Vivantes
Aus PrivatisierungsWiki
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Die Vivantes - Netzwerk für Gesundheit GmbH ist in Berlin aktiv und versorgt rund 30% aller dortigen KrankenhauspatientInnen. Sie bietet rund 13.500 Arbeitsplätze und gehört der Stadt Berlin. Die Vivantes - Netzwerk für Gesundheit GmbH gehört zu 100% dem Land Berlin (Berlin.de, gelesen 29.4.07).
Konzernstruktur
Zum Konzern gehören
- ChronoMedic GmbH (100% bei Vivantes)
- Vivantes Rehabilitation GmbH (51% bei Vivantes, je 24,5% bei Median-Klinik GmbH und Brandenburg Klinik GmbH)
- Vivantes Forum für Senioren GmbH
- TSL Textilservice und -logistik GmbH (70% bei Vivantes, 30% bei Berendsen GmbH Glücksstadt)
- SVL Speiseversorgung und -logistik GmbH (100% bei Vivantes)
- VivaClean GmbH (51% bei Vivantes, 49% bei Zehnacker Berlin GmbH)
- VIVAflex Agentur für Zeitarbeit und Personaleinsatz GmbH (100% bei Vivantes)
(nach Vivantes Geschäftsbericht 2005)
Vamed
Zwischen der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH und der VAMED Management und Service GmbH Deutschland, Berlin, wurde am 18. Dezember 2002 ein Vertrag über die ganzheitliche Bewirtschaftung der Medizintechnik geschlossen. Gegenstand des Vertrages ist die technische Betriebsführung und Instandhaltung der Medizintechnik durch die VAMED Management und Service GmbH einschließlich aller damit zusammenhängenden Organisationsleistungen in den klinischen Bereichen. Im Berichtsjahr wurden Leistungen in Höhe von 7,8 Mio. Euro berechnet. (Vivantes Geschäftsbericht 2005)
Die VAMED Management und Service GmbH Deutschland gehört zur Vamed AG, die mehrheitlich Fresenius gehört.
Bremer Klinikskandal
Vamed wird im Zusammenhang mit dem Bremer Klinikskandal genannt.
Aus dem Bericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Aufklärung von Schädigungen der kommunalen Krankenhäuser durch Entscheidungen von Geschäftsführern und durch mangelnde Steuerung und Kontrollversagen, Bremische Bürgerschaft 16. April 2007:
Für den Ausschuss ist durch die Vernehmung des Zeugen Müller-Sönnewald (VAMED Management und Service GmbH) und der Angaben über mehrere Treffen mit Herrn Tissen [Geschäftsleiter der Gesundheit Nord und des Klinikums Bremen-Ost] in dessen Terminkalender der Eindruck entstanden, dass Herr Müller-Sönnewald seinen langjährigen Kontakt zu Herrn Tissen nutzen wollte, um einen erleichterten Zugang zu dem Masterplan-Projekt des KBM [Klinikum Bremen Mitte] zu erhalten. Der Eindruck speist sich auch daraus, dass Herr Müller-Sönnewald die Beteiligung der VAMED an der Solve - bis 2006 noch 38,5% - zunächst mit fehlender Kenntnis abstritt und erst in einer zweiten Vernehmung bestätigte. Die Solve, deren erste Vorplanungen zum Masterplan im Auftrag des KBM seit August/September 2003 liefen, war dem KBM durch die VAMED erheblich vor dem Antritt von Herrn Tissen in Bremen empfohlen worden. Die Solve ihrerseits war durch Herrn Müller-Sönnewald im Jahre 2003 auf ein geplantes Neubauprojekt des KBM hingewiesen worden.Mit Herrn Tissen sind im Zeitraum des Jahres 2004 bis 2005 von Seiten von Herrn Müller- Sönnewald von der VAMED akquisitorische Gespräche geführt worden, an denen z.T. auch Herr Bremermann [kaufmännischer Geschäftsführer des KBM] teilgenommen hat. Es ging der VAMED darum, für den Neubau des KBM ein Dienstleistungskonzessionsmodell anzubieten. Für dieses Modell, für das Herrn Tissen im Februar 2005 durch die VAMED, Wien, ein Vertragsentwurf zur Verfügung gestellt wurde, sei laut Herrn Tissen eine Ausschreibung vermeidbar gewesen, obwohl diese Frage rechtsgutachterlich umstritten blieb. Gegenstand wäre die Gründung einer Gesellschaft gewesen, auf die - anders als bei dem letztlich verfolgten PPP-Modell - der gesamte Krankenhausbetrieb übertragen worden wäre und erst innerhalb derer die Aufgabenverteilung realisiert worden wäre, die in dem letztlich verfolgten PPP-Modell ebenfalls der private Partner übernehmen soll. Das KBM hat dieses Projekt wegen dieses Inhalts und der Kontroverse über die vergaberechtliche Beurteilung verworfen.
Der Arbeitsdirektor von Vivantes, Ernst-Otto Kock, wurde beim Bremer Klinikskandal als "Sachverständiger" eingeladen. Dazu heißt es im Bericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses:
Der Untersuchungsausschuss hat sich, um die sich daraus und aus den Feststellungen zu den Strukturproblemen der GesundheitNord gGmbH ergebenden Frage näher zu beleuchten, gutachterlicher Hilfe bedient und als Sachverständige Herrn Ernst-Otto Kock, Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin, Herrn Bernd Hoffmann, KPMG Deutsche Treuhandgesellschaft AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Köln, Herrn Prof. Dr. Dian Schefold, Bremen, sowie Herrn Dr. Rainer Klemmt-Nissen, Finanzbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, benannt und um ein schriftliches Gutachten ersucht.
Über das, was Kock vor dem Untersuchungsausschuss sagte, heißt es im Online-Tagebuch von Theo Schlüter: 21. Tag, Radio Bremen 28.2.07:
Nachdem somit heute Vormittag noch einmal die eine und andere abenteuerliche Finanztransaktion des ehemaligen Klinik-Geschäftsführers in Erinnerung gerufen worden war, widmete sich der Ausschuss am Nachmittag dem Komplex "Lehren für die Zukunft". Zunächst kam Ernst-Otto Kock zu Wort. Er ist Arbeitsdirektor bei "Vivantes", einer GmbH in Berlin, in der seit Anfang 2001 neun ehemals selbständige städtische Krankenhäuser in einem kommunalen Klinikverbund zusammengeschlossen sind. In den sechs Jahren bis heute, so berichtete Kock, seien dort von seinerzeit über 13.000 Vollzeitstellen rund 3.000 abgebaut worden. Ergebnis dieses Schnitts und der neuen Organisation: Als selbständige Häuser hätten die Kliniken im Jahr 2000 noch 80 Millionen Euro Verlust gemacht, als GmbH jedoch in 2004 erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Alle Investitionen müssten heute aus selbst erwirtschafteten Mitteln finanziert werden.Auch in Berlin sei der Prozess nicht ohne Konflikte abgelaufen, sagte Kock, der vor seiner Tätigkeit bei "Vivantes" bei der Gewerkschaft ÖTV gearbeitet hatte. Es seien sicher auch Fehler gemacht worden, alles in allem aber funktioniere die neue Organisation recht gut. Und außerdem: die gesamte Umstrukturierung sei zwar mit Einschnitten, aber ohne betriebsbedingte Kündigung möglich gewesen. Für alle Häuser gebe es heute einen gemeinsamen Betriebsrat mit 70 Mitgliedern. Versetzungen von einem Krankenhaus zum anderen seien kein Problem mehr.
Kock war vom 22. Juli 1994 bis 31. März 2001 Mitglied des Aufsichtsrats der Bankgesellschaft Berlin, um die sich der Berliner Bankenskandal entfaltete; Gewerkschaftssekretär der ÖTV Berlin; Mitglied des Aufsichtsrats der Bewag Berlin; Stellv. Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV Berlin. (Dossier der Initiative "Bürger gegen den Bankenskandal")
Siehe auch
- Rolf Meier: Wettbewerb statt Gesundheit (auch über Kock)
- Klinikchefs von Vivantes geraten politisch unter Druck (Berliner Morgenpost 17.3.04)
- Privatisierung gefährdet Ihre Gesundheit (auch über Kock)
- Bremer Klinik-Skandal: verflochtene Entflechtung bei Solve Consulting
- Qualitätsprüfung des Medizinischen Dienstes im Vivantes-Wohnpflegezentrum Reinickendorf Haus Teichstraße vom 10. Mai 2006 - insbesondere Abschnitt Geschäftsführung
McKinsey
Das seit Januar 2004 angekündigte Sanierungskonzept wurde am 26.5. vom Aufsichtsrat verabschiedet. Die Unternehmensberatung McKinsey wurde bemüht, um die Glaubwürdigkeit der Planung zu unterstreichen. Und erhielt für die ersten drei Monate Tätigkeit 2,9 Millionen Euro. (Rolf Meier: Wettbewerb statt Gesundheit, 26.2.05)
Arbeits- und Behandlungsqualität
Laut Papierlage (Dokumentationsystem) ist die Qualität der Krankenpflege bei Vivantes wahrscheinlich gut bis sehr gut, sogar im Forum für Senioren. In der Realität sieht die Sache oft ganz anders aus: Trotz Einsatz von Leasingpersonal gehen viele Beschäftigte der Pflege – besonders der Altenpflege – nach 8 Stunden Arbeit völlig erschöpft und mit dem Bewusstsein nach Hause, viele Arbeiten nur unzureichend erledigt zu haben, weil die Zeit für „gute Pflege“ nicht gegeben ist, bestenfalls für „ausreichende Pflege“. (Newsletter des Solikreises für eine Menschenwürdige Pflege 28.7.05)
Niemand bestreitet, dass alle KollegInnen bis zum Umfallen arbeiten. Vielmehr nutzt die Geschäftsführung das soziale Engagement der Beschäftigten für Profitinteressen aus. Wer dieses anprangert und sich nicht einschüchtern lässt, wird unter Druck gesetzt und auch gekündigt. ... Ca. 3000 Stellen sind allein seit 2000 bei Vivantes abgebaut worden. Weiterer Stellenabbau soll 2006 folgen. KollegInnen haben auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet: damit wurden allerdings bisher keine Arbeitsplätze erhalten. (Flugblatt des Solidaritätskeises für eine Menschenwürdige Pflege Juli/August 2005)
Siehe auch
Nachrichten
2004: Schulden
Im Sommer 2004 half der Berliner Senat Vivantes durch eine Umschichtung von Schulden, die Vivantes beim Land hat (Berliner Morgenpost 17.6.04).
Siehe auch
Juni 2005: Geschäftsführer geht
Der Geschäftsführer des landeseigenen Klinikkonzern Vivantes, Wolfgang Schäfer, muss seinen Platz räumen. Der Aufsichtsrat des Unternehmen, der am Montag tagte, will den Vertrag von Schäfer nicht verlängern. ... Im Jahr 2001, mit der Gründung des riesigen Klinikkonzerns, hatte Schäfer die Leitung der Geschäftsführung übernommen ...Die große Krise trat dann Anfang 2004 ein, als Vivantes kurz vor der Insolvenz stand. Der Aufsichtsrat, in dem Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) und Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) vertreten sind, forderten Schäfer auf, einen Plan zur Sanierung des Konzerns vorzulegen. Dieses tat er schließlich auch, doch das Konzept wurde im Aufsichtsrat als völlig ungenügend zurück gewiesen. Das Unternehmen kam nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus, die Mitarbeiter sorgten sich um ihren Arbeitsplatz. Schon damals war die Ablösung des Geschäftsführers im Gespräch. Um den Klinikkonzern zu retten, entschuldete der rot-rote Senat schließlich die Gesellschaft. Die Mitarbeiter verzichteten nach langen Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Konzern auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld - und sparten ihrem Arbeitgeber Vivantes so 32 Millionen Euro ein. Der Aufsichtsrat, der starke Zweifel hegte, dass Schäfer die Klinikgesellschaft in Griff bekommt, schaltete die Unternehmensberatung McKinsey ein, die eine Sanierungsstrategie entwickeln sollte.
Nach dem Artikel der Berliner Zeitung zu urteilen, scheint der Abgang Schäfers nichts mit den Vorkommnissen beim Vivantes Forum für Senioren und der seit 2002 erhobenen Kritik des Medizinischen Dienstes an den Zuständen in Vivantes Pflegeheimen zu tun zu haben.
Januar 2006: Notlagen-Tarifvertrag verlängern?
Der »Sanierungsprozeß« von Vivantes wird unbeirrt fortgesetzt. Das machte der neue Geschäftsführer des landeseigenen Berliner Krankenhauskonzerns, Holger Strehlau-Schwoll, am Donnerstag bei seiner Vorstellung vor der Hauptstadtpresse deutlich. Er kündigte an, eine Verlängerung des Ende 2008 auslaufenden »Notlagen-Tarifvertrags«, der die Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld für die mehr als 13000 Beschäftigten festschreibt, anzustreben. Die von Beschäftigtenvertretern geforderte Übernahme des Flächentarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVÖD) im gesamten Unternehmen lehnte er ab. »Der Sanierungsprozeß ist nie abgeschlossen, wir werden immer sehr wirtschaftlich arbeiten müssen«, betonte Strehlau-Schwoll ... Wohin der auf dem Rücken der Beschäftigten stattfindende »Sanierungsprozeß« letztlich führen könnte, deutete Senator Sarrazin an. Angesprochen auf die Möglichkeit einer Privatisierung des Unternehmens sagte er: »Jetzt müssen wir das Unternehmen erst mal sanieren. In fünf bis acht Jahren kann man dann über vieles nachdenken.«
Die Abteilung „Unternehmenskommunikation“ von Vivantes stellt die Vorstellung von Strehlau-Schwoll am Donnerstag in ihrer Pressemitteilung vom 12.1.06 so dar:
Der neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Holger Strehlau-Schwoll, sieht die Sanierung des größten öffentlichen Krankenhauskonzerns in Deutschland auf einem guten Weg. „Vivantes hat eine gute Ausgangsposition für den Ausbau zu einem Konzern, der auf allen Versorgungsgebieten tätig ist – von der Rehabilitation bis hin zur Seniorenbetreuung“, erläuterte Strehlau-Schwoll heute bei seiner Vorstellung im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin. Damit der Konzern auch in den nächsten Jahren wirtschaftlich erfolgreich sein könne, müsse er besser sein als andere, wie der neue Vivantes-Chef betonte: „Da es auf dem Gesundheitsmarkt in Berlin mehr Angebote als Nachfrage gibt, geht es darum, auch künftig kostengünstigere und qualitativ bessere Leistungen als andere anzubieten.“
In einem Flugblatt hatten Beschäftigte zum Notlagen-Tarifvertrag mitgeteilt:
Mit großer Enttäuschung haben die Kolleginnen und Kollegen der Liste „Gegen den Strom“ zur Kenntnis genommen, dass die Gewerkschaft Verdi keine Mitgliederbefragung durchführen wird, bevor der Notlagentarifvertrag zwischen Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband unterschrieben werden soll. Damit wird der Verzicht auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld der Beschäftigten von Vivantes für die Dauer von fünf Jahren vereinbart und eine nach unserer Auffassung trügerische Sicherheit gegen betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2010 gewährt. Diese tarifliche Vereinbarung ist die Grundlage einer Verschärfung der Sanierungstätigkeiten durch die Geschäftsführung und die Beraterfirma Mc Kinsey, in deren Verlauf weitere 1.800 Vollstellen im Unternehmen Vivantes wegfallen sollen und damit die Arbeitsverdichtung für die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen um weitere 20% gesteigert werden soll.
Siehe auch
- Interview mit Moritz Naujack, Betriebsratsvorsitzender von Vivantes zur Einführung des „Notlagen-Tarifvertrags“ 26.6.04
- World Socialist Web Site 7.2.04
März 2006: Personalmangel und Arbeitskräfte-Leasing
Aus der Zeitung des Betriebsrats von Vivantes, Atlantis (März 2006):
Aufgrund des finanziellen Umfangs der Leasing-Einsätze bei Vivantes müssen die Leasing-Leistungen europaweit ausgeschrieben werden.
Im Ergebnis erhielten drei Personal-Leasing-Firmen den Zuschlag, je eine für die Bereiche Pflege, Intensivstationen und Schreibkräfte. ... Offensichtlich hatte sich die eine, in Leipzig ansässige Firma, auf dem heiß umkämpften Leasing-Markt übernommen. Sie war jedenfalls nicht in der Lage, die angeforderten Leasingkräfte zur Verfügung zu stellen: Einmal schickte sie jemanden per Flugzeug aus Leipzig nach Berlin, aber diese Person kannte sich in Berlin nicht aus und fand daher nie zum Klinikum Spandau, wo sie erwartet wurde. Andere kamen angetrunken an und wieder andere waren nicht qualifiziert. Im Klinikum Neukölln sind an einem Wochenende fünfzehn angeforderte Kräfte kurzfristig abgesagt worden. ... Nun will sich Vivantes offenbar von dieser Leasingfirma trennen ... Leasingkräfte als Ersatz für Pflegepersonal, das dem Personalabbau zum Opfer fiel, sind in der Krankenpflege zurzeit an der Tagesordnung. Wir in der Krankenpflege tätige begrüßen zwar jede kleine Hilfe, aber möchten nicht auf Dauer mit wechselnden Leasingkräften arbeiten. Grund ist, dass dieses Personal erst angeleitet werden muss, wozu keine Zeit vorhanden ist. In Notfallsituationen steht man alleine da. Wir brauchen zur Qualitätssicherung mehr eigenes Personal, Leasingkräfte sollten nur dem Notfall vorbehalten bleiben. ... Im Klinikbereich wurden im letzten Jahr ungefähr 6 Millionen Euro für Leasingeinsätze ausgegeben. Davon entfielen allein 3 Millionen auf den Intensivbereich. Der Einsatz von Leasingkräften gehört schon zum Alltag. Dennoch wird die Bestellung von Leasingkräften immer schwieriger; die Bestellungen werden immer unzuverlässiger und immer öfter fehlt den Leasingkräften eine ausreichende Qualifikation, um in diesem hoch spezialisierten Bereich sinnvoll arbeiten zu können. So führt jeder Einsatz einer Leasingkraft auch zu einer Mehrbelastung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort.
Infolge des McKinsey Projekts „Intensivstationen“ wurde im Intensivbereich fast ein Viertel der Vollkräfte abgebaut. Über einhundert MitarbeiterInnen verloren ihren Arbeitsplatz. Sie verließen entweder das Unternehmen oder wurden in andere Bereiche versetzt. Zugleich nahm die Zahl der behandelten Fälle seit 2003 pro Jahr um einige Tausend zu. Auch der Schweregrad der behandelten Fälle nahm zu. Und nach den bisherigen Planungen ist eine weitere Steigerung der Fallzahlen für die nächsten Jahre vorgesehen. Nachbesserungen beim Personalbedarf sind nicht geplant.
Siehe auch
März 2006: Neue Formen der Kinderbetreuung
Aus der Zeitung des Betriebsrats von Vivantes, Atlantis (März 2006):
Die Frauenvertretung und der Betriebsrat von Vivantes hatten 2005 mittels eines Fragebogens nach Problemen bei der Kinderbetreuung gefragt.
Es hatte sich herausgestellt, dass äußerst flexible Betreuungs-Angebote benötigt werden nicht zuletzt wegen des Schichtdienstes und der Verteilung der Standorte über das ganze Stadtgebiet. ... Inzwischen entwickelten wir in einer Kooperation mit einem ambulanten Träger von Kindertagesstätten ein Modellprojekt zur mobilen Kinderbetreuung für Beschäftigte. Dieses Modell sieht vor, dass ausgebildete Erzieherinnen des mobilen Dienstes „Kids mobil“ regulär oder im Falle von z.B. unvorhergesehenen Schichtdiensten und anderen Notfällen die Kinder der Beschäftigten stundenweise in der elterlichen Wohnung betreuen. Hierfür stünden dem Unternehmen eine feste Zahl von Betreuungsstunden pro Monat zur Verfügung. Finanziert werden soll das Projekt, das zunächst zur Erprobung auf ein Jahr angelegt ist, aus Stiftungsgeldern plus einem Anteil des Unternehmens. ... Offen und strittig zwischen den Arbeitnehmervertretungen und der Geschäftsführung ist derzeit noch, ob und wie die Kosten für das Unternehmen auf die Beschäftigten umgelegt werden, die eine Betreuung in Anspruch nehmen. ...
Frauen in Leitungspositionen oder als ÄrztInnen sind bei Vivantes wie in vielen anderen Kliniken unterrepräsentiert. Die Zeitung Atlantis beschreibt anhand eines Beispiels, wie es praktisch dazu kommt:
Und so sieht die einfache, aber sehr wirkungsvolle Methode einiger Klinikdirektoren (in der Mehrheit natürlich männlich) aus, keine Frauen einzustellen, exemplarisch an der kardiologischen Klinik des Klinikums am Urban und des Klinikums Am Friedrichshain dargestellt: Eine Ausschreibung legt das Anforderungsprofil für eine zu besetzende Stelle fest. Es gibt etwa 80 Bewerbungen, davon 29 Frauen, die teilweise Kinder haben. Erst nach einigem „Hick-Hack“ zwischen Betriebsrat und Frauenvertretung auf der einen Seite, dem Klinikdirektor auf der anderen Seite finden überhaupt Bewerbergespräche statt, allerdings zu abstrusen Zeiten. Eingeladen werden vier Männer und zwei Frauen, letztere sind beide kinderlos und ohne die in der Ausschreibung geforderten Qualifikationen. Das Ergebnis kann nicht verwundern: Natürlich entscheidet man sich für einen der männlichen Bewerber. Die Begründung erfolgt selbstverständlich ausschließlich im fachlichen Bereich, über den zu urteilen allein dem Klinikdirektor vorbehalten ist. Nachfragen zu den anderen Bewerberinnen und Bewerbern, insbesondere zu den nicht zum Bewerbergespräch eingeladenen Frauen werden lapidar beantwortet: Sie seien „fachlich nicht geeignet“ gewesen. Wie soll unter solchen Bedingungen seriös entschieden werden, ob unter den 27 aussortierten Frauen nicht doch geeignete Bewerberinnen gewesen wären? Im Ergebnis jedenfalls bleibt die Klinik überwiegend mit männlichen Ärzten bestückt – Frauen werden, allein weil sie Frauen sind und Kinder kriegen könnten, außen vorgehalten. (Sofern sie bereits Kinder haben, fallen sie von vornherein durch das Raster.)
Dezember 2007: Krankenhaus Prenzlauer Berg: Schließung von Stationen?
Die Geschäftsführung plant eine generelle Umstrukturierung des Vivantes-Konzerns, das bestätigte am Dienstag Vivantes-Sprecher Uwe Dolderer. „Die Überlegungen sind notwendig, weil die politischen Vorgaben künftig verschlechterte Rahmenbedingungen für uns bedeuten“, sagte Dolderer. ... „Es gibt Überlegungen, die stationäre Aufnahme zurück- und die ambulante Behandlung auszubauen“, sagte Dolderer. ... Eine Entscheidung über den Umbau des Konzerns werde nächstes Jahr fallen. ... [MitarbeiterInnen] fürchten, mit einem geplanten Abbau der stationären Abteilungen werde die Existenz des Krankenhauses gefährdet, da die ambulante Auslastung in anderen Kliniken bereits jetzt nicht Erfolg versprechend sei. Ursprünglich war geplant, den Standort Prenzlauer Berg auszubauen. ...
Wie gut Vivantes mit ambulanten Leistungen fahren kann, hängt u.a. vom Einfluss des Konzerns auf die Krankenhausplanung des Landes ab. Siehe dazu: Ambulante Leistungen von Krankenhäusern.
März 2008: Blockade & Demo des Krankenhaus Bln-P´berg
Autonom-Anarchistischer Operaist 20.03.2008 15:08
Heute fand in der Mittagspause der Vivantes Beschäftigten eine Aktion statt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Der Fachbereich 3 vom ver.di Bezirk Berlin rief heute in der Mittagspause des Vivantes Klinikums in Prenzlauer Berg zu einer Protestaktion auf. Alle vom Hausmeister über Elektriker bis zum Gärtner und natürlich auch die Ärzte und Pflegekräfte beteiligten sich an dieser Aktion. Eine Pflegekraft sagte: "Ich habe extra noch ne Stange Zigaretten für den Knast geholt." Ein Teil der Autonomen Linken zeigte sich bei dieser Aktion der Beschäftigten solidarisch. Um 12:30 Uhr trafen sich die Beschäftigten am Haupteingang des Krankenhauses in der Fröbelstraße. Mit Flugblättern, Trillerpfeiffen und einem Krankenbett ging es dann gleich los in Richtung Prenzlauer Allee.
Die Beschäftigten verteilten Flugblätter und pfiffen durch ihre Trillerpfeiffen. Auf die Prenzlauer Allee ging es ohne größere Probleme, und ohne Polizeibegleitung in Richtung Alex.
Es waren ca 70 Beschäftigte. Es blieben immer wieder Leute am Rand stehen und schauten interessiert. Es stießen auch immer wieder einzelne Beschäftigte hinzu und die Autonomen liefen in der Demo mit, was auch niemand schlecht fand, im Gegenteil.
Prenzlauer Allee Ecke Danziger Straße wurde dann die Kreuzung blockiert, so gut es eben ging. Teilweise fuhren die Autofahrer in einem unterstützenden Hupkonzert vorbei, und die Beschäftigten trillerten um so lauter mit ihren Pfeifen.
Ein Kastenwagen der 23. Berliner Einsatzhundertschaft fuhr aus Süden kommend vollbesetzt ausm Fenster erstaunt glotzend an der Blockade vorbei.
Der Ver.di Lautsprecherwagen kam angefahren und schilderte noch mal den Grund für den Protest. Die Vivantes-Geschäftsführung hat nämlich beschlossen das Krankenhaus zu schließen und die derzeit Beschäftigten haben Angst um ihre Zukunft. Schon jetzt sind ja schließlich die in der Pflege Beschäftigten total überbelastet und unterbezahlt. "Gesundheit ist keine Ware!" tönte es aus dem Lauti und dass in anderen Städten die Beschäftigten Autobahnen blockieren täten.
Nachdem der Polizei-Mannschaftswagen mittlerweile am S-Bahnhof gewendet hatte und wieder bei der Kreuzzung anhielt, meldete jemand eine "Spontandemo", die durch den bevölkerungsreichsten Bezirk der Stadt ging, an.
Es ging dann weiter Danziger, Ella-Kay und Fröbelstraße. Bei der Abschlußkundgebung, die wieder vorm Haupteingang stattfand, verteilte eine "Anarchosyndikalistische Initiative Berlin" Flugblätter über "Prekarität in der Pflege".
Die Protestaktion wurde beendet, der Lauti bedankte sich und das Bett wurde wieder reingeschoben. Eine gute und relativ radikale Klassenkampfaktion, die anfangs ohne Polizei und unter Beteiligung von Autonomen und Anarchist_Innen stattfand.
Siehe auch
- Berlin.de 19.5.04: Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg muss erhalten bleiben!
- Stellungnahme von Johannes Kraft (CDU - BVV Pankow) 16.12.07: Vivantes-Klinikum Prenzlauer Berg erhalten!
Siehe auch
- Homepage von Vivantes
- Vivantes Geschäftsberichte und Qualitätsberichte
- Vivantes Strategie 2010: Marktanalyse und Benchmarking - Aufsichtsrat und Fachinstitute bestätigen Unternehmenskonzept
BerliNews 13.12.02 - Vivantes-Seite des Netzwerks für eine kämpferische und demokratische ver.di
- Vivantes-Seite bei LabourNet
- „totgeschwiegen“ - Vivantes-Seite für eine Ausstellung zum Gedenken an NS-"Euthanasie"-Opfer
- Privatisierung gefährdet Ihre Gesundheit
- Berlin lässt grüßen
DKP-BetriebsInfo Klinikum Bremen-Ost und Gesundheit Nord gGmbH, September 2007 - Vivantes – Forum für Senioren
- Charité
- McKinsey
- WertKlinik AG

