Vivantes Forum für Senioren

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Das „Forum für Senioren“ ist ein Geschäftsbereich von Vivantes. Zu ihm gehören 2.000 vollstationäre Pflegeplätze, davon eine Kurzzeitpflegeeinrichtung, und rund 140 „Wohneinheiten“.

Inhaltsverzeichnis

März 2004

“Von Pflegeheimen zu Profitcentern“

So lautete der Titel eines Vortrags, den Silvia Özkaraman, Direktorin beim Vivantes Netzwerk für Gesundheit Gmbh, Geschäftsbereich Forum für Senioren, auf einer Konferenz „Die wirtschaftliche Pflegeeinrichtung“ im März 2004 hielt. (Programm Euroforum)


Februar 2005

Solidaritätskreis „Menschenwürdige Pflege“

Der Solidaritätskreis "Menschenwürdige Pflege" hat sich im Februar 2005 um die Altenpflegerin Brigitte Heinisch gegründet.

Brigitte Heinisch war seit einigen Jahren Altenpflegerin im Vivantes-Forum für Senioren. Im Moment klagt sie auf ihre Wiedereinstellung bei Vivantes, denn von der Geschäftsführung wurde sie gleich mehrfach gekündigt.

Auf aus ihrer Sicht unhaltbare Zustände hatte Brigitte Heinisch in der Vergangenheit immer wieder mit Überlastungsanzeigen reagiert, ohne dass dies zu einer spürbaren Änderung führte. Schließlich stellte sie im Dezember 2004 Strafanzeige gegen die Vivantes-Geschäftsführung, nachdem sie gezwungen worden sei, nicht geleistete Arbeiten als geleistet zu dokumentieren. Die Staatsanwaltschaft verweigerte die Aufnahme von Ermittlungen.

Auffällig zeitgleich bekam Brigitte Heinisch die erste Kündigung – krankheitsbedingt. Zwei fristlose Kündigungen folgten wegen eines im Forum für Senioren verteilten Solidaritätsflugblattes und wegen eines Artikels im Neuen Deutschland, dem sie angeblich interne Informationen weitergegeben haben soll.

Brigitte Heinisch führt gegen die Kündigungen Prozesse vor dem Arbeitsgericht Berlin. Im August 2005 wurde die Kündigung aufgrund des Solidaritätsflugblattes vom Gericht als unwirksam erklärt.

Der Solidaritätskreis „Menschenwürdige Pflege“ hat durch mehrere Veröffentlichungen den Fall Brigitte Heinisch bundesweit bekannt gemacht.

Prinzipien des Solidatitätskreises (einstimmig am 25.02.05 verabschiedet):

  • Der Solidaritätskreis unterstützt die Kollegin Brigitte Heinisch im Kampf auf Rücknahme der „krankheitsbedingten“ Kündigung und der im Nachhinein ausgesprochenen fristlosen Kündigung. Wir fordern ihre Wiedereinstellung im „Forum für Senioren“, einer Tochtergesellschaft von Vivantes. Der Solidaritätskreis unterstützt den Kampf der Vivantes-Kollgen für die Aufklärung und Beseitigung der katastrophalen Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen auf Kosten der Patienten und Angestellten. Der Solidaritätskreis fordert die Berliner Staatsanwaltschaft auf, Ermittlungen aufzunehmen im Fall der Anzeige der Kollegin Brigitte Heinisch gegen das „Forum für Senioren“.
  • Wir entwickeln eine eigene Öffentlichkeitsarbeit.
  • In unserem Solidaritätskreis arbeiten Menschen unterschiedlicher Weltanschauung gleichberechtigt und auf antifaschistischer Grundlage zusammen.
  • Wir treffen uns regelmäßig. Alle Fragen werden demokratisch auf öffentlichen Sitzungen beraten und alle Beschlüsse gemeinsam gefasst. Wir sorgen für eine kameradschaftliche und solidarische Streitkultur.
  • Wir sind finanziell unabhängig.
  • Wir wählen eine Koordinierungsgruppe, eine/n Kassierer/in und eine/n Kassenprüfer/in.
  • Die Koordinierungsgruppe bereitet die Treffen vor und koordiniert die Arbeit zwischen den Treffen. Sie gibt auf jedem Treffen einen Bericht über die Arbeit.
Im Einladungsschreiben des Solidaritätskreises für das Treffen am 13. Oktober 2005 heißt es:
Liebe Freunde,
uns muss klar sein, dass die Politik der Privatisierung und Ausverkauf der öffentlichen Versorgung auch im Gesundheitsbereich weitergehen und sich noch verschärfen wird. Auch die Große Koalition unter Angela Merkel wird diese Probleme nicht lösen können, weil auch bei ihnen nicht der Mensch im Mittelpunkt steht, sondern der Profit der Pflegeindustrie. Um menschenwürdige Pflege und Arbeitsbedingungen zu erreichen, müssen wir uns noch besser organisieren und überlegen, ob es nicht ein wichtiges Ziel ist, einen bundesweiten Kongress, bzw. einen gesundheitspolitischen Ratschlag zu organisieren, wo alle, die sich in unserem Sinne engagieren, sich gegenseitig beraten und unterstützen können.

Es kamen 24 KollegInnen. Sie beschlossen die Teilnahme am bundesweiten Sternmarsch gegen die neue Regierung am 5. November 2005.

Solidaritätsaktion für Brigitte Heinisch

Der nächste Gerichtstermin von Brigitte Heinisch wird wahrscheinlich im Januar 2006 stattfinden. Vivantes ist inzwischen in die Berufung gegangen. Brigitte hat wieder eine neue Arbeit beim Humanistischen Verband in einer Demenz-WG und fühlt sich sehr wohl. Sie hat diese Stelle bekommen, obwohl sie offen über ihre Auseinandersetzung mit Vivantes gesprochen hat. Den dortigen Kolleginnen hat ihre kritische Haltung und ihre Einstellung für eine menschenwürdige Pflege gut gefallen. (Solikreisprotokoll 13.10.05)

In einer Solidaritätserklärung an die streikenden KollegInnen der Universitätskliniken in Baden-Württembergerklärte der Solidaritätskreis:

  • Es gibt nur einen Weg: Wir müssen uns gemeinsam wehren, um menschenwürdige Arbeits- und Pflegebedingungen durchzusetzen.
  • Das geht nur auf Kosten der Profite.
  • Dazu brauchen wir die Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohnverzicht
  • Dazu brauchen wir eine gute Ausbildung und die feste Übernahme aller Auszubildenden
  • Dazu brauchen wir ausreichendes Personal
  • Dazu brauchen wir eine allseitige und kostenlose Gesundheitsversorgung und Betreuung
  • Wir fordern: Weg mit der Fallpauschale

Februar 2006

Gericht vertagt Entscheidung

Am 14. Februar 2006 fand eine weitere Gerichtsverhandlung zur Kündigung von Brigitte Heinisch durch Vivantes statt, die ausgesprochen worden war, nachdem Brigitte Heinisch Ende 2004 Strafanzeige gegen Vivantes wegen unhaltbarer Zustände in der Pflege gestellt hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen abgelehnt und sich für nicht zuständig erklärt.

Der Solidaritätskreis für eine menschenwürdige Pflege, der sich um Brigitte Heinisch gebildet hat, berichtet über die Gerichtsverhandlung am 14. Februar 2006:

Die Richterin gab eindeutig in ihrer Ausführung zu erkennen, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung für Brigitte über Missstände im Pflegebereich bei Vivantes nur eingeschränkt gelten könne. Der Leumund des Unternehmens darf keinen Schaden nehmen, das sei geschäftsschädigend und der soziale Frieden müsse erhalten bleiben. ... Außerdem störte sie sich mächtig an dem Begriff „Profitgier auf Kosten von Patienten und Kolleginnen“. Das wäre ja ziemlich unangemessen. ... Es muss festgehalten werden, dass es die Richterin überhaupt nicht interessierte, welche Zustände bei Vivantes Forum Senioren herrschen. ...

Das Gericht fordert nun von Brigitte Heinisch, den Betrug und die Nötigung zu belegen, und von Vivantes, darauf innerhalb von drei Wochen schriftlich zu antworten.

März/April 2006

Von McKinsey und 1-Euro-JobberInnen

Aus dem Info Nr. 7 des Solidaritätskreises „Menschenwürdeige Pflege“:

Auf der Betriebsversammlung im Forum für Senioren am 6. Dezember 2005 wurden die ersten Schritte der Umsetzung der McKinsey-„Beratung“ dargestellt: Umwandlung der Rechtsform des FfS [Forum für Senioren] in eine Tochtergesellschaft von Vivantes. Herr Lehmann vom Personalmanagement ... teilte lediglich mit, dass frühestens im April 2006 die Umsetzung der (vor)-eilig durchgeführten Rechtsformänderung möglich werde. Damit blieb offen, ob die Beschäftigten den Schutz des „Tarifvertrags zur Beschäftigungssicherung“ haben oder ob ein Betriebsübergang nach § 613a BGB vorliegt, das unserer Meinung nach die Möglichkeit eröffnet, Tarifabsenkungen einzuführen. Von der Chefin des FfS, Frau Özkaraman, wurde mitgeteilt, dass die Mitarbeiterinnen von SVL (Speiseversorgung und –logistik, 100%ige Vivantes-Tochter) aus dem Forum abgezogen wurden. Die Arbeiten sollen jetzt die verbleibenden Beschäftigten mit übernehmen, obwohl die Beschäftigten aufgrund von 60 nicht besetzten Stellen bereits „am Anschlag“ arbeiten.
„Es werden helfende Hände da sein!“ äußerte sich Frau Özkaraman geheimnisvoll zur Verwunderung aller Anwesenden. Sollten jetzt etwa die 60 unbesetzten Stellen im FfS besetzt werden, was der Betriebsrat schon lange fordert? Kurz vor Weihnachten stellte sich dann heraus, dass mit „helfenden Händen“ wohl 18 Ein-Euro-Kräfte gemeint waren, die ohne Mitbestimmung in einem der Häuser eingesetzt wurden. Der Betriebsrat stoppte bei Bekanntwerden diesen Missbrauch. Wir vom Solikreis unterstützen diese Entscheidung und fordern darüber hinaus die sofortige Wiedereinstellung der 18 Kolleginnen zu tarifgerechten Bedingungen und die komplette Besetzung der 60 Stellen. Für uns gilt: Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit

Ergänzung 21.3.06

Die Zeitung des Betriebsrats von Vivantes, Atlantis (März 2006), berichtet, die Ablehnung der Einstellung von Ein-Euro-JobberInnen durch den Betriebsrat sei bei Beschäftigten auf Kritik gestoßen. Denn was Ein-Euro-JobberInnen nicht tun, müssen die Beschäftigten tun. Michael Musall, Gewerkschaftssekretär vom ver.di-Fachbereich 3, sagte dazu u.a., durch die Beschäftigung von Ein-Euro-JobberInnen dürfe nicht die Schaffung regulärer Arbeitsplätze verhindert werden.


Gericht verkündet Entscheidung

Pressemitteilung des Landesarbeitsgerichts Berlin 28.3.06:

Am 28. März 2006 hat das Landesarbeitsgericht Berlin in Fortsetzung der mündlichen Verhandlung vom 14. Februar 2006 entschieden, dass die fristlose Kündigung gegenüber einer Altenpflegerin wirksam sei. Die Altenpflegerin hatte mehrfach auf Missstände im Pflegebereich hingewiesen und dabei schließlich eine Strafanzeige gegen ihren Arbeitgeber gestellt, die unter anderem den Vorwurf des Betrugs in Bezug auf die Dokumentation der Pflegeleistungen enthielt. Diese Behauptungen hätten sich im Rechtsstreit indes in keiner Weise belegen lassen. Dies stellte nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts eine schwere Loyalitätspflichtverletzung durch die Arbeitnehmerin dar, die es insoweit auch verabsäumt habe, zunächst innerbetrieblich für Abhilfe zu sorgen. Bei einer solchen Pflichtverletzung sei dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zuzumuten.
Gegen diese Entscheidung wurde ein Rechtsmittel nicht zugelassen.

Unabhängig davon, wer in diesem konkreten Fall Recht hat: Nach diesem Urteil darf eine Arbeitnehmerin, wenn sie mit eigenen Augen sieht, wie ihr Arbeitgeber Dioxin in den Wannsee kippt, nur dann zur Polizei gehen, wenn sie im Voraus weiß, dass den zuständigen Stellen der Tatnachweis gelingt. Gelingt diesen Stellen der Tatnachweis nicht, so hat die Arbeitnehmerin eben deshalb ihre Loyalitätspflicht gegenüber dem Arbeitgeber verletzt. Wegen der Erfolglosigkeit der Ermittlungsarbeit wäre dem Arbeitgeber die Weiterbeschäftigung natürlich auch nicht zuzumuten – wo käme man da hin! Loyalitätspflicht der Arbeitnehmerin wäre es gewesen, den Arbeitgeber zu bitten, kein Dioxin mehr in den Wannsee zu kippen, und danach den Vorfall zu ignorieren.
Das Gericht scheint das Ansehen des Arbeitgebers schützen zu wollen. Tatsächlich schadet eine Strafanzeige dem Ansehen des Arbeitgebers. Dieser Umstand und der Wunsch, das Ansehen des Arbeitgebers zu schützen, scheint dazu geführt zu haben, dass dem Gericht eine begriffliche Vermischung mit dem Recht unterlaufen ist, sich in der Öffentlichkeit vor unbelegten Vorwürfen schützen zu dürfen. Im Effekt dieser Vermischung werden die Rechte von ArbeitnehmerInnen als BürgerInnen eingeschränkt und der Schutz alter Menschen vor Missständen in der Pflege erschwert.

Siehe dazu auch den Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Berlin-Brandenburg e.V. zum Wohnpflegezentrum Reinickendorf Haus Teichstraße vom 10. Mai 2006, der Missstände der übelsten Art feststellt, aber geheim gehalten wird.


Siehe auch


Solikreis "Menschenwürdige Pflege": Verhandlungstermin 28.2.06

Mai 2006

Gemeinsame Erklärung von Ver.di und des Solikreises „Menschenwürdige Pflege“

Im Mai 2006 veröffentlichten der ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg - Fachbereich 3, und der Solikreis „Menschenwürdige Pflege“ eine gemeinsame Erklärung über die Zustände im Forum für Senioren (Vivantes) in Berlin und zum Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin gegen die Altenpflegerin Brigitte Heinisch.

Heinisch hatte wegen Misständen im Pflegebereich des Forums für Senioren Strafanzeige gegen den Heimbetreiber Vivantes gestellt und war daraufhin fristlos entlassen worden. Im März 2006 hatte das Landesarbeitsgericht Berlin diese Kündigung bestätigt (Näheres siehe weiter oben auf dieser Seite).

In der gemeinsamen Erklärung von Ver.di und des Solikreises „Menschenwürdige Pflege“ heißt es:

Aus dem Forum für Senioren liegen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen (FB 3) viele Beschwerden über unzumutbare Arbeitsbedingungen vor. Viele Stellen sind unbesetzt und werden nur zum Teil durch Leasingkräfte, die oft wechseln, ersetzt. Die Arbeitszeiten entsprechen oft nicht mehr den tariflichen Regelungen, Freizeitausgleich ist selten möglich und die Belastung der Kolleginnen und Kollegen ist enorm. Darunter leidet die Pflege der zu betreuenden Menschen. ... Die Beschäftigten trauen sich oft nicht, ihre Überlastung anzuzeigen, weil einige Vorgesetzte versuchen, dies zu unterbinden. Bei Pflegemängeln oder -fehlern, die bei Überlastung geschehen können, kann die Beschäftigte für diese Fehler haftbar gemacht werden, wenn die Überlastung nicht vorher angezeigt wurde. Wir vom FB 3 empfehlen daher den Beschäftigten, ihre Rechte wahrzunehmen, und sich gegen Schadensersatzforderungen abzusichern. Dabei können sie auf die Beratung und Unterstützung des FB 3 bauen! ... Wir begrüßen es, dass sich ein Solidaritätskreis „Menschenwürdige Pflege“ gegründet hat, der im Kampf um das demokratische Recht auf Meinungsfreiheit in Betrieben die ehemalige Kollegin Brigitte Heinisch unterstützt. ... Das aktuelle Betriebsratinfo vom 4. 5. 06 führt die Urteilsbegründung, bei Vivantes Forum für Senioren sei alles in Ordnung, und die Kollegin Brigitte verübe einen unbegründeten Rachefeldzug, ad absurdum: Der Medizinische Dienst der Kassen kündigte die Schließung der Vivantes-Pflegeheime Teichstraße 44 und Sommerstraße wegen des zu hohen Anteils an Leasingkräften mit ständig wechselnden Personen an. ... Gerade wir als Gewerkschafter/-innen sind gefordert, das demokratische Recht auf Meinungsfreiheit zu verteidigen und werden alle Kolleginnen und Kollegen unterstützen, die das wahrnehmen.

Juni 2006

Duisburger Vertrauensleute und Solikreis „Menschenwürdige Pflege rufen Ver.di zur Solidarität auf

Am 2. Juni 06 wurde auf der gemeinsamen Veranstaltung des Solikreises und den gekündigten Duisburger Verdi-Vertrauensleuten von den rund 45 Anwesenden einstimmig bei 1 Enthaltung folgender Aufruf verabschiedet:

An den
Bezirksvorstand
Geschäftsführung Roland Tremper
Landesbezirk Berlin – Brandenburg Susanne Stumpenhusen
FB 3 Berlin Heike Spies
FB 3 Bundesvorstand Gabriele Feld – Fritz Berlin Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir vom Solidaritätskreis „Menschenwürdige Pflege“ unterstützen die Kollegin Brigitte Heinisch im Kampf gegen ihre politische Kündigung durch die Vivantesgeschäftsführung. Die Kollegin Brigitte hat nur das getan, was die Gewerkschaftsmitglieder immer auszeichnen sollte: sie hat Zivilcourage bewiesen und Missstände im Altenpflegebereich und die schlechten Arbeitsbedingungen angeprangert. Sie hat alle betrieblich internen Wege beschritten, aber es tat sich nichts. Erst durch ihren Schritt in die Öffentlichkeit reagierte die Geschäftsleitung. Brigitte bekam ihre fristlose Kündigung. Und das dreimal. Die erste Instanz beim Arbeitsgericht hat sie gewonnen, weil der Verdacht auf Erstellung eines Flugblattes ihr nicht nachgewiesen werden konnte und das Gericht die Meinungsfreiheit in diesem Falle über die Interessen des Betriebes stellte. In der zweiten Instanz konnte das Gericht wiederum den Anklagepunkt, die Erstellung eines Flugblattes nicht beweisen und die Richterin verurteilte Brigitte nun wegen angeblichen „Rachefeldzuges“ gegen Vivantes, da Brigitte es gewagt hatte, eine Strafanzeige bei der Staatanwaltschaft wegen Betruges und Nötigung zu stellen. Gleichzeitig ließ das Gericht keine Revision zu. Wir finden dieses Urteil empörend, weil es das demokratische Recht auf Meinungsfreiheit massiv einschränkt. Das hat auch Auswirkungen auf die gewerkschaftlichen Rechte im Betrieb. Wir lassen durch den Anwalt prüfen, wie gegen dieses Urteil vorzugehen ist. Wir werden nicht locker lassen. Wir bitten den FB 3 und die gesamte Gewerkschaft Verdi, sich solidarisch hinter die Kollegin Brigitte zu stellen und bundesweit die Unterstützung zu organisieren. Durch dieses Urteil wird Brigitte auch finanziell in eine Existenzkrise gestürzt. Wir sind der Meinung, dass es Aufgabe der Gewerkschaft ist, solche mutigen Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. Wer eine von uns angreift, greift uns alle an. Wir vertrauen und bauen auf Eure Solidarität. Wir brauchen dringend Euren rechtlichen und finanziellen Beistand. Mit solidarischen Grüßen
i. A. Ilse Zur Kenntnisnahme an den Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi Frank Bsirske


Der FB 3 Berlin hat bisher (12.6.06) eine finanzielle und rechtliche Unterstützung abgelehnt, da Brigitte erst während des laufenden juristischen Verfahrens in die Gewerkschaft Verdi eingetreten ist.

(Download des Aufrufs als PDF)

November 2006

Solidaritätskreis "Menschenwürdige Pflege": Resumé der letzten Monate

Info des Solidaritätskreises "Menschenwürdige Pflege", November 2006:

Die letzten Monate waren sehr spannend und aufregend. Dem Solikreis ist es gelungen, seine Arbeit auf eine breitere Basis zu stellen. Bundesweit meldeten sich Altenpflegerinnen und verschiedene Initiativen, um Kontakt mit uns und Brigitte Heinisch aufzunehmen. Auch Medien wie Report oder Fakt haben über den Kampf gegen die politisch motivierte Kündigung Brigittes durch Vivantes immer wieder berichtet. Ein Höhepunkt war, dass Brigitte von vielen Zuschauern zur „Heldin des Alltags“ bei Brisant Brillant (MDR) gewählt wurde. Am 25. August 2006 wurde sie in Dresden auf der Brisant Gala mit dem Brillantpreis geehrt. Sie nutzte auch die MDR Talkshow „Wir unter uns“ um darauf aufmerksam zu machen, dass die Pflege unter der Profitmaximierung niemals menschenwürdig sein wird.

Brigitte hat durch ihren Anwalt das Bundesarbeitsgericht angerufen, um die Nichtzulassung der Revision durch dass Landesarbeitsgericht Berlin überprüfen zu lassen. Ende August 2006 hat die Vivantes-Geschäftsführung ihre Darstellung dem Bundesarbeitsgericht vorgelegt. Erfahrungsgemäß braucht das Bundesarbeitsgericht 3-6 Monate. Wir werden die Zeit nutzen und weiter arbeiten. Im Moment erarbeiten wir eine kleine Broschüre die die Arbeit des Solikreises und den Kampf Brigittes gegen ihre Kündigung und für eine menschenwürdige Pflege dokumentiert. Es können sich immer noch Interessierte melden, die einen Artikel zu diesem Thema schreiben wollen.

Hier in Berlin haben wir ausgezeichnete Kontakte zu den Kolleginnen und Kollegen von Vivantes und Charite. Die Zusammenarbeit mit dem Fachbereich 3 von Verdi, sowie der Verdi Betriebsgruppe Neukölln ist sehr solidarisch. Durch unsere systematische und offensive Arbeit ist eine neue kämpferische Verdi Betriebsgruppe im Forum für Senioren, Vivantes, im Aufbau. Durch unsere Öffentlichkeitsarbeit hat auch der Medizinische Dienst das Pflegeheim Teichstr., Vivantes und Brigittes letzte Arbeitsstelle, unangemeldet besucht und gravierende Mängel festgestellt. Inzwischen wurde das Personal mit Leasingkräften aufgestockt und die Pflegedienstleitung hat einmal gewechselt. Dafür ist der Ton von oben rauer geworden und der Pausenraum abgeschafft. Gleichzeitig werden die Kolleginnen und Kollegen im Ungewissen gelassen, wie es mit dem Forum für Senioren weitergeht, ob ihre Arbeitsplätze gesichert sind und welche Tarifbedingungen für sie in Zukunft gelten werden. Wir vom Solikreis unterstützen die Forderung der Gewerkschaft, den bundesweiten TÖVD zu übernehmen und die Gehaltskürzungen für den sogen. Notlagenvertrag den Kolleginnen und Kollegen zurückzuzahlen. Das fordern wir auch für die ausgelagerten Bereiche. Es gibt keinen Grund angesichts der Gewinne von Vivantes auf einen Cent zu verzichten. Wir haben keine Informationen darüber, dass die Chefärzte, Geschäftsführer, Vorstände und die Banken in irgendeiner Form ihrerseits auf Gelder verzichten. Im Gegenteil. Der Gesundheitsbereich soll weiter privatisiert, Stellen abgebaut und ganze Krankenhäuser verkauft werden.

Dagegen können wir nur gemeinsam vorgehen und der Streik ist das wirksamste Mittel und eine Notwendigkeit unsere berechtigten Forderungen durchzusetzen. Es ist wichtig, sich nicht einschüchtern zu lassen, sondern sich in Verdi- Betriebsgruppen zu organisieren oder auch den Solikreis aktiv zu unterstützen. Wenn sich was ändern soll, können das nur die Kolleginnen und Kollegen selber. Das erfordert auch eine offene und solidarische Streitkultur, die nicht nur in den gewählten Gremien stattfinden darf. Betriebsräte können jederzeit Informationsstunden vor Ort einberufen, aber die Kolleginnen und Kollegen müssen das einfordern. Dort können Forderungen vorgebracht und als Auftrag an die Betriebräte und Vertrauensleute gegeben werden.

Wer in dem Solidaritätskreis mitarbeiten möchte, ist herzlich willkommen.

Nächstes Treffen: Dienstag, der 28.11.06 um 18 Uhr im Verdihaus, Köpenickerstr. 30, Nähe Ostbahnhof/U-B. Heinrich-Heine-Str.

Siehe auch

Betriebsgruppen

Persönliche Werkzeuge