Hinfallen und wieder aufstehn
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Kampagne gegen Glühlampen
Glühbirnen sind Energieverschwender. Ein Verbot von Glühbirnen wie in Australien wird auch in Europa diskutiert. Ich betrachte diese Entwicklung mit Sorge, da ein bestimmter Aspekt in den Diskussionen keine Rolle spielt:
Es gibt eine wahrscheinlich genetisch bedingte Konstitution, die in der Neurologie "Photosensitivität" oder auch "Photoepilepsie" genannt wird. Es wird geschätzt, dass ca. 1 Mensch von 10.000 in der allgemeinen Bevölkerung auf Flimmerlicht Reaktionen mit Krankheitswert zeigt und 7-8% der allgemeinen Bevölkerung messbare Reaktionen. Bei EpileptikerInnen sind es mehr. Besonders betroffen sind Mädchen. Die Dunkelziffer ist bei Reaktionen mit Krankheitswert sehr hoch, da solche Reaktionen auch von MedizinerInnen leicht mit Herz/Kreislaufvorfällen oder vegetativen Störungen verwechselt werden.
Studien über Langzeitwirkungen von Flimmerlicht in verschiedenen Frequenzen und Spektralbereichen auf das menschliche Gehirn liegen meines Wissens nicht vor. Es sollte aber zu denken geben, dass sich Energiesparlampen gegenüber Glühbirnen in Privathaushalten nicht durchsetzen konnten, obgleich sie Geld sparen. Menschen meiden gefühlsmäßig bestimmte Arten von Licht. In wohl jedem Bekanntenkreis finden sich Menschen, die bei sich zu Hause Energiesparlampen nicht haben wollen. Dies ist ernst zu nehmen. Nach und nach wird sich die wissenschaftliche Erkenntnislage diesbezüglich verbessern.
Um aktuell beurteilen zu können, welche Typen von Energiesparlampen keine unangenehmen bis schädlichen Effekte haben, wären fachliche Prüfungen nötig, beispielsweise organisiert von der Deutschen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie oder entsprechenden europäischen Gesellschaften.
Es ist zu befürchten, dass sich bei einem Glühlampenverbot in ärmeren Haushalten flimmernde Billigprodukte verbreiten und Produkte von elektrotechnischen Experten ohne medizinische Kenntnisse als "gut" beurteilt werden, die es vom gesundheitlichen Standpunkt aus nicht sind. Schon heute erleben photosensitive Menschen ihre Umwelt teilweise wie einen Spießrutenlauf. U.a. werden aufgrund von Defekten flimmernde Leuchtmittel in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Krankenhäusern, Schulen ... nicht zeitnah repariert.
Guter Überblick zum Thema: Visual-sensitive Epilepsies by Benjamin G Zifkin and Frederick Andermann (englisch)
Siehe auch
- Licht - Notizen zum Vergleich von Glühbirnen mit Energiesparlampen/Vollspektrumlampen
Studie zur Voraussagbarkeit epileptischer Anfälle
Besser spät als nie
Laut Medscape Medical News vom 22.1.07 *) begann im Jahr 2002 die erste systematische Untersuchung zur Vorhersage epileptischer Anfälle durch die Betroffenen. Durchgeführt wurde die Studie vom National Institutes of Health (USA) - Dr. Sheryl Haut vom Epilepsy Management Center im Montefiore Medical Center, in den Bronx, New York.
Bei der Studie wurden 15.179 Tagebucheinträge von 71 Menschen mit Epilepsie ausgewertet, in denen 1.488 Anfälle notiert sind. Bei 475 dieser Anfälle, d.h. zu rund 30%, sagten die EpileptikerInnen in den vorangehenden 24 Stunden einen Anfall als "sehr wahrscheinlich" und "wahrscheinlich" voraus. Insgesamt waren 13.691 Tage anfallsfrei. Davon wurde bei 11.388, d.h. bei rund 80%, angegeben, Anfälle seien "sehr unwahrscheinlich" und "unwahrscheinlich". Jüngere Menschen sagten Anfälle besser voraus als ältere.
Daraus könnten sich neue Behandlungsmöglichkeiten ergeben: Training zur besseren Voraussage von Anfällen und anfallsbezogene Medikation (statt wie bisher andauernde).
Erstveröffentlichung der Studie in: Neurology. 2007;68:262-266, 308, 309 (23. Januar 2007).
In einer anderen Studie, ebenfalls publiziert in Neurology 23. Januar 2007 wurde übrigens die Fähigkeit von Hunden, Anfälle vorauszusehen, angezweifelt. Es sei bisher unzureichend geklärt, ob Hunde nicht eher psychogene nicht-epileptische Anfälle voraussehen als epileptische.
*) Anmeldung erforderlich - die Jahresangabe "2006" zu Beginn des Artikels ist falsch
Erfahrungsbericht: Ausstieg aus der medikamentösen Behandlung der Temporallappenepilepsie
Ich habe einen eindeutigen Befund: Narbe im Temporallappen in der Kernspintomographie sichtbar, passendes EEG und passende Anfälle. Zwei Jahre wurde ich mit Carbamazepin behandelt. Zwei Jahre ging es mir schlecht. Da habe ich mir gesagt: "Ich oder die Tabletten". Das war eine existenzielle Entscheidung - so klar und eindeutig, dass ich selber darüber erstaunt war.
Ich habe Folgendes gemacht, das vielleicht andere auf ein paar Ideen bringt:
- Tabletten abgesetzt.
Das habe ich sehr, sehr langsam gemacht über anderthalb Jahre. Aber Achtung! Sowas zu machen, ist gefährlich!!! Ich glaube, das Folgende kann auch helfen, wenn man Tabletten nimmt, aber ich selber wäre auf vieles nicht gekommen, wenn ich die Tabletten weiterhin genommen hätte. - Psychotherapie.
Traumatische Ereignisse in meiner Frühkindheit, durch die die Narbe im Temporallappen entstand, habe ich in einer Psychotherapie teilweise aufgedeckt und bearbeitet. Dadurch konnte ich den körperlichen Defekt als Teil meiner Person integrieren und ihm einen Sinn geben. - Keine Lebensmittel mit Geschmacksverstärkern (Glutamat).
Glutamat ist eine Substanz, die im Gehirn ausgeschüttet wird, ein Neurotransmitter. Antiepileptika wie Carbamazepin oder Oxcarbazepin hemmen die Ausschüttung von Glutamat. Nahrungsmittel wie Chips, Maggi-Soße etc. erhöhen das Aufkommen von Glutamat. Nach meinen Selbstexperimenten führen kleinere Mengen von Glutamat über mehrere Tage (z.B. Maggi-Soße im Essen) unvermeidlich zu Anfällen. Bei hohen Dosen auf einen Rutsch (z.B. Tüte Chips) habe ich verstärkt akustische Halluzinationen, meine Aufmerksamkeit ist aber gesteigert, so dass ich gern mal eine Tüte Chips esse, um länger lesen zu können. - Kein Fernsehen mehr.
Siehe Fernsehen und Computerbildschirme auf dieser Seite. Zusätzlich zu den dort beschriebenen körperlichen Wirkungen verschlechtert nach meinem Gefühl das Ansehen von Filmen die mentalen Abwehrmöglichkeiten gegen epileptische Anfälle. Seit einiger Zeit sehe ich mir wieder Filme auf einem 100 Hz - Monitor an, lasse es aber, sobald ich ein bestimmtes Gefühl habe. - Trainieren, es möglichst früh zu bemerken, wenn sich ein Anfall anbahnt.
Siehe dazu Berichte über Hunde, die epileptische Anfälle früher erkennen als die betreffenden Menschen (z.B. Artikel von Dr. Barbara Schuler - e.b.e. Epilepsie Bundes-Elternverband). Auch Menschen können ihre Wahrnehmungen verfeinern. Wie das geht, kann ich leider nicht genauer beschreiben, aber als Beispiel die Musik nennen: unerfahrene HörerInnen empfinden bestimmte Jazz-Musik als Krach, mit besserer Übung kann man aber Muster heraushören und den musikalischen Sinn erkennen. - Meditation.
Wenn sich ein Anfall anbahnte, habe ich auf das Wort "leer" meditiert. Mit Meditationstechniken hatte ich dabei keine Erfahrung. Es genügte die bloße Annahme, dass es möglich ist, den neurophysiologischen Zustand auf diese Weise zu verändern. Von dieser Möglichkeit hatte ich durch einen Bericht über einen indischen Jogi erfahren. Der Jogi hatte sich eine Nadel durch den Hals gesteckt. Währenddessen wurde sein EEG abgeleitet. Es kam heraus, dass der Jogi sich autonom lokal anästhesieren konnte. Heute muss ich nicht mehr auf "leer" meditieren - es klappt einfach so. - Beschäftigung mit Philosophie.
Um mit meiner Temporallappenepilepsie zu leben und nicht gegen sie, hat mir der Konstruktivismus sehr geholfen. In dem Buch "Neuropsychologische Störungen und ihre Rehabilitation" von Mario Prosiegel (Richard Pflaum Verlag, München 1998, ISBN 3-7905-0771-7) heißt es unter der Überschrift Psychische Störungen bei Schläfenlappenläsionen: Einige Befunde deuten darauf hin, daß Patienten mit Schläfenlappenepilepsie eine Tendenz haben, sich mit philosophischen Problemen zu beschäftigen. Die Deutung dieser Dinge als pathologisches Symptom ist eine für Anhänger der psychiatrischen Weltanschauung typische Anmaßung, aber natürlich Quatsch. Manche für Temperallappenepilepsie typische Anfälle lassen sich z.B. gut als Zusammenbruch des Raum-Begriffs verstehen. Der Raum wird dabei als eigene Konstruktion verstanden, die im Moment des Anfalls misslingt. Ohne Raum-Begriff keine Bewegung: das Atmen wird schwerer, man kann keinen Finger rühren. Setzt man dagegen den Raum als "objektive Gegebenheit" voraus, wie in der Alltagsphilosophie üblich, machen diese Anfälle viel mehr Angst. Sie erschüttern dann unseren Halt in der Realität. Für die Mehrheit der Menschen ist die Alltagsphilosophie mit ihren unhinterfragbaren Voraussetzungen durchaus praktisch ausreichend - aber eben nicht unbedingt für Menschen mit Gehirnschäden, bei denen die angeblich unhinterfragbaren Voraussetzungen manchmal plötzlich verschwinden können. - Veränderung der Einschlafphase.
Ungefähr die Häfte meiner Anfälle kam beim Einschlafen. Diese Phase habe ich verkürzt, indem ich nur noch hundemüde zu Bett gegangen bin. Man legt sich hin und schläft sofort ein. Es war notwendig, die üblichen Vorbereitungen für das Zubettgehen aufzugeben: kein Zähneputzen, keine Nachtkleidung. Alle paar Jahre teste ich, ob es auch anders geht. Aber bisher musste ich feststellen, dass die Art des Einschlafens in die ursprüngliche Art des Einschlafens zurückspringt wie in eine Art Gleis, sobald ich die üblichen Vorbereitungen für das Zubettgehen wieder aufnehme. Ich muss dazu sagen, dass meine ersten epileptischen Anfälle im Alter von 25 auftraten. - Kein Alkohol.
In den ersten Jahren habe ich keinen Alkohol angerührt. Heute gehe ich nach Gefühl. - Wecker abschaffen.
Es wäre mir unmöglich, ohne Tabletten zu überleben, wenn ich geregelte Arbeitszeiten hätte. Drei Tage hintereinander durch einen Wecker geweckt werden - und schon beginnen die Anfälle. Deshalb schreibe ich hier anonym. Wenn ich einmal die Möglichkeit verlieren sollte, mich durch Arbeit bei freier Zeiteinteilung zu ernähren, dann käme ich in die Mühlen der Zwangsarbeitsgesellschaft. Um sich erwerbslos zu melden, muss man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen unter Bedingungen, die ich nicht einhalten kann. Um als "arbeitsunfähig" zu gelten und etwas Geld zu bekommen, muss man sich als "krank" labeln lassen. Wer als "krank" gelabelt ist und sich nicht "behandeln" lässt ... usw.
Fernsehen und Computerbildschirme
Fernseher und Monitore können epileptische Anfälle auslösen und die allgemeine Anfallsbereitschaft erhöhen. Einige Menschen reagieren auf die Flimmerfrequenz (bei Fernsehern üblicherweise 50 Hz, bei Computerbildschirmen 80 Hz), andere auf die Muster, die beim Aufbau der Bildzeilen entstehen (z.B. wenn man Videospiele dicht am Bildschirm spielt), wieder andere auf bestimmte Farben- und Musterkombinationen. So sind z.B. 1998 in Japan auf einen Schlag 685 Menschen wegen epileptischer Anfälle in die Krankenhäuser eingeliefert worden, weil sie einen Zeichentrickfilm im Fernsehen gesehen hatten. Die meisten von ihnen hatten keine "epileptische Vorgeschichte".
Es kommt vor, dass man durch Fernseher oder Monitore ausgelöste epileptische Anfälle mit Kreislaufproblemen verwechselt. Die epileptischen Reaktionen können m.E. teilweise auch erst einige Stunden nach dem Geflimmer auftreten.
Wahrscheinlich gibt es so einige EpileptikerInnen, die keine Arzneien schlucken müßten oder anfallsfrei sein könnten, wenn sie sich vor Fernsehern bzw. Monitoren in Acht nehmen würden (und nicht in Baumärkte usw. gehen).
Ähnliche Wirkungen wie Fernseher können auch Leuchtstofflampen haben.
Anfälle lassen sich u.U. vermeiden, wenn man die Flimmerfrequenz auf 100 Hz oder mehr erhöht. Ob das bei Computerbildschirmen geht, hängt auch von der Grafikkarte ab. Manchmal hilft Herunterstellen der Bildschirmfarben. Vorsicht: Manchmal machen Grafikkarten-Hersteller falsche Angaben über die erreichbaren Flimmerfrequenzen.
Infos teilweise aus Reflex epilepsy and reflex seizures of the visual system: a clinical review. Benjamin G. Zifkin et.al. Epileptic Disorders. Vol. 2, Issue 3, September 2000
Lilli E
Kino hat übrigens eine sehr niedrige Flimmerfrequenz und scheint in dieser Hinsicht unschädlich sein.
Siehe auch
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