SB CulinariG
Aus PrivatisierungsWiki
Offener Brief des Betriebsrats der CulinariG 12.10.05
Der Landesbetrieb Krankenhäuser Hamburg hatte einmal ein Gästebuch, das nun nicht mehr auffindbar ist. Hier ist ein Beitrag aus dem Gästebuch. Bevor er verloren geht, kopiere ich ihn hierhin. (Quelle: LBK Hamburg.)
Gästebucheintrag im LBK-Gästebuch der Asklepios Klinken GmbH vom 12.10.2005
Offener Brief an die Anteilseigner vom Betriebsrat CulinariG
Herr Broermann
Service Betrieb der LBK Hamburg GmbH
Herr Senator Dräger Klinikum Nord Ochsenzoll, Haus 90 Küche
Langenhorner Chaussee 560
22419 Hamburg
Sehr geehrte Herren
Haben Sie uns vergessen?
Wir sind der SB CulinariG und versorgen bisher Patienten und die Mitarbeiter der LBK Hamburg GmbH mit Essen!
Wird dieses auch zukünftig noch unsere Aufgabe sein?
Laut Aussage von Ihnen, Herr Broermann, am 14.02.2005 auf NDR 90.3 aktuell, erteilen Sie dem Ausgliedern von zentralen Diensten wie z.b. der Essenversorgung eine klare Absage, denn Zitat:
solche wichtigen Aufgaben müssen direkt vom LBK verantwortet werden.
Stehen Sie zu Ihrem Wort, Herr Broermann?
Bis zum jetzigen Zeitpunkt sagt uns keiner wie die Zukunft der Mitarbeiter bei CulinariG ab dem 01.01.2006 aussieht.
Sogar Herr Dr. Meyer zu Lösebek, als der für uns zuständige Geschäftsführer und unser Leiter Herr Keimel haben vor Gericht eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass es z.Zt. keine Zukunftspläne für CulinariG gibt.
Wir Mitarbeiter von CulinariG haben ein Recht darauf zu erfahren, wie es mit uns weiter geht!
Haben Sie Pläne und auch die Kompetenz diese umzusetzen?
Sie tragen für diesen Servicebetrieb und die Zukunft der Mitarbeiter die Verantwortung
Wir erwarten Antworten, bevor es zu spät ist!
Für den Betriebsrat
gez. Hella Krause
Antwort von Herrn Willebrand, Hauptgeschäftsführer der Asklepios Kliniken GmbH:
Sehr geehrte Frau Krause,
wie bereits im Aufsichtsrat ausführlich dargestellt, besteht ein zwingender Zusammenhang zwischen den sinkenenden Einnahmen der Krankenkassen aufgrund der allgemein bekannten Wirtschaftslage (konstant hohe Arbeitslosigkeit und damit sinkende Sozialeinnahmen etc)und den sinkenden Einnahmen der Krankenhäuser. Daher sind seit Jahren (!) die Budgets gedeckelt, obwohl die Kosten weiter stiegen. Nicht nur Sachkosten, wie z.B. die Energiekosten für Öl und Gas oder die allgemeine Inflation, sondern vor allem auch die Arbeitskosten, die im LBK weit über 75 Prozent aller Kosten ausmachen, steigen, während die Einnahmen stagnieren. Es ist wohl durch eine einfache Dreisatzrechung leicht nachzuvollziehen, dass eine Steigerung der Personalkosten um lediglich 2 Prozent unmittelbar die Ausgaben des Krankenhauses um 1,5 Prozent (nämlich 75 Prozent von 2 Prozent) nach sich zieht. Dies bedeutet bei einem Personalkostenbudget von rund 500 Mio. EUR eine Ausgabensteigerung von 7,5 Mio. EUR pro Jahr, der keinerlei Einnahmen gegenüberstehen. Dieses Geld wäre letztlich nur mit einem Stellenabbau zu kompensieren. Solange es nicht gelingt, durch Erlössteigerungen diese Mehrkosten zu kompensieren, führen Erhöhungen auf der Personlkostenseite unweigerlich zu Personalabbau. Dies ist tägliche Realität in allen Krankenhäusern und anderen Branchen, wie z.B. in der Automobilindustrie oder auch der Hochtechnologie. Diese Zusammenhänge schlicht zu verneinen, führt in die falsche Richtung.
Um einen Stellenabbau entweder ganz zu verhindern oder zumindest auf das geringstmögliche zu beschränken, sind wir zunächst in einer Art Notwehr aus der AVH ausgetreten. Gleichzeitig haben wir aber ausdrücklich das Angebot gemacht, ERNSTHAFT über die Bedingungen zu verhandeln, die eine größtmögliche Anzahl an Arbeitsplätzen erhält, aber gleichzeitig den Fortbestand und die Investitionsfähigkeit des Krankenhauses ermöglicht.
Die Verweigerung von JEGLICHEN Verhandlungen und bloße Streikdrohungen sind ganz sicher das falsche Mittel, um Arbeitsplätze zu sichern, im Gegenteil, es gefährdet ganz konkret Arbeitsplätze. Dieser Druck richtet sich gegen die Falschen, denn letzlich leidet der Arbeitgeber genauso unter den fehlenden Einnahmen wie der Arbeitnehmer. Hier kann nur der -ausdrücklich gemeinsame- Druck helfen, für politische Rahmenbedingungen zu sorgen, die ALLEN Krankenhäusern die Möglichkeiten für auskömmliche Budgets geben.
Einen Wettbewerb der Qualität der Versorgung können wir mit einer motivierten Mannschaft gewinnen, einen Wettlauf um die geringsten Arbeitskosten sicher nicht. Nochmals: Wir sind zu konstruktiven Gesprächen bereit und haben ein ernsthaftes Interesse daran, das realistisch Mögliche im VERHANDLUNGSWEGE bei gegenseitiger Respektierung der Bedürfnisse einvernehmlich zu regeln.
Hierbei können Sie vielleicht auch als einzelner Arbeitnehmer mäßigend auf Ihre Interessenvertreter einwirken, das Thema Arbeitsplatzsicherheit vor die Frage der maximalen Bedingungsdurchsetzung zu stellen, die letztlich mangels ausreichender Erlöse ohnehin nicht haltbar ist, so dass wir unsere Versprechen um den Arbeitsplatzerhalt auch tatsächlich einlösen können.
Mit freundlichen Grüssen
Elmar Willebrand
Hauptgeschäftsführer
Den originalen Gästebucheintrag finden Sie hier. [Anm. Wikipflege 18.12.06: Link ungültig.]

