Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter
Aus UngesundlebenWiki
Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) ist die Vereinigung der auf dem Gebiet der Adipositas im Kindes- und Jugendalter tätigen Wissenschaftler, Kliniker und Therapeuten in Deutschland. Sie ... arbeitet als Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG). Sie ist korporatives Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ). Sie hat in beiden Dachgesellschaften die Aufgabe, sich dem zunehmenden Problem der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zu widmen.(Selbstdarstellung im Internet, gelesen 16.4.06)
Inhaltsverzeichnis |
Soziale Diskriminierung als Krankheit der Diskriminierten
Dr. med. Thomas Reinehr, Vorstandssprecher der AGA, bezeichnet in einer Schrift vom April 2005 „geringes Selbstwertgefühl, Depression“ und „Essverhaltensstörung“ als „Folgeerkrankungen der Adipositas im Kindes- und Jugendalter“.
In einem Konsultationsbericht der Weltgesundheitsorganisation WHO, “Obesity: Preventing and Managing the Global Epidemic”, heißt es:
Es wurde erwogen, dass die erhöhte Inzidenz von Essstörungen [bei Fettleibigkeit] mit dem psychologischen Druck zur Schlankheit zusammen hängt (...). Die Tatsache, dass diese Störungen in Gesellschaften, in denen Fettleibigkeit als normal akzeptiert ist, nicht existieren, stellt eine starke Unterstützung für die Sichtweise dar, dass sie eine kulturelle Basis haben.
Zur Veranschaulichung der angeblichen „Folgeerkrankungen“ benutzt Reinehr die Abbildung eines dicken Kindes, dem man ins Innere schauen kann. „Geringes Selbstwertgefühl, Depression“ und „Essverhaltensstörung“ sind mit einem Pfeil versehen und zeigen auf das Gehirn des Kindes. Das Bild stammt aus der Fachzeitschrift Lancet 2002; 360: 473-482. Bei der Übersetzung der Beschriftungen ins Deutsche wurden aus “Complications of childhood obesity” (Komplikationen der Adipositas im Kindes- und Jugendalter) „Folgeerkrankungen der Adipositas im Kindes- und Jugendalter“. Soziale Diskriminierungen werden damit der Adipositas, d.h. den körperlichen Eigenschaften der diskriminierten Kinder, zugerechnet.
Dies geschieht auch in den Leitlinien zur Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter der AGA:
Der Krankheitswert der Adipositas im Kindes- und Jugendalter ergibt sich zum einen aus der funktionellen und individuellen Einschränkung und der psychosozialen Beeinträchtigung. Zum anderen haben Kinder und Jugendliche mit Adipositas eine höhere Komorbidität als normalgewichtige und haben darüber hinaus ein deutlich erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko im Erwachsenenalter ...
Entsprechend zielt die von den Leitlinien empfohlene Diagnostik darauf ab, die Leiden dicker Kinder als psychiatrische/psychologische „Störungen“ zu identifizieren. Dadurch werden die sozialpsychologischen Komplikationen der Adipositas an den adipösen Kindern behandelbar.
Der Artikel im Lancet übt Kritik an den Marketingmethoden der Lebensmittelindustrie, den übermäßigen Arbeitszeiten von Eltern, die sie an der Betreuung ihrer Kinder hindern, und an der Abhängigkeit der Medizin und Politik von der Industrie. Die AutorInnen schlagen u.a. das Verbot von Nahrungsmittel-Werbung vor, die sich direkt an Kinder richtet.
Zu diesem Thema heißt es in einem Artikel „Prävention und Therapie von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter“, den Thomas Reinehr zusammen mit DAG-Vorstandsmitglied Prof. Johannes Hebebrand und DAG-Beiratsmitglied Prof. Dr. med. Manfred J. Müller verfasste:
Diese Maßnahmen entsprechen aber nicht den gegenwärtig häufigen Wertvorstellungen und Wünschen der Menschen, die eher durch Gewinn, Konsum, Genuss und Lebensfreude charakterisiert sind.
Während die angeblichen Wünsche der Menschen dagegen sprechen, Profitinteressen anzutasten, halten es die Autoren für möglich Ernährungs- und Lebensgewohnheiten auf der Bevölkerungsebene [zu] verändern – und zwar durch gemeinsame Aktivitäten von Ärzten, Public-Health-Experten, Ökonomen, der Lebensmittelindustrie, den Medien und der Politik. (Ärzteblatt vom 10.2.06)
Eine politische Positionierung der AGA scheint auch in den Angaben zu ihrem Datenmaterial durch. Die Referenzwerte der Leitlinien zur Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter, steht in den Leitlinien, „stellen aktuelle Referenzwerte für deutsche Kinder und Jugendliche dar.“
Bei myBMI4Kids, einem Projekt der AGA, das Eltern wider alle Vernunft dazu anhält, statistisches Datenmaterial auf konkrete Kinder herunterzubrechen und die Kinder damit sozial-praktisch zu entindividualisieren, wird betont:
Diese Referenzwerte basieren auf einer Stichprobe von über 34.000 deutschen Kindern und Jugendlichen. Aus diesem Grunde sind Vergleiche zwischen Individualwert mit Referenzwert auch nur für deutsche Kinder und Jugendliche aussagekräftig.(Hervorhebung im Original.)
Wer einen bürgerlich-liberalen Begriff von „deutsch“ hat, muss sich, weil in Deutschlands Alltag ein völkisches Verständnis von „deutsch“ vorherrscht, fragen, was mit diesem Hinweis gemeint sein könnte: Zählen zum Beispiel deutsche Kinder türkischer Eltern mit oder nicht? Zählen Schwarze deutsche Kinder mit oder nicht? AGA-ExpertInnen fragen sich so etwas offensichtlich nicht.
McDonald’s und SPAR
Eines der Vorstandsmitglieder der AGA, Prof. Dr. med K.W., Leiter der Abteilung für Ernährungsmedizin an der Universitätsklinik Wien, arbeitet für McDonald’s und SPAR.
Bei SPAR Österreich betätigt K.W. sich als „Ernährungsexperte“ (siehe z.B. SPAR Ernährungsfibel 2005).
Der Standard vom 6. April 2006 schreibt über K.W. und McDonald’s (Namen abgekürzt):
Mit "zehn Tipps für ein gesünderes Leben" wirbt der Spezialist für Ernährungsmedizin für ein besseres Image der nicht gerade für seine gehaltvolle Küche bekannten Burgerkette. ... Weniger erfolgreich als seine Tätigkeit als Werbe-Testimonial verlief das Therapieprogramm für massiv übergewichtige Kinder, das er gegen rund 250 Euro pro Monat im AKH [Allgemeines Krankenhaus Wien] angeboten hatte. Nachdem bekannt wurde, dass er entgegen der dienstrechtlichen Vorschriften private Honorare verrechnet hatte, wurde das Programm ... eingestellt. Die Eltern der rund 60 Kinder, welche die kostspielige Therapie (bis zu 3000 Euro) in Anspruch nahmen, bekommen ihr Geld zurück, versicherte AKH-Direktor R.K. im STANDARD-Gespräch.
In einer Broschüre der AGA mit dem Titel „Informationen für Eltern adipöser Kinder ”, die auf einer in Kooperation mit dem österreichischen Bildungsministerium geführten Internetpräsenz publiziert wird, steht zu lesen: Wählen Sie für Ihr Kind also lieber einen Hamburger als einen Big Mäc, lieber ein Sundae Eis mit Erdbeersoße als ein McFlurry. Die Auflistung der McDonald’s Produktnamen, illustriert mit einem lustigen Burger, dient dabei natürlich nur der Aufklärung der Eltern: FastFood sollte eine Ausnahme im Speiseplan sein.
Die Autorin der Broschüre, Dipl.-oec.troph. M.F., ist eine KollegIn des „Ehrenpräsidenten“ der AGA, Prof. Dr. med. M.W., in der Forschungsgruppe Adipositas an der Universität Ulm (gelesen 16.4.06).
Kompetenznetzwerk
Prof. Dr. med. M.W., der zugleich im Beirat der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) sitzt, macht zusammen mit den DAG-Vorstandmitgliedern Prof. Dr. J.H. und PD Dr. med. A.H. beim Kompetenznetzwerk Adipositas mit, das eine Strukturierung des bisher diffusen Arbeitsgebietes ”Adipositas im Kindes- und Jugendalter” unter medizinisch und ökonomisch relevanten Gesichtspunkten anstrebt und dafür Förderungsmittel vom Bundesgesundheitsministerium (BMBF) haben will. Das „Kompetenznetzwerk“ will u.a. “tierexperimentelle Ursachenforschung” betreiben, genetische Erkenntnisse schnell in die Praxis umsetzen und herausfinden „inwieweit psychiatrische Variablen den Verlauf der Adipositas (und umgekehrt) beeinflussen“ (Selbstdarstellung ohne Datum, gelesen 16.4.06).
Deutsche Adipositas-Gesellschaft, Hoffmann LaRoche und transgene Mäuse
Der Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), Prof. Dr. med. Alfred Wirth, führte nach Angaben des WDR vom 4.1.02., eine „Großuntersuchung“ mit dem Abnehm-Mittel Xenical® (Orlistat) von Hoffmann LaRoche durch, das Mitte 2005 auch für Kinder ab 12 zugelassen wurde (Ärztezeitung 20.7.05). Näheres zur Studie: Journal für Ernährungsmedizin 2001; 3 (3) (Ausgabe für Österreich), Diabetes, Obesity and Metabolism, 7, 2005, 21–27).
Die Jahrestagungen der DAG werden von der Pharmaindustrie gesponsert (z.B. die 21. Jahrestagung im Jahr 2005 hauptsächlich durch Sanofi-Aventis Deutschland) – ebenso wie die Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (z.B. 2006)
Die DAG vergibt von der Pharmaindustrie gestiftete Forschungspreise (z.B. Ärzte Zeitung 17.11.04, Ärzteblatt 7.6.02) Einen dieser Preise, gestiftet von Hoffmann LaRoche, erhielt 1998 der heutige Vizepräsident der DAG, Dr. med. A.H. (Ärzteblatt 16.4.99). Dr. med. A.H. erhielt auch einen Preis für die Arbeit "Herstellung und Charakterisierung transgener Mäuse mit Überexpression von Nervenwachstumsfaktor (NGF) im braunen und weißen Fettgewebe". (Diabetes World 10.3.03)
Der Schatzmeister der DAG, Dipl.-Psych. Prof. Dr. rer. nat. J.W., betreibt eine GmbH namens HealthBehavior.de, die u.a. die Entwicklung „verhaltenstherapeutischer Programme im Bereich Ernährung, Gesundheit und angrenzende Lebenswissenschaften“ zu Markte trägt.
Über das DAG-Vorstandsmitglied Prof. Dr. J.H. berichtet das Ärzteblatt vom 10.9.04 (Name abgekürzt):
Prof. J.H. hat in den vergangenen Jahren mehrfach Honorare für Vorträge erhalten, davon im letzten Jahr von folgenden Firmen: Hoffman-La Roche, Solvay-Pharmaceuticals Deutschland, Cilag-Janssen und dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. Prof. Hebebrand ist Berater der Firma Solvay-Pharmaceuticals Deutschland und des Adipositas-Rehabilitationszentrums INSULA, Berechtesgaden.
Auch im Ärzteblatt vom 10.2.06 wird J.H. als „wissenschaftlicher Berater von Solvay-Pharmaceuticals“ bezeichnet. Er habe “Vortragshonorare von Eli Lilly, GenRe und der Rückversicherungsgesellschaft AG entgegen“ genommen. Außerdem werde er „vom BMBF ‘Nationales Genomforschungsnetz’, DFG und der EU“ unterstützt.
Der Name J.H.s taucht zusammen mit dem der Firma Solvay auf einem Dokument des norwegischen Patentamts aus dem Jahr 2003 und auf einem Dokument des dänischen Patentamts von 2001 auf. Wer kann das verstehen?
Die Angaben im o.g. Ärzteblatt vom 10.2.06 gehören zu dem bereits erwähnten Artikel „Prävention und Therapie von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter“, den J.H. zusammen mit T.R. und M.M. verfasste. Zu T.R. heißt es, er habe keine Interessenkonflikte bekundet. Zu M.M. heißt es, er habe Honorare für Vorträge und Beratung von Fresenius Kabi, Solvay GmbH und Precon AG erhalten. Die wissenschaftliche Arbeit unterstützten die Firmen Precon AG, Fresenius Kabi, Danone Stiftung sowie die wirtschaftliche Vereinigung Zucker.
Danone, Nestlé und Bulgarien
Auf einer inzwischen verschwundenen Internetseite der Universitäts-Kinderklinik Ulm (http://www.a-p-v.de/nuke/html/modules.php?name=Bmi), in deren Impressum (http://www.a-p-v.de/nuke/html/modules.php?name=Impressum) Prof. Dr. med. M.W. und M.F. genannt wurden, befand sich ein Logo von Danone.
Unter der Überschrift „Zur Partnerschaft von AGA und Danone“ hieß es dort (gelesen 16.4.06):
Mit der Partnerschaft zur Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter möchte Danone vor allem die primäre Prävention von Adipositas stärken. Wir unterstützen hier vor allem die wissenschaftliche Forschungs- und Evaluationsarbeit für die BMI-Percentilen. Darüber hinaus will Danone die Bekanntheit und Anwendung der BMI-Percentilen in der pädiatrischen Praxis fördern. Das verbindende Element zwischen der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes – und Jugendalter und der Danone ist somit das gemeinsame Ziel beider Partner: Eine gesunde körperliche Entwicklung für Kinder und Jugendliche zu fördern und der Entstehung bzw. Manifestation des Übergewichts in unserer Gesellschaft entgegen zu wirken.
Danone GmbH
Dezember 2002
Zwischen Danone und weiteren für die Gesundheit deutscher Kinder engagierten Unternehmen bestehen internationale Beziehungen.
In Frankreich verkauft McDonald’s von Danone produzierte Joghurts (Economist 15.4.04).
Danone, McDonald’s, Nestlé, Unilever und weitere Lebensmittelhersteller bilden die SAI Platform, eine Organisation zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft.
Laut der bulgarischen Zeitung TheSofiaEcho vom 19.9.02 verlangten die „chiefs“ (Chefs) von Solvay, Nestlé, Thyssen Krupp, Danone, Fiat, Nokia und Shell im Rahmen des Europäischen Runden Tisches von der Regierung Bulgariens, die Privatisierungen in Bulgarien voranzutreiben, Steuern zu senken und die Korruption zu bekämpfen.
Plattform Ernährung und Bewegung
Ein Vertreter von Nestlé taucht bei der Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (peb) im erweiterten Vorstand auf (gelesen 16.4.06). Auch McDonald’s ist in der peb als Mitglied vertreten (gelesen: 3.5.06).
Die peb strebt Verhaltensänderungen bei Kindern und Familien zur Vermeidung von „Übergewicht“ an.
Sie ist ein Zusammenschluss von Organisationen der Bundesregierung und der Lebensmittelindustrie, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Krankenversicherungen, der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und weiteren. Im “Expertenbeirat” der peb sitzen u.a. Prof. Dr. J.H. und Prof. Dr. med. M.M. (gelesen 16.4.06).
Im Februar 2006 stellte sich die peb bei europäischen ParlamentarierInnen vor. Motto:
Im Gleichgewicht für ein gesundes Leben – eine deutsche Strategie zur Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. (gelesen 17.4.06)
In der peb-Präsentationsbroschüre für Brüssel heißt es:
Die gemeinsame deutsche Initiative von Politik, Verbänden und Wirtschaft ist mit derzeit 100 Mitgliedern das europaweit größte Netzwerk zur Vorbeugung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. ...
Für peb steht Prävention an erster Stelle, d.h. eine frühe Ansprache von Kindern und von Familien, Eltern, Erziehenden.
AGA und peb wirken gegenüber internationalen Ansätzen zur Vorbeugung der Adipositas in der Art eines Filters, wie folgende Tabelle veranschaulicht:
| Lancet 2002; 360: 473-482: Allgemein akzeptierter Ansatz zur Prävention und Behandlung kindlicher Fettleibigkeit |
AGA: Leitlinien zur allgemeinen Prävention und Gesundheitsförderung |
peb: Aktionsfelder, um die Vorbeugung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu verwirklichen |
|
Zuhause
|
|
|
Siehe auch
- Cola und Schoko – Wundermittel für das Abnehmen gibt es nicht
Frankfurter Rundschau 12.10.05
- Schwarz. Und deutsch.
Die Zeit 37/2000
- Die Kunst Deutscher zu sein
Ausstellung von Studierenden der FH Dortmund, Beitrag von M. Urban
- Obesity: Preventing and Managing the Global Epidemic (PDF)
WHO Technical Report Series 894, report of a WHO Consultation, Geneva 2000
- Danone: EU Childhood Obesity Programme
- Danone Geschäftsbericht 2006
Im Aufsichtsrat von Danone ist jemand, der zugleich Aufsichtsrat bei Gambro (Medizintechnikunternehmen für Dialysetechnik) und AstraZeneca (Pharmakonzern) ist. - Wikipedia: McDonald’s
Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen.


