und im Übrigen sei das CallCenter-Geschäfft ein hartes Geschäft, für das sich nicht jeder eigne. Eine ehemalige CallCenter-Mitarbeiterin, die sich bei der Zeitung Harald Sun meldete, sagte, nahezu jede zweite Person werde tyrannisiert, weshalb sehr viele kündigen. Ein Sprecher der zuständigen Gewerkschaft sagte, eine Untersuchung sei längst überfällig. Bisher habe Telstra jedoch immer behauptet, alles sei in Ordnung. "Wenn nur Telstra Telstra untersucht und keine dritte Partei wie die Gewerkschaft eingeschaltet wird, dann nützt es nichts."
Einer im Jahr 2002 veröffentlichten Studie zufolge, die in Victoria durchgeführt wurde, wo Sally Sandic lebte, wird der Einfluss von Arbeitsbedingungen bei Suiziden unterschätzt. Dies verhindert, dass Präventionsmaßnahmen in diesem Bereich ergriffen werden.
Siehe auch
- Wikipedia: Suizid
- Gesundheits-Newsletter des britischen gewrkschaftsverbandes TUC 5.4.07 (englisch)
- Suizid-Serie bei Renault
Februar 2007
US-Firma will 45 Millionen PatientInnen in den USA Chips implantieren
Eine US-Firma namens Citywatcher (dt. "Stadtbeobachter") hatte vor rund einem Jahr RFID-Chips von VeriChip erstmals in die Oberarme von Angestellten implantieren lassen. Die Chips sollen dazu dienen, den Angestellten Zutritt in sicherheitsrelevante Bereiche zu ermöglichen. Nach Auskunft der Firmenleitung hatten sich die Angestellten die Chips freiwillig implantieren lassen. Citywatcher entwickelt Beobachtungsgeräte für Staat und Polizei. (Discovery Channel 14.2.06)
"RFID" steht für "Radio Frequency Identification" (dt. "Identifizierung per Funksignal"). Näheres dazu siehe FoeBuD e.V..
VeriChip schätzt, dass rund 45 Millionen PatientInnen in den USA von der Implantation ihrer Chips "profitieren" könnten. Doch blieben die Umsätze im vergangenen Jahr weit hinter den Erwartungen der Firma zurück, wie c|net vom 12.2.07 berichtet. Obgleich sich 66 Krankenhäuser bereit erklärt hatten, die Chips anzuwenden, fanden sich nur 222 PatientInnen dafür bereit. Neben bürgerrechtlichen Bedenken hemmen religöse das Umsatzwachstum. Manche halten die Chips für Malzeichen des Antichristen.
Siehe auch
Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Parkinson durch berufsbedingte Blei-Belastung
Bei Menschen, die in ihrem Leben über längere Zeit berufsbedingt Blei ausgesetzt waren, ist die Wahrscheinlichkeit, im Alter Parkinson zu kriegen, rund 2 Mal höher als bei anderen. Der Effekt ergibt sich aus der längerfristigen Einwirkung erlaubter Konzentrationen.
Zu diesem Ergebnis gelangte eine Studie mit 121 Parkinson-PatientInnen, durchgeführt von Steven Coon (Department of Biostatistics and Research Epidemiology), Azadeh Stark (Department of Pathology), Edward Peterson (Department of Neurology, Henry Ford Health System, Detroit, Michigan, USA) und anderen.
Eine vorangegangene Studie hatte gezeigt, dass ArbeiterInnen, die länger als 20 Jahre berufsbedingt mit Blei zu tun hatten, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Parkinson aufwiesen.
Quelle: Environ Health Perspect. 2006;114(12):1872-1876. Veröffentlicht bei Medscape 12.2.07: Whole-Body Lifetime Occupational Lead Exposure and Risk of Parkinson's Disease (kostenlose Anmeldung erforderlich).
Siehe auch
Mädchen in die Psychiatrie verschleppt
Ein 15-jähriges Mädchen wurde gegen eigenen Willen und gegen den Willen der Eltern von 15 PolizistInnen in die Psychiatrie verschleppt und dort festgehalten. Die Katholischen Nachrichten vom 23. Dezember 2006 und vom 6. Februar 2007 berichten ausführlich.
Oben schreiben sie jeweils hin, das Mädchen sei "gesund" bzw. "normal" - als dürfe man mit "kranken" bzw. "unnormalen" Mädchen so verfahren. "Krank" werden Kinder durch eine entsprechende psychiatrische Zuweisung, "unnormal" durch eine entsprechende soziale Zuweisung. Das Problem besteht m.E. nicht so sehr darin, dass psychiatrische Zuweisungen falsch sein können, sonern eher darin, dass psychiatrische Zuweisungen überhaupt derartige Folgen haben können. Denn das bedeutet, dass in diesem Land kein Kind sicher vor Zwangseinweisungen in die Psychiatrie ist und dass einzelne Menschen wie Psychiaterinnen und Gutachter gegenüber Eltern eine rechtsstaatlich nicht zu vertretende Macht besitzen.
Philippinen: Nierenverkäufe aus Geldnot
LabourNet Newsletter 9.2.07:
Der (arme) Mensch als Ware: 3.000 Nieren aus einem Slum...Die Universität der Philippinen hat jüngst eine Studie veröffentlicht, die unter anderem die Aussage beinhaltet, dass in einem einzigen Slum der Hauptstadt Manila sage und schreibe 3.000 Menschen je eine ihrer Nieren verkauft haben - Preise ab 1.400 Dollar. Das Gesundheitsministerium sorgt sich um den wachsenden Handel, der offensichtlich auch von Ärzten und Krankenhäusern betrieben wird und schon zum Auftauchen entsprechender Maklerfirmen geführt hat (das einzige, was daran verboten ist). Viele werden ins Ausland verkauft - in Japan warten 10.000 Menschen auf eine Niere...
Der (englische) Bericht "RP admits ‘rampant’ traffic in human organs" von Katrice R. Jalbuena am 8. Februar 2007 bei der "Manila Times"
Januar 2007
Krankenstand bei Beschäftigten und Erwerbslosen
Frankfurter Rundschau 16.1.07:
Der Krankenstand in Deutschland ist erneut gesunken. Mit nunmehr noch 3,29 Prozent lag er 2006 um drei Hundertstel Prozentpunkte unter den Vorjahresstand. Pflichtversicherte in der Gesetzlichen Krankenversicherung fehlten im Schnitt 7,2 Tage. 2005 war der der Krankenstand von zuvor 3,4 Prozent auf den damaligen Tiefstand von 3,3 Prozent gefallen. Der Trend besteht seit Jahrzehnten: In den 70er Jahren lag der Krankenstand noch über fünf Prozent. Klaus Priester, Mediensoziologe an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen, warnt jedoch davor, aus den Zahlen auf den tatsächlichen Gesundheitszustand der Bevölkerung zu schließen. Denn die Daten bezögen sich noch nicht einmal auf alle Erwerbstätigen, sondern nur auf die Pflichtversicherten in einer gesetzlichen Krankenkasse. 2006 wurden außerdem erstmals nur noch die Empfänger von Arbeitslosengeld I in der Statistik berücksichtigt. Langzeitarbeitslose, die "deutlich höhere Krankenstände aufweisen", blieben außen vor… "Vieles, was auf der Hand zu liegen scheint, stellt sich bei genauer Analyse als nicht haltbare Vermutung dar", sagte Priester am Montag der FR. So sei es nicht richtig, dass ältere Arbeitnehmer öfter krank seien als jüngere, wie einige Krankenkassen behaupten. Vielmehr seien die Belegschaften im Durchschnitt "gesünder" geworden, weil im Zuge von strukturellen Veränderungen gesundheitlich belastende Arbeiten verschwänden oder exportiert würden und gesundheitlich angeschlagene ältere Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit oder den Vorruhestand gedrängt würden.
Siehe auch
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