Dünner oder dicker werden: Weniger Fernsehen
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Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Fernsehen unabhängig vom Essen dick macht. Dies wird mit dem Stoff Cortisol in Zusammenhang gebracht. Dieser Stoff entsteht, wenn man in Stress kommt.
Normalerweise werden die Menschen hippelig, wenn sie in Stress kommen, d.h. sie bewegen sich dann auch mehr. Aber beim Fernsehen kommt man in Stress und bleibt meistens still sitzen.
In der Sendung „Ach, Du dickes Ei! Übergewicht bei Kindern“ im DeutschlandRadio (10.4.2004) hieß es dazu:
Den Fernsehkonsum auf sieben oder zehn Stunden pro Woche einzuschränken und dabei eine gewisse Auswahl zu treffen, ist keine große Kunst. Diese Maßnahme ist im Gegensatz zu Sport und Diäten zumindest bei Kindern nachweislich wirksam ...
Eine Studie, die von 1992 bis 1998 an rund 60 000 Frauen mit einem BMI niedriger als 30 durchgeführt wurde, ergab, dass mit jeder Steigerung des täglichen Fernsehens um zwei Stunden das Risiko für Typ-II-Diabetes um 14% steigt und die Wahrscheinlichkeit von „Übergewicht“ nach BMI um 23%.
Mit jeder Stunde flotten Gehens pro Tag sank das Diabetes-Risiko um 34% und die Wahrscheinlichkeit von „Übergewicht“ nach BMI um 24%. Die Risiken für Typ-II-Diabetes und die Wahrscheinlichkeit von „Übergewicht“ nach BMI stiegen dabei durch Fernsehkonsum auch dann deutlich, wenn die Frauen Sport machten oder sich viel bewegten. (Hu FB, Li TY, Colditz GA, Willett WC, Manson JE: Television watching and other sedentary behaviors in relation to risk of obesity and type 2 diabetes mellitus in women. JAMA. 2003 Apr 9;289(14):1785-91)
Eine Studie, die zwischen 1986 und 1988 mit 37 918 Männern zwischen 40 und 75 durchgeführt wurde, ergab, dass das Risiko für Typ-II-Diabetes durch Fernsehen deutlich steigt, durch körperliche Aktivität aber – unabhängig vom BMI – deutlich sinkt. (Hu FB, Leitzmann MF, Stampfer MJ, Colditz GA, Willett WC, Rimm EB: Physical activity and television watching in relation to risk for type 2 diabetes mellitus in men. Arch Intern Med. 2001 Jun 25;161(12):1542-8)
Preisfrage: Was passiert, wenn man ohne Verringerung des Fernsehkonsums Kinder durch Ernährungsumstellungen und erhöhte Bewegung dünner macht?
Cortisol ist abhängig vom Cholesterin-Aufkommen. Cholesterin wird in erster Linie vom Körper selbst erzeugt und nicht in erster Linie (wie häufig angenommen) über die Nahrung aufgenommen. Die Ernährungsumstellungen, die man zu verdünnenden Kindern angedeihen lässt, senken i.A. die Zufuhr von (LDL-)Cholesterin durch die Nahrung (weniger Fett etc.). Bei einigen Kindern kommt es dadurch vielleicht zu einer Senkung des Cholesterinspiegels und damit des Cortisolspiegels, bei anderen nicht (hyperresponders, hypo-responders). Mehr Bewegung verbraucht mehr LDL-Cholesterin. Was eine dauerhafte geringe Senkung des LDL-Cholesterinspiegels geistig und körperlich bei Kindern bewirken kann, ist unklar. Siehe dazu Wikipedia: Cholesterin und Blog Dr. Hendel. Können eine Ernährungsumstellung und insbesondere mehr Bewegung in Kombination mit gleich bleibend hohem Fernsehkonsum (bei einigen Kindern) zu Cholesterinmangel führen? Als Folgen von Cholesterinmangel werden genannt: erhöhtes Krebsrisiko, geringere Lebenserwartung, Depressionen u.a.m.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Erwachsene, die dicke Kinder dünner machen wollen, nicht wissen, was sie tun. Wüssten sie schon ein klein wenig mehr, so würden sie sich gar nicht trauen, die Körperfiguren von Kindern zu ändern. Sie wüssten dann nämlich, dass zu vieles unklar ist.
Man weiß zwar, dass Bewegung gesund ist. Aber man weiß schon nicht mehr, ob Bewegung auch bei hohem Fernsehkonsum gesund ist. Auch weiß niemand, ob ein dickes Kind, das durch irgendwelche Maßnahmen dünner gemacht wurde, länger lebt oder gesünder bleibt als ein dickes Kind, das dick bleibt. Viele Erwachsene meinen, das zu wissen, weil sie dünnergemachte Kinder mit von vornherein schlanken Kindern gleich setzen. Aber diese Gleichsetzung ist unvernünftig. Vernünftig ist die Annahme, dass Organismen entsprechend der gegebenen inneren und äußeren Bedingungen die jeweils optimale Körperform anstreben. D.h., je nachdem, was für ein Kind unter den gegebenen Umständen seines Körpers, seiner Psyche und seiner Umwelt gesünder ist, wird sein Körper dick oder dünn. Vernünftigerweise dürften Erwachsene nicht versuchen, die Körperfiguren von Kindern zu ändern. Sie müssten stattdessen versuchen, die Lebensbedingungen von Kindern zu verbessern. Dies wäre ein sicherer Weg, wollte man etwas für die Gesundheit von Kindern tun.
Siehe auch
- Wikipedia: Cortisol
- Effekte von Fernsehen auf die Wahrnehmung
- Dünner oder dicker werden
- Übersicht zum Thema "Dick und dünn"
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