Besuch aus China

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"Ich hätte nie in diese Fabrik gehen sollen,
es war so unbeschreiblich schmerzhaft dort."
Fu Hongqin, im Januar 2006 an Cadmium-Vergiftung verstorbene Arbeiterin


Inhaltsverzeichnis

Bericht aus Hamburg

Am 14. März 2006 kamen drei Frauen aus China nach Hamburg: Guo Meili, Hu Xiaoping und May Wong. Guo und Hu - ihre Namen haben sie aus Sicherheitsgründen geändert - sind Vertreterinnen ehemaliger ArbeiterInnen zweier Batteriefabriken nahe Hongkong, in denen sie gearbeitet haben. May Wong, eine Soziologin, arbeitet bei der Nichtregierungsorganisation (NGO) Globalization Monitor (GM) in Hongkong.

Die drei Frauen hielten sich in Europa auf, um an einem Kongress in Amsterdam teilzunehmen, zu dem sie der niederländische Gewerkschaftsbund FNV eingeladen hatte. Sie berichteten auf dem Kongress über die Firmen, in denen Guo und Hu gearbeitet hatten und in denen sie mit Cadmium vergiftet wurden. Die drei betreffenden Firmen gehören zu Gold Peak Industries (GP), einem der zehn größten Batteriehersteller der Welt, der außer in die Niederlande u.a. auch in die Bundesrepublik Deutschland liefert. GP unterhält in Stuttgart und Düsseldorf Vertriebsniederlassungen.

Klar, dass da der DGB seinem niederländischen Partnerbund in internationaler Solidarität nicht nachstehen wollte. Und so bot der DGB dem FNV eine Beteiligung an den Flugkosten an und ludt die Frauen auf einen Abstecher in die Bundesrepublik Deutschland ein.

Am Abend des 13. März empfing eine Abordnung der Hamburger Gewerkschaftsspitzen die Delegation aus China am Hauptbahnhof mit Blumen und Begrüßungsworten. Erhard Pumm, DGB-Vorsitzender von Hamburg und Abgeordneter der SPD in der Hamburger Bürgerschaft, wies auf die Notwendigkeit hin, den Standort-Nationalismus zu überwinden, und Astrid Rasner, bei der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Landesbezirk Nord u.a. zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und Migration, kündigte eine gewerkschaftsübergreifende Zusammenarbeit zur logistischen und finanziellen Unterstützung für die 400 KollegInnen in China/Hongkong an, deren Gesundheit durch GP geschädigt wurde.

Guo Meili, Hu Xiaoping und May Wong bedankten sich für die freundliche Begrüßung, indem sie allen 25 Anwesenden einzeln mit einer Verbeugung die Hand schüttelten, die so tief war, dass manche Hamburger KollegInnen sichtlich ins Grübeln gerieten, ob sie das auch versuchen oder die Verbeugung lieber ganz lassen sollten. May hatte in Großbritannien studiert, aber für Hu und Guo, die aus Dörfern des chinesischen Festlands stammen und als Wanderarbeiterinnen nach Hongkong gekommen waren, war es der erste Besuch in Europa. Allen drei schien Hamburg wie ein niedliches, verschlafenes Städtchen vorzukommen, denn weder während der U-Bahn-Fahrt noch auf dem zehnminütigen Fußmarsch zu ihrer Unterkunft bei einem Kollegen von Ver.di war ihnen jene sinnliche Überflutung anzumerken, an der man sonst Hamburg-TouristInnen aus Husum oder München so leicht erkennt. "Die Häuser in Hongkong sind um einiges höher", sagt May Wong auf Englisch, während sich Hu und Guo angeregt über ein unbekanntes Thema unterhalten. Guo ist recht streitbar, wie sich bereits am Bahnhof herausstellte. Beim Versuch, ihr das Gepäck abzunehmen, kam es zu einem kleinen "Handgemenge", weil die 36-Jährige nicht dulden wollte, dass eine ältere Frau des Empfangskomitees sich mit ihrem Koffer abschleppte, der indes kaum zehn Kilo wog.

Für den nächsten Tag hatte der DGB Hamburg eine Hafenrundfahrt organisiert, von der sich Pumm als vielbeschäftigter Mann leider entschuldigen musste. Dafür kamen Wolfgang Rose von Ver.di mit ein paar Hafenarbeitern der HHLA und Astrid Rasner von der IG BCE mit ein paar Azubis vorbei. "Es war nicht leicht", erzählte Astrid in einer ruhigeren Minute im Steuerstand der Barkasse. "Wir mussten losen. Keiner wollte die Gelegenheit zu einer kostenlosen Hafenrundfahrt verpassen, bei der man auch noch echten chinesischen Wanderarbeiterinnen begegnet." Plötzlich wurde sie blass um die Nase, denn die Kapitänin hielt direkt auf eine Kaimauer zu, weil Guo unbedingt einen Riesenhaufen Altmetall fotografieren wollte, von dem ein Hafenarbeiter erzählt hatte, das meiste davon werde zur Verwertung nach China verschifft. May Wong fragte, was denn so aus China im Hamburger Hafen ankäme. Viele denken bei Importen aus China sofort an minderwertigen Nippes. Der Hafenarbeiter jedoch begann, von irgendwelchen High-Tech-Riesenkränen zu berichten, was einen befriedigten Ausdruck auf die Gesichter von May Wong und Guo Meili zauberte. Unter Deck hatte währenddessen die vom DGB finanzierte Dolmetscherin allerhand zu tun, um eine angeregte Diskussion über deutsch-chinesische Unterschiedlichkeiten zu übersetzen. Hin und wieder wurde sie rot dabei, denn so manche Vorurteile und Klischees traten ans Tageslicht. Hu Xiaoping blieb gefasst - womöglich bügelte die Dolmetscherin einiges glatt in ihrer Übersetzung. Am Ende der Hafentour waren fast alle Hamburger KollegInnen schlauer als vorher. Sie hatten kleine, schwache, hilflose Opfer erwartet und waren auf kleine, mutige, selbstbewusste Kolleginnen getroffen.

Bestätigt wurde dieser Eindruck abends auf der Veranstaltung im Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof. Vor hunderten von Leuten legten die Arbeiterinnen mit sicherer, ruhiger Stimme ihre Situation dar, nachdem klar gestellt wurde, dass sich Guo und Hu aus Sicherheitsgründen nicht zu allgemeinen politischen Fragen äußern könnten.

Guo arbeitete 8 Jahre in der Batterieproduktion und Hu 15 Jahre. Sie hatten dabei mit einem rötlichen Staub zu tun, der ihre Körper bedeckte. Teilweise wurden sie genötigt, direkt am Arbeitsplatz zu essen. Über mögliche Gesundheitsgefahren wurden sie nicht informiert. Schutzkleidung gab es nicht. Gesundheitliche Probleme führten die ArbeiterInnen (95% Frauen) auf die hohe Arbeitslast zurück. 2004 wurden bei betrieblich finanzierten Untersuchungen, die auf Druck der Behörden durchgeführt wurden, erste Cadmiumvergiftungen bekannt. Es kam zu einer Arbeitsniederlegung. Das GP-Management versuchte, die Ergebnisse der Untersuchungen herunterzuspielen, und es gelang ihm, die Mehrzahl der ArbeiterInnen zur Weiterarbeit zu bewegen. Über hundert ArbeiterInnen kündigten aus Angst "freiwillig"; einige ließen selbst finanzierte, unabhängige Untersuchungen durchführen, wobei große Unterschiede in den ermittelten Cadmiumwerten zu Tage traten. Mit weiteren Streiks versuchten die ArbeiterInnen bessere Schutzmaßnahmen und bezahlte Untersuchungen durchzusetzen. In einer Fabrik kesselten die ArbeiterInnen den Direktor und drei Polizisten einen Tag lang ein, ohne den Männern zu erlauben, auch nur pinkeln zu gehen. Außerdem gingen sie mit Unterstützung von Lu Ying, Professorin am Zentrum für Rechtshilfe für Frauen der Sun Yatsen Universität, vor Gericht. Mit Hilfe von Globalization Monitor (GM) konnte der Fall in Hongkong und China öffentlich bekannt gemacht werden. Der Generaldirektor von GP Hongkong ist ein bekannter Mann, der auch als "Berater" der dortigen Regierung fungiert, erläutert May Wong. "In Hongkong gibt es Pressefreiheit", sagt sie, "in Festland-China nicht."

Guo und Hu wurden von Kolleginnen gewählt, um die Reise nach Europa zu unternehmen. Brauchbare Gewerkschaftsstrukturen gibt es für sie nicht. Gewerkschaften seien in China Teil des Managements, sagt May Wong. In China bestehen Arbeitsschutzgesetze und teilweise sogar strengere Grenzwerte als sie durch die Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegt wurden. Aber diese Gesetze und Grenzwerte werden unter den Augen der Behörden missachtet.

Aufgrund der Proteste konnte das GP-Management dazu gebracht werden, Entschädigungen anzubieten. Darüber, wie sie damit umgehen sollten, führten Guo und Hu nach der Hafenrundfahrt auf dem Fußweg nach St. Pauli in ein chinesisches Restaurant eine hitzige Debatte. Hierbei und auf der Veranstaltung im Gewerkschaftshaus wurde deutlich, wie die Zusammenarbeit zwischen den Arbeiterinnen und Globalization Monitor (GM) funktioniert: GM macht das, was die Arbeiterinnen nicht selbst tun. Aus den Meinungsbildungsprozessen der Arbeiterinnen hält sich May Wong heraus. Auf der Veranstaltung gibt May recherchierte Hintergrundinformationen zur Struktur von GP wieder, während Guo und Hu von der Situation vor Ort und unter den Arbeiterinnen berichten. GM scheint die Arbeiterinnen außerdem bei der Nutzung computergestützter Informationstechnik zu unterstützen. Hu kann es schon, Guo lernt gerade den Umgang mit dem Internet und mit E-Mails, erzählte May lachend bei einem Abendessen.

Guo, Hu und ihre Kolleginnen sind heute erwerbslos und können keine neue Arbeit finden. "Wenn bekannt wird, wo wir gearbeitet haben, werden wir nicht eingestellt", sagt Hu Xiaoping auf der Veranstaltung im Ver.di Center. "Niemand will Kranke einstellen." Der Widerstand der Arbeiterinnen von GP habe Vorbildfunktion, sagt sie. Auch in anderen Betrieben werde mittlerweile für bessere Schutzmaßnahmen und bezahlte Untersuchungen gekämpft.

Guo Meili sagt: "Vier unserer Kolleginnen sind gestorben. Zwei Monate vor ihrem Tod sah man es ihnen noch nicht an." Die Frauen haben Angst. Im Saal wird die Kopie einer Zeitungsseite herumgereicht, auf der man Guo mit ihrem Kind sieht. Die Haut des Kindes ist mit großen dunklen Flecken bedeckt. Insgesamt war es bei den Arbeiterinnen zu sieben Fehlgeburten gekommen, sieben Kinder kamen mit gesundheitlichen Schäden zur Welt und zahlreiche weitere mit einem geschwächten Immunsystem. Hu, die wie Guo verheiratet ist, weiß nicht, ob sie es wagen kann, schwanger zu werden. Zu den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schwierigkeiten hinzu kommen Probleme mit den Schwiegereltern, die die Frauen ihrer Söhne für die Misere verantwortlich machen. "Irgendjemandem müssen sie die Schuld schließlich geben", sagt Guo. Von den eigenen Eltern erhalten die Frauen bessere Unterstützung.

Von den TeilnehmerInnen der Veranstaltung erhielten die Frauen 430 Euro. Es waren nicht wirklich hunderte Menschen anwesend, sondern etwa fünfzig. Der Moderator der Veranstaltung, ein Kollege vom Ver.di Fachbereich 08, forderte zwecks Motivierung zu höheren Spenden mehrmals lautstark, "Raucher" im Saal müssten doppelt so viel geben wie andere, ohne auf Widerspruch zu stoßen. Ein Aufruf an die KollegInnen also, aufgrund von Scham und Schuldgefühlen höheren "Verzicht" zu leisten als ihre Nächsten. Auf die Idee, beispielsweise von AutofahrerInnen doppeltes Spendenaufkommen zu verlangen, weil sie jährlich hunderte von Kindern töten und immerhin ein Auto finanzieren können, kam der Kollege nicht. Denn in welchen Zusammenhängen Scham und Schuldgefühle zu mobilisieren sind, bestimmt sich für manche deutsche Gewerkschafterseele nach den Vorgaben staatlicher Autorität in Kombination mit verdrängten oralen und analen Traumata der Frühkindheit.

Von nichtreformistischer Seite kam es auf der Veranstaltung zu einer politisch weniger gefährlichen Peinlichkeit. GenossInnen vom Spartakist versuchten lehrerhaft, die chinesischen Arbeiterinnen über die Klassennatur der gegenwärtigen sozioökonomischen Umbrüche in China "aufzuklären", worauf ein Kollege von Jour Fixe - Gewerkschaftslinke Hamburg sagte: "Ihr müsst sie nicht belehren. Die lernen schon von allein, was nötig ist."
Der nichtrauchende Moderator der Veranstaltung setzte den leninistisch-trotzkistischen Belehrungsversuchen ein Ende, denn er genoss schließlich das "Hausrecht" in diesem pompösen Gewerkschaftsbau. Ein "Hausrecht", das erkauft worden war. Eine offizielle Unterstützung von Seiten der DGB-, Ver.di- oder IG BCE-Spitze gab es nicht.

Leider lief der Besuch der Chinesinnen nicht so ab wie beschrieben. Es handelt sich lediglich um die Täumerei eines neuen Ver.di-Mitglieds. Die Hamburger Gewerkschaftsprominenz war weder zum Empfang erschienen noch auf der Veranstaltung. Doch kam es nach der Hafenrundfahrt zu einem angeregten Gespräch über Arbeitsrecht mit Wolfgang Kreider, Rechtsanwalt und Ver.di Fachsekretär für Rundfunk und Medien.

Der Abstecher der Chinesinnen in die BRD, der Stationen in mehreren Städten umfasste, wurde vom Asienhaus Essen organisiert, das von Kirchen und Stiftungen unterstützt wird. Die Mobilisierung zur Veranstaltung entsprach dem, was ehrenamtliche Ver.di KollegInnen leisten können. Schon eine Ankündigung in irgendeinem Lokalblatt wie die "Szene-Hamburg" hätte für deutlich mehr TeilnehmerInnen sorgen können, aber es gab noch nicht einmal eine Ankündigung im "Newsletter" von Ver.di Hamburg, der im Übrigen Artikel der Kommerzpresse kopiert und Reklame für die Heimspiele der Hamburg Sea Devils live in der AOL Arena verbreitet. Sogar kostenlose Solidaritätsaktionen werden vermieden. Auf der Seite für internationale Solidaritätsschreiben bei GM sucht man deutsche Gewerkschaften vergeblich.

Einen weiteren Weg als Hauptamtliche aus den "oberen" Hamburger Gewerkschaftsetagen hätten auf sich nehmen müssen, nahm eine Journalistin auf sich, um für einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung die chinesischen Arbeiterinnen zu befragen. Das Willkommenskommitee am Bahnhof bestand aus vier Leuten. Den Besuch der Chinesinnen in Hamburg organisiert und ausgerichtet haben ein Ehrenamtlicher aus dem ver.di Fachbereich 08 (Medien, Kunst und Industrie) Hamburg und KollegInnen von Jour Fixe - Gewerkschaftslinke Hamburg.

Sie organisierten auch die Hafenrundfahrt, die auf einem alten, schmuddeligen ausrangierten Postboot stattfand, das einem (nichtgewerkschaftlichen) Kollektiv gehört. Die Rundfahrt war sehr schön, die Kapitänin ebenfalls und auch der ehemalige Hafenarbeiter, der von den Kränen aus China erzählte. Nicht ganz so schön war vielleicht die Tatsache, dass die Dolmetscherin unter Deck zur Kommunikation deutscher Klischees und Vorurteile herangezogen wurde, anstatt zur Kommunikation mit Hu Xiaoping, die still am Rande saß. Auf der Veranstaltung im Gewerkschaftshaus leistete die Dolmetscherin sehr gute Arbeit - bis vielleicht auf die Tatsache, dass sie die Gäste im Saal darauf hinwies, bei den chinesischen ArbeiterInnen handele es sich um mindergebildete Zeitgenossinnen und man solle deshalb nicht allzu komplizierte Fragen an sie richten. Wer weiß, was May Wong dazu gesagt hätte?

Ende März startete sie mit ihrer Organisation und dem Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB, englisch International Trade Union Confederation - ITUC, lokaler Zweig Hongkong: HKCTU) eine Kampagne, bei der es u.a. um die Versuche GPs geht, Produktionen mit Cadmium in andere Firmen auszulagern, die sich in Provinzen mit weniger Öffentlichkeit und staatlicher Kontrolle befinden.

Außer mit Spenden können einzelne Menschen hier helfen, indem sie Protestschreiben an GP Hongkong oder GP Deutschland schicken, mit Kopie an Globalization Monitor - und indem sie die deutschen Gewerkschaften auf einen Globalisierungskurs von unten bringen.


Quellen

Einige Hintergrundinfos

Gold Peak Industries (GP)

Die GP Gruppe hat Produktionseinrichtungen in Hongkong, China, Taiwan und Malaysia und Verkaufsniederlassungen in Singapur, Hongkong, Taiwan, China, Südkorea, Malaysia, Thailand, Polen, Dänemark, Deutschland, Italien, Schweden, Niederlande, Großbritannien, Kanada und den USA. Rund 12.000 Menschen arbeiten weltweit für die Gruppe. (GP-Info, gelesen 2.4.07)

Außer Batterien stellt die Gruppe auch Taschenlampen, Netzwerkkabel und Lautsprecher her. Mit rund 19% ist GP an Lighthouse Technologies Limited beteiligt, einem Hersteller von LED-Bildschirmen.

Die GP-Gruppe ist am chinesischen Elektronikkonzern TCL beteiligt, der u.a. Fernseher, PCs, Lichtanlagen und Mobiltelefone herstellt und in Europa durch seine Kassetten/Magnetbänder bekannt wurde. TCL kaufte 2003 die Schneiderwerke in Türkheim auf, die 2005 die Produktion einstellten. Mit Alcatel in einem Joint Venture und unter Beteiligung der Zeitschrift Elle produziert TCL das Mobiltelefon Elle Glamphone No.1, das von Tschibo vertrieben wird.


Cadmium Batterien von GP

Zeitlicher Ablauf

U.a. nach PC Global:

  • 2003 kommt es in drei chinesischen Fabriken des multinationalen Unternehmens Gold Peak Industrial Holding Company (GP) zur Vergiftung von 400 ArbeiterInnen mit Cadmium. Für mindestens acht ArbeiterInnen liegen offizielle Diagnosen über ihre Cadmiumvergiftung vor. GP produziert Batterien, u. a. auch für Laptop-Akkus.
  • 2004 fordern GP-ArbeiterInnen eine Entschädigung lehnt ab. Die von dem Unternehmen. Dieses ArbeiterInnen klagen GP vor Gericht an.
  • Juli 2004: Mehr als 40 AktivistInnen verschiedener Menschenrechts- und Soligruppen haben das Büro der Gold Peak Industries gestürmt, um gegen katastrophale Arbeitsbedingungen in zwei Fabriken der GP Batteries in Huizhou, Guangdong, zu protestieren. Bei mehr als 100 ArbeiterInnen sei eine Cadmium- Vergiftung bereits festgestellt, es könnten aber auch viel mehr sein. Die Firma bestreitet, daß jemand vergiftet sei im Sinne staatlicher Diagnose-Standards. Allerdings seien bei 400 von 1000 untersuchten ArbeiterInnen zu hohe Werte an Cadmium gemessen worden. 2000 weitere sind noch nicht untersucht.
  • Juni 2005: Das Gericht entscheidet zugunsten des Unternehmens GP.
  • Jan. 2006: Drei weitere ArbeiterInnen in einer anderen GP Fabrik in China werden mit Cadmium vergiftet. Mehr als zwei Dutzend ArbeiterInnen weisen überdurchschnittliche Werte an Cadmiumbelastung auf. Untersuchungen zeigen, dass die Einarbeitung bzgl. Arbeits- und Gesundheitsschutz mangelhaft ist und Schutzmaßnahmen in der Fabrik fehlen. GP droht mit Klagen, als sie sich mit Petitionen an die Zentralregierung in Peking wenden. Globalisation Monitor (GM), eine in Hongkong niedergelassene NGO, greift den Fall auf und startet eine Kampagne gegen GP.
  • Juli 2006: GP verklagt GM und zwei andere NGOs aus Hongkong wegen `Diffamierung`.
  • Sept. 2006: Die Aktionärsversammlung von GP in Hongkong wird von Protesten der ArbeiterInnen und ihrer UnterstützerInnen begleitet.
  • August 2006: GP kündigt an, einen Fonds von zehn Millionen Hongkong-Dollar (etwa 988.000 Euro) für die Betroffenen einzurichten.


Aus einem offenen Brief der ArbeiterInnen vom März 2006:

Die Angaben [von GP] entsprechen weder der tatsächlichen Zahl der durch Cadmium geschädigten ArbeiterInnen noch der Schwere der Schäden, die sie erlitten haben. Wir können beweisen, dass die Zahl der durch Cadmium Geschädigten deutlich über 400 liegt. Es gibt hinreichende Beweise, dass alle drei Fabriken Absprachen mit den Krankhenhausleitungen trafen, um die Untersuchungsresultate ... zu fälschen.


Cadmium

Cadmium akkumuliert in Leber und Nieren und vermindert die Rückresorption von Calcium in Darm und Niere. Um diese Verluste auszugleichen, wird vermehrt Calcium aus den Knochen abgebaut, was zu spröden Knochen und Osteoporose führt. Weitere Folgen von Cadmiumvergiftungen sind: Lungenschäden, Durchfall, Magenschmerzen, Erbrechen, Schäden am Zentralnervensystem und Immunsystem, Störungen in der Fortpflanzung / Unfruchtbarkeit, Krebs.


Siehe auch


EU-Batterie Richtlinie

Im Jahr 2004 hatte die EU-Umweltkommission ein Verbot von Cadmium in Batterien vorgeschlagen. Auf Druck von Batterieherstellern, insbesondere des Europäischen Verbands der Hersteller von Gerätebatterien (EPBA), wurde der Vorschlag der EU-Umweltkommission revidiert. Mit Beschluss des EU-Parlaments im Jahr 2006 sind Verbesserungen in der Rücknahme von Cadmium- und anderen Batterien geplant. Das Verbot von Cadmium in Batterien gilt nicht für Batterien in Notruf- und Alarmsystemen, medizinischen Ausrüstungen und schnurlosen Elektrowerkzeugen. Damit umfasst das Verbot nur rund 30% der tragbaren Cadmium-Batterien bzw. weniger als ein Viertel des Cadmiums in Batterien. (EurActiv 11.8.04/15.1.07, Müllmagazin 12/2004)

Der Schwerpunkt der EU-Batterie Richtlinie liegt auf der Entsorgung der Batterien. Es soll v.a. verhindert werden, dass Schwermetalle aus ungeregelter Entsorgung in die europäische Umwelt gelangen. Allein in der Bundesrepublik landen jährlich 400 t Cadmium in der Umwelt, weil die Leute entweder zu faul oder zu doof sind, die Batterien in die dafür bereit gestellten Pappkartons der Läden zu schmeißen, oder weil sie nicht wissen, in welchen Gegenständen sich Nickel-Cadmium-Akkus verbergen.

Nur eine geringe, wenn nicht gar keine Rolle, spielt das Cadmium-Problem hinsichtlich der Produktion und Gesundheitsgefährdung von ArbeiterInnen. So weit reicht der Umweltschutzgedanke auf EU-Ebene und auch bei umweltbewussten EuropäerInnen häufig nicht. In diesem Zusammenhang wurde anlässlich des Besuches von Guo Meili, Hu Xiaoping und May Wong in der BRD eine Unterschriftenaktion gestartet, um Zeitschriften wie "Öko-Test" und "Stiftung Warentest" dazu zu bringen, in ihre Bewertungen auch die Arbeitsbedingungen bei der Produktion einzubeziehen.


Siehe auch

Europäischer Verband der Hersteller von Gerätebatterien

Der Europäische Verband der Hersteller von Gerätebatterien (EPBA) nimmt nach eigenen Angaben massiven Einfluss auf die EU-Legislative:

We are currently playing a leading role in the EU legislative process in the context of a new Battery Directive. - Zur Zeit spielen wir eine führende Rolle im Prozess der EU-Legislative im Zusammenhang mit einer neuen Batterie-Direktive, heißt es auf einer EPBA-Internetseite. (Gelesen 2.4.07)

In diesem Zusammenhang schloss der EPBA einen kleineren Batteriehersteller - Saft (Paris) - aus dem Verband aus, nachdem dieser sich für höhere Rücknahmemengen nicht wiederaufladbarer Batterien ausgesprochen hatte, um die eigene Produktion wiederaufladbarer Cadmium-haltiger Batterien vor einem Verbot zu schützen. Die EPBA wird anscheinend von Herstellern dominiert, die eher auf die Produktion Cadmium-haltiger Batterien verzichten wollen als höhere Rücknahmeziele in Kauf zu nehmen. Hersteller v.a. von nicht wiederaufladbaren Batterien sind gegen eine Erhöhung der Rücknahmemengen, da sie somit den Verkauf von NiCads [wiederaufladbaren Nickel-Kadmium-Batterien] fördern und sich selber Schaden zufügen würden. (Deutschland-Rundbrief des Deutschen Naturschutzrings e.V. 08/09.04)

Neben Duracell, Philips, Energizer, Varta u.a. ist auch die GP Batteries (UK) Ltd., eine Tochter von GP Batteries International Limited (Honkong), Mitglied der EPBA.

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