Einfluss der Pharmaindustrie auf Selbsthilfegruppen
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Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) weist auf Gefahren hin, die sich aus der Beeinflussung von Selbsthilfegruppen durch die Pharmaindustrie ergeben. Das Deutsche Ärzteblatt vom 1.9.05 schreibt:
Über die Selbsthilfegruppen werde bei Ärzten häufig Verschreibungsdruck für neue und teure Arzneimittel ausgeübt. So würden beispielsweise in einem Buch über Brustkrebs „sehr häufig und für den Leser in keiner Form erkennbar objektive Informationen mit Vermarktungsstrategien der pharmazeutischen Industrie vermischt“, so der Berliner Onkologe Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorstandsmitglied der AkdÄ. Den Frauen werde suggeriert, die neuesten teuersten Substanzen seien auch die wirksamsten. Es gebe außerdem Hinweise darauf, dass die pharmazeutische Industrie über ihren Einfluss auf die Patientengruppen das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel unterwandern möchte.
Ein ausführliches Dossier der Zeit vom 19.5.05 zu diesem Thema geht u.a. auf die Verschreibung von Ritalin (Wirkstoff Methylphenidat) an Kinder ein:
Obwohl Methylphenidat, um Missbrauch zu verhindern, auf der Liste der Betäubungsmittel steht, wird es Kindern seit Jahren immer häufiger verordnet, nicht selten in Fällen, in denen die Diagnose ADS einer sorgfältigen Untersuchung nicht standhält. Wie das Fernsehmagazin report berichtete, werden die Pillen auffallend oft in Gebieten verschrieben, in denen Elternselbsthilfegruppen besonders aktiv sind. Diese geben Adressen von Ärzten weiter, die rasch Rezepte ausstellen, selbst für Kinder unter sechs Jahren, für die Methylphenidat nicht zugelassen ist.
Siehe auch
- Dossier Selbsthilfe im Spannungsfeld zwischen Finanzierungsnotwendigkeit und Abhängigkeit
KKH Kaufmännische Krankenkasse zur Unterwanderung der Selbsthilfe durch die Pharmaindustrie, November 2006 - Einfluss des pharmazeutisch-industriellen Komplexes auf die Selbsthilfe
Bericht von Dr. med. Kirsten Schubert, Prof. Dr. rer. nat. Gerd Glaeske, Universität Bremen - Zentrum für Sozialpolitik, November 2006 - Pharma-Firmen umwerben Patienten jetzt direkt
Hamburger Abendblatt 1.2.07 - Mittel der Pharmaindustrie
- Mittelweg
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