Rhön

Aus PrivatisierungsWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Inhalt

Inhalt
Nachrichten
Bundesrepublik
Bundesländer
Städte, Kommunen
Klinikunternehmen/Heimbetreiber
Zusammenschlüsse
Weitere Organisationen
Dokumente
Themen

Rhön-Kliniken Logo


Die Rhön-Klinikum AG (RKA) betreibt rund 45 Kliniken mit 14.620 Betten/Plätzen an 34 Standorten in acht Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Thüringen). Bei der RKA arbeiten mehr als 30.000 Menschen. (Rhön-Info gelesen 26.11.06)

In diesem und im kommenden Jahr wollen wir mit den Neubauten an den beiden Standorten [Gießen und Marburg] beginnen, um weitere Rationalisierungspotenziale zu heben. Allein in Gießen sind derzeit noch über 100 Einzelgebäude auf dem Klinikgelände verteilt, die wir durch ein kompaktes Gebäude ersetzen werden. Auf diesem Weg führen wir das Flussprinzip – also die Anwendung industrieller Produktionstechniken und die vierstufige Patientenversorgung – erstmals in einem Universitätsklinikum ein. (Bilanzpressekonferenz der Rhön-Klinikum AG, 19.4.07)

Rhön-Klinikum erzielte im Geschäftsjahr 2004 nach vorläufigen Zahlen bei einem Umsatz von 1,045 Mrd. EUR einen Jahresüberschuss von 76,4 Mio. EUR. (Bankgesellschaft Berlin Juli 2005)


Stimmrechte (Rhön-Info - gelesen 23.9.07):

  • Eugen und Ingeborg Münch, Deutschland (16,20%)
  • Alecta pensionsförsäkring, ömsesidigt, Stockholm, Schweden (> 10%)
  • Ameriprise Financial, Inc., Minneapolis, USA (> 5%)
  • Franklin Mutual Advisers, LLC, Short Hills, USA (> 5%)
  • Nordea 1 Sicav, Findel, Luxemburg (> 5%)
  • Bank of America Corporation, Charlotte, USA (4,46%)
  • Julius Bär Holding AG, Zürich, Schweiz (> 3%)



Inhaltsverzeichnis

Nachrichten

Capio

Die Börse Berlin Bremen meldet über den Nachrichtendienst ots am 01.09.2006 folgendes:

Rhön-Klinikum (WKN 704 230) stiegen um 6,4 Prozent auf 33,83 Euro. Hier schürten Fusionsgerüchte die Fantasie der Anleger. Offensichtlich haben Finanzinvestoren ein Kaufangebot für den schwedischen Gesundheitskonzern Capio vorgelegt. Das ließ Investoren von Übernahmen im gesamten europäischen Gesundheitssektor träumen.

Siehe auch



Allgemeine Strategie

Rhön-Kliniken wollen keine Patientenselektion nach USA-Muster betreiben, denn Fließbandfertigung für einen Massenmarkt bringt am Ende höhere Gewinne:

Wir sind davon überzeugt, daß eine Flächenversorgung für jedermann wegen der größeren Leistungsmenge bei niedrigerem Preis, der damit sozialer ist, langfristig bei richtiger Steuerung die Krankenhausträger zur Einleitung kostendegressiver Leistungsprozesse anregt und damit dem Entwicklungspotential der hochpreisigen Spitzenversorgung für eine zahlungsfähige Oberschicht überlegen ist. ... Das heißt wir sind davon überzeugt, daß steigende Mengenleistungen, die aus der demografischen Entwicklung resultieren, zur Kostendegression im Krankenhaus führen müssen und die Kostendegression ihrerseits die Leistung preiswerter und damit verfügbar für jedermann macht. Ein vergleichbarer Prozeß hat das Automobil für viele erst erschwinglich gemacht und umgekehrt die Massenproduktion ermöglicht. ( Vorstandsvorsitzender Eugen Münch 17.5.1996)


Fließkonzept

In Rhön-Kliniken sind Pflege und Unterbringung in vier Hospitationsebenen untergliedert. Die Behandlung folgt arbeitsteiligen Fließkonzepten . Damit konnten nach Aussagen des Konzerns die Kosten je Fall bei gleichzeitig höherer Qualität der Leistung am und für den Patienten um bis zu 40% unter den des Bundesdurchschnitts gesenkt werden.

Im Ver.di Infodienst 2001 Nr. 11 heißt es:

es gibt in den Häusern nicht mehr nur die herkömmlichen zwei Versorungsstufen OP/Intensiv und Normalstation, sondern es wird ein flexibel gegliedertes System angewendet mit einem sehr hohen Anteil an Intensivabteilungen und vielen Schnittstellen, an denen die Patienten übergeben werden und eine Qualitätskontrolle stattfindet. Der große Anteil an Intensivbetten in den RKA-Häusern ist in sich gegliedert: höchstintensiv – überwachungsorientiert – pflegeorientiert, erst dann kommt der/die Patient/in in die Normalstation. Dieser Ablauf im Krankenhaus, der gleichzeitig noch interdisziplinär organisiert ist und so Doppelleistungen und Kosten vermeidet, bewirkt wesentlich mit, dass die Kosten der RKA-Häuser nach eigenen Angaben 30-40% geringer sind als in “alten“ Krankenhausstrukturen2 (Fallkosten öffentlicher Krankenhäuser 7.600 DM; RKAKlinik 5.100 DM (Dresdner Kleinwort Benson 1999)).


Siehe auch


Personalpolitik

Rhön gliedert Serviceleistungen aus und "bestellt" bei den Behörden nach §§ 48 SGB III Erwerbslose für rechtswidrige, nicht entlohnte "Praktika" als Reinigungskräfte. Siehe dazu Uniklinikum Marburg / RK-Reinigungsgesellschaft (Rhön): Arm DURCH Arbeit (Juli 2007).

Übernahmepolitik

Die RHÖN-KLINIKUM AG strebt in jedem Fall die stringente Umsetzung ihrer erfolgsorientierten Konzepte an und ist deshalb nur an Übernahmen interessiert, bei denen sie als Mehrheitsgesellschafter auftritt. (Selbstdarstellung Mitte 2004)

Im Ver.di Infodienst 2001 Nr. 11 heißt es:

Bei der Übernahme einer Klinik wird der Personalbedarf berechnet »und kann nicht Gegenstand sozialer Überlegungen sein, die letztlich systemtötend wären«4. Im Klartext: Ein Personalüberhang wird möglichst schnell abgebaut. (E. Münch, Das flexible Krankenhaus; in: Das Krankenhaus 8/97, S. 466)


Teleportal-Konzept

Mit dem Tele-Portal-Konzept werden die Möglichkeiten der Telematik genutzt, um medizinische Kompetenz aus der Spitzenmedizin bereits auf der Ebene der Grundversorgung zur Verfügung zu stellen. Zentrales Element der Tele-Portal-Klinik ist eine diagnostisch-technische Ausstattung auf dem Niveau gut geführter Schwerpunktkrankenhäuser (z.B. CT = Computertomograph, MRT = Magnetresonanztomograph). Direkten Zugriff auf Spezialexpertise hat die Tele-Portal-Klinik rund um die Uhr durch telematische Online-Verbindung zu geeigneten Schwerpunkt- und Fachkliniken. Der Einsatz von „virtuell“ anwesenden Spezialisten wird gemeinsame Online-Befundungen in "Echtzeit" ermöglichen, die im „alten“ Grundversorgungskrankenhaus bisher sowohl technisch wie auch finanziell undenkbar waren. (Mitteilung von Rhön – Finanztreff.de / DGAP 14.4.05)

In einer PowerPoint-Präsentation vom 27.1.2003 stellt die Rhön AG ihre Pläne zur Umstukturierung des Gesundheitsversorgung ausführlicher vor.

Danach soll eine kostengünstige Flächenversorgung durch Standardisierung der Diagnostik und Behandlung erreicht werden. Rhön vergleicht den angestrebten Wandel in der Patientenversorgung mit dem Übergang von der Manufaktur zur Prozessorientierung . Wie bei industriellen Fertigungsprozessen wird durch Wiederholung in völlig neuen Formen der Arbeitsteilung eine Rationalisierung ermöglicht.

Die arbeitsteilige „Produktion“ medizinischer Leistungen erfolgt dezentral an virtuellen Patienten , die auf der Basis bildgebender Verfahren (übereinandergelegt und mehrdimensional) konstruiert werden. Zusätzlicher Vorteil: der anonyme virtuelle Patient wird, als Pendant zum realen virtuellen Patienten, völlig neue Forschungsmöglichkeiten über Massenphänomene ermöglichen .

Sämtliche Daten des virtuellen Patienten fließen in eine elektronische Krankenakte ein, zu der die PatientInnen selbst und die beteiligten BehandlerInnen über ein Intranet Zugang haben.

Die Durchsetzung des Systems erfolgt, indem der Patient eingebunden wird und durch Hinterlegung seiner Karte beim jeweiligen Behandler den Zugang öffnet. Das bedeutet, dass niedergelassene Ärzte sich genauso einloggen können – vorausgesetzt, dass der Patient das will. Wenn er es nicht will, wird er es dem Arzt begründen müssen. Die im System liegende Bequemlichkeit wird zu schneller Verbreitung führen und auch die niedergelassenen Ärzte werden sich dem nicht entziehen können. Den niedergelassenen ÄrztInnen fällt die Aufgabe zu, PatientInnen in ein von Rhön organisiertes Versorgungssystem aus ambulant und stationär behandelnden Einrichtungen weiterzuleiten. Der niedergelassene Arzt prüft nur noch, ob stationäre oder teilstationäre Aufnahme erforderlich ist. Alle weiteren Schritte veranlasst die Klinik . Die Klinik, genannt Teleportal-Klinik , ist mit anderen Kliniken durch ein Schienennetz verbunden, über das die PatientInnen ggf. in überregionale Schwerpunktkrankenhäuser weitergeleitet werden. Rhön strebt jedoch die Verringerung stationärer zugunsten ambulanter und teilstationärer Behandlungen an. Am Krankenhaus angesiedelte FachärztInnen sollen dabei in Doppelfunktion ambulante und tagesklinische Leistungen unter Nutzung der Krankenhaus-Technik erbringen.

Damit sich das besser lohnt, tritt Rhön für eine Weiterentwicklung der DRG’s ein: Das erstaufnehmende Haus bildet den Fall – Endabrechnung durch das entlassende Haus – Leistungseinkauf zwischen den Häusern . Mit der Qualifizierung der Krankenhäuser als teilstationäre Einrichtungen sieht Rhön die heutige Struktur der doppelten Facharztvorhaltung mindestens in der Flächenversorgung erheblich in Frage gestellt. Während FachärztInnen anscheinend eher materiell an Rhön gebunden werden sollen, z.B. durch den Kauf von und die Beteiligung an Praxen und durch Bereitstellung diagnostischer Geräte, ist für HausärztInnen eine eher immaterielle Einbindung geplant: Die Teleportal-Klinik wird ... für zukünftige Hausärzte der Platz sein, an dem sie einen Teil ihrer Weiterbildung als Assistent des Präsenzarztes verbringen . Mit der Einbindung in das Teleportal-System verbunden ist nach Ansicht von Rhön ein erheblicher Reputationsgewinn des Einweisers gegenüber den Patienten . Ein Artikel des Handelsblatts vom 30.3.05 sieht das Teleportal-Konzept durch das Bundeskartellamt gefährdet:

Die Rhön untersagte Übernahme des städtischen Krankenhaus in Eisenhüttenstadt mit 326 Betten ... trifft den Konzern ... im Mark, weil es seine Strategie grundsätzlich in Frage stellt.
Rhön-Chef Eugen Münch hat eine Strategie entwickelt, die er das Teleportal-Konzept nennt. Um es umzusetzen, muss er gerade in den Regionen zukaufen, in denen er bereits große Häuser besitzt. Der Kerngedanke ist, dass große Kliniken, an denen Spezialisten arbeiten, mit den kleineren Häusern der Region vernetzt werden. Auf diese Weise will Münch eine qualitativ hochwertige Versorgung auch in dünn besiedelten Regionen sicherstellen.
Die Ärzte in den kleineren Häusern sollen demnach bei schwierigeren Fällen über Online-Verbindungen Ferndiagnosen von den Spezialisten der großen Häuser einfordern können. Falls der Fall für die Generalisten des kleinen Krankenhauses zu kompliziert ist, kann der Patient in die Fachabteilung der großen Klinik überwiesen werden.


Elektronische Patientenakte / Siemens

Gesundheit-Sachsen 18.9.07:

Rhön-Klinikum AG und Siemens führen einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte ein
Nachdem die WebEPA bereits in Leipzig (Herzzentrum und Parkkrankenhaus) erfolgreich pilotiert wurde, steht nun der konzernweite Roll-out bevor. Eines der europaweit größten eHealth-Projekte läuft an.

Siehe auch

Tarife

Bezahlt wird bei Rhön nach individuellen Haustarifen , wobei (alle?) Beschäftigten eine erfolgsabhängige Ergebnisbeteiligung am Gesamtergebnis der jeweiligen Klinik erhalten.

Die ÖTV bzw. ver.di haben sich von Anfang an (anfangs?) um einen konzernweiten Manteltarifvertrag mit engeren Grenzen für klinikeigene Regelungen bemüht. (ver.di Infodienst Krankenhäuser 04/2001)
[Wie hat sich das weiter entwickelt?])

Mit individuellen Haustarifverträgen haben unsere Konzernkliniken die Möglichkeit, auf die jeweiligen Bedingungen am Arbeitsmarkt und auf die Betriebsstrukturen vor Ort einzugehen , heißt es auf der Internetseite der RKA zu diesem Thema. Und weiter: Wir würden den Versuch, uns auf BAT-Niveau binden zu wollen, als Angriff auf die Zukunft unserer Krankenhäuser betrachten, und wir sind sicher, dass die weit überwiegende Mehrzahl unserer Betriebsräte (es gibt sie in allen unseren Häusern) das genau so sieht.

Kapitalstruktur

Größte Anteilseignerinnen an der RKA sind die Hypo- und Vereinsbank AG mit 26,5% und die Familie des Vorstandsvorsitzenden, Eugen Münch, mit 24% der Stammaktien. Rund ein Drittel der RKA-Aktien besitzen als „Vorzugsaktien“ kein Stimmrecht. (Wer weiß, was es damit auf sich hat?)

An der HypoVereinsbank sind u.a. die Allianz AG, die E.ON AG und die Münchener Rückversicherung AG beteiligt. Über gehäufte Aufsichtsratsposten und Mandate ist die HypoVereinsbank mit Axel Springer, BMW, BASF, DaimlerChrysler und der ERGO Versicherungsgruppe AG verflochten.

ERGO gehört zu über 90% der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft und ist mit Thyssen Krupp und Henkel verflochten. Zur ERGO Versicherungsgruppe gehören die Victoria Krankenversicherung AG, Hamburg-Mannheimer, Deutsche Krankenversicherung AG (DKV), D.A.S. und KarstadtQuelle Versicherungen. An der Münchener Rückversicherung AG sind die Allianz AG, die E.ON AG und die HypoVereinsbank beteiligt. Im Aufsichtrat der Münchener Rück sitzen Aufsichtsratsmitglieder von Aventis und Bayer, deren größter Einzelaktionär die Allianz AG ist, die wiederum an Schering beteiligt ist.

Ein Vertreter von ERGO ist bei MediClin aktiv. Ein Vertreter der Deutschen Krankenversicherung AG (DKV) ebenfalls. Die DKV ist außerdem mit Sana verbunden.

2003 schüttete die Rhön-Klinikum AG bei einem Gewinn von 73 Mio. € und einer Eigenkapitalrendite von 16% knapp 18 Mio. € Krankenkassenbeiträge als Dividenden an die AktionärInnen aus.

Anleihen

Im Juli 2005 nimmt Rhön eine Anleihe in Höhe von 110 Millionen € auf dem Kapitalmarkt auf. Zweck sei die Refinanzierung kurzfristig angestiegener Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit den seit Jahresbeginn konsolidierten neun Neuerwerbungen und den zum 1. Juli hinzugekommenen Kliniken Miltenberg/Erlenbach . (Krankenhausumschau 6.7.05)

Gesellschaftspolitische Einflüsse

Bundesregierung und Gesundheitsorganisationen

Die RKA pflegt enge Kontakte zur Bundesregierung. So sind die RKA-Aufsichtsratsmitglieder Karl W. Lauterbach und Detlef Klimpe Berater der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Lauterbach gehört dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen an. (Siehe auch: Spiegel 4.10.05, Deutscher Bundestag 16. Wahlperiode)

Klaus-Theo Schröder (SPD), Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium und seit 1986 für die Gesundheitsministerien Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Berlin tätig, war kurzfristig leitender Angestellter der RKA, bevor er in einem persönlichen Telefonat mit Eugen Münch von der Bundesgesundheitsministerin für den Staatsdienst abgeworben wurde.

Die enge Verbindung Schröders zu Rhön war in Berlin heftig kritisiert worden , schrieb das Deutsche Ärzteblatt 22.2.2002, weil sich der Klinikkonzern in Schröders Amtszeit darum beworben hatte, vom Senat das traditionsreiche Berliner Klinikum Buch zu übernehmen. Der springende Punkt: Mit Schröder habe Rhön über Monate hinweg auf beiden Seiten des Verhandlungstisches gesessen.

Ein Abteilungsleiter der RKA, Stephan Achner, war Leiter des Dezernats II „Krankenhausfinanzierung und Krankenhausplanung“ in der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Wolfram L. Boschke, der seit 2002 für Rhön arbeitet, war seit 1982 Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkrankenanstalten, seit 1985 Geschäftsführer des Landesverbandes der Privatkrankenanstalten in Nordrhein-Westfalen und seit 1998 Mitglied des Kuratoriums zur Förderung deutscher Medizin im Ausland, das von einer großen Koalition aus FDP, SPD, Grünen, CDU und dem Bundesverband Deutscher Privatkrankenanstalten geleitet wird.

Siehe auch

Forschung und Lehre

Mit dem Herzzentrum Leipzig betreibt RKA die erste private Universitätsklinik der Bundesrepublik.

Der zwischen der Universität Leipzig, dem Freistaat Sachsen und der RHÖN-KLINIKUM AG geschlossene Vertrag gewährleistet Freiheit von Forschung und Lehre , heißt es auf den Internetseiten der RKA. Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig ist Dr. Elmar Keller, bis dahin Mitglied des Vorstands der Rhön-Klinikum AG und zuvor Geschäftsführer bei der AOK (Health Update 03/03).

Obschon (noch) nicht privatisiert, versteht sich auch die Universität Bayreuth als Partner und Dienstleister für die gewerbliche Wirtschaft (Internetseite der Uni). Im Februar 2004 verlieh die Universität Bayreuth Eugen Münch und dem Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, zum Dank für einen 1998/99 eingerichteten Studiengang die Ehrensenatorwürde. Die RKA schreibt:

Bedingt durch unser stetiges Wachstum haben wir einen ständig steigenden Bedarf an Führungskräften, die in der Lage sind, die Unternehmensziele in den einzelnen Kliniken zu verfolgen und umzusetzen. ... Seit Herbst 1998 gibt es an der Universität Bayreuth einen neuen Diplom-Studiengang „Gesundheitsökonomie“. Der von der RHÖN-KLINIKUM AG in Kooperation mit der Universität Bayreuth und der Techniker Krankenkasse eingeführte Studiengang dient auch dazu, dem Konzern zu qualifiziertem Führungsnachwuchs zu verhelfen. (Internetseite Rhön Mitte 2004)

In seiner Dankesrede lobte Klusen einen der Professoren und zugleich Mitglied der bayerischen Bioethik-Kommission, Peter Oberender, dafür, dass er immer den Wettbewerbsgedanken auch für das Gesundheitswesen in den Vordergrund gestellt habe . (Pressemitteilung der Uni)

Die RKA gehört zu den Stiftern des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth. Das Institut unterstützt dafür die RKA bei strategischen Projekten im Bereich der neuen Medien . Geschäftsführender Direktor des Instituts ist Eckhard Nagel, Mitglied des Nationalen Ethikrats. Zu den Kooperationspartnern des Instituts gehört außer der RKA u.a. Novartis.

Bertelsmann-Stiftung

Ein Aufsichtsratsmitglied der RKA, Brigitte Mohn, ist Mitglied der Geschäftsführung der Bertelsmann Stiftung, die einen ziemlich großen Einfluss nicht nur auf die Entwicklung des Gesundheitssystems zu haben scheint.

Siehe auch

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Verbindungen zwischen der RKA und Bertelsmann bestehen auch über die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, die zu einem großen Teil von der Bertelsmann Stiftung getragen wird. Im Stiftungsrat der Deutschen Schlaganfall-Hilfe sitzen neben VertreterInnen von Bertelsmann auch Hoppe (Präsident der Bundesärztekammer), Pohle (ehemaliger Finanzvorstand der Schering AG) und Eugen Münch.

Friedrich-Ebert-Stiftung, Lauterbach, Telemedizin

Ein Aufsichtsratsmitglied der Rhön-Klinikum (RKA), Karl W. Lauterbach, das seit 1998 Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität zu Köln (als Mitglied des Bundestags für die SPD beurlaubt) und ver.di Mitglied ist, hat(te) beratende Funktion bei der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Die Ärzte Zeitung vom 12.5.04 schrieb:

In der Stiftung waren vor knapp zwei Jahren entscheidende Reformansätze der SPD für das aktuelle Gesundheitsmodernisierungs-Gesetz erarbeitet worden.

So ist Lauterbach Mitautor eines Gutachtens für den Gesprächskreis Arbeit und Soziales der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel „Zwei Dogmen der Gesundheitspolitik – Unbeherrschbare Kostensteigerungen durch Innovation und demographischen Wandel?“ (Juli 2001). In diesem Gutachten werden die Niederlande, Finnland und Schweden als Beispiele angeführt, dass eine Verbesserung in der Versorgungsqualität bei wichtigen Volkskrankheiten erreicht werden kann, ohne dass der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP [Bruttoinlandprodukt] gestiegen wäre . ... Die erzielte Verbesserung in der Gesundheitsversorgung ist in erster Linie durch die Verdrängung nichtwirksamer Verfahren durch innovative, evidenzbasierte Verfahren erklärbar.

In einem Papier mit dem Titel „Weichenstellungen für die Zukunft – Elemente einer neuen Gesundheitspolitik“, das von Lauterbach, Bert Rürup und anderen zur Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Gesprächskreis Arbeit und Soziales, am 5.12.05 vorgelegt wurde, ging es um die „Mittel- und langfristige Gestaltung des deutschen Gesundheitswesens“.
In diesem Papier werden qualitative Mängel in der bundesdeutschen Gesundheitsversorgung angeführt, beispielsweise: Bei der Krebsbehandlung können im deutschen Gesundheitssystem in 11 von 12 Krebsarten schlechtere Überlebensraten als in den Vereinigten Staaten nachgewiesen werden . Außerdem heißt es, der Aufbau einer modernen, qualitätsorientierten Wettbewerbsordnung ist notwendig , jedoch gehe es nicht darum, immer mehr Gesundheitsrisiken oder –leistungen zu privatisieren .

Ein weiteres Gutachten, das 1999 erschien, beschäftigt sich mit Telemedizin in Deutschland:

Lauterbach, K., Lindlar, M., Informationstechnologien im Gesundheitswesen - Telemedizin in Deutschland, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. (Erwähnt auch: Bundesministerium für Gesundheit 11.12.02

Siehe auch

Eugen Münch

Eugen Münch weiß wie ein Krankenhaus funktioniert, das als privates Unternehmen geführt wird. Der Gründer und Aufsichtsratvorsitzende der Rhön-Klinikum-AG verfügt über ca. 11.000 Krankenhausbetten in 43 Krankenhäusern. Für 112 Millionen Euro kaufte sein Konzern jüngst das Uniklinikum Marburg-Gießen. Das Credo des 61-Jährigen Schwaben: "Ein Krankenhaus sollte wie eine Automobilfabrik funktionieren." Zum Krankenhaus als Unternehmen gibt es für ihn keine Alternative. (Nachtcafé 3.2.06)


Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender

Stand der folgenden Infos: Juni 2004 – Die Infos können inzwischen veraltet sein. [Wer mag sie aktualisieren?]

Oberender ist Prodekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth und engagiert sich dort für den Studiengang „Gesundheitsökonomie“, der von der Rhön-Klinikum AG und der Techniker Krankenkasse eingerichtet wurde.

Oberender ist zugleich Seniorpartner bei Oberender & Partner, einer Unternehmensberatungsfirma im Bereich Gesundheitswesen, die u.a. die RKA, Siemens Medical Solutions, Sana Kliniken, Roche Diagnostics und Novartis Pharma beräht. Zuvor war Oberender als Gutachter u. a. für das Bundesministerium für Gesundheit tätig.

Oberender sitzt außerdem in der bayerischen Bioethik-Kommission und berät als Mitglied des Wissenschaftsrats die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung. Die Mitglieder dieses Wissenschaftrats werden vom Bundespräsidenten auf gemeinsamen Vorschlag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) berufen.

Daneben ist Oberender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Euromed AG, die eine interdisziplinäre belegärztliche Privatklinik in Fürth betreibt und eine Beratungsgesellschaft für das Gesundheitswesen (ENTACON GmbH Mangement Systeme).


Post an Oberender

Anfang Februar 2005 erhielt Oberender einen Brief von Wilfried Meißner, Facharzt für Anatomie, Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, das sich gerade in einer Vor-Privatisierungszeit nach einer Jahre zurückliegenden Prüfung durch eine Beraterfirma befindet. In diesem Brief wird Oberender nach der Sinnhaftigkeit von Privatisierungen namentlich psychiatrischer Kliniken gefragt und um eine für ökonomische Laien verständliche Erklärung gebeten.

Oberender antwortete nicht, so dass er am 12. Mai 2005 einen weiteren Brief erhielt.

Im August erhielt Meißner ein Buch geschenkt: „Wachstumsmarkt Gesundheit“, woraufhin er diesen Brief schrieb.

Bayreuther Versicherungsmodell will Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung aufheben

Nach einem Versicherungsmodell, das eine Gruppe um Oberender an der Universität Bayreuth entwickelt hat, sollen die lohnabhängigen Krankenversicherungsbeiträge auf risikoorientierte Prämien umgestellt werden. Bei Menschen, die sich das nicht leisten können – so genannten „Schwachen“ –, soll der Staat einspringen. Außerdem sollen Krankenkassen mit Leistungserbringern direkt Verträge abschließen dürfen. Eine Kassenärztliche Vereinigung wäre in diesem System weitgehend überflüssig. Auch die Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung wird nicht mehr der KV, sondern dem Wettbewerb überlassen. (Ärzte Zeitung 20.2.06)

Im Nordbayerischen Kurier vom 15.2.06 heißt es zu dem Modell unter Berufung auf Oberender:

Der grundlegende Effekt: Eine Kapitaldeckung ersetze das Umlageverfahren. Einen Teil seiner Prämie spart der Versicherte demnach in jungen Jahren, in denen er üblicherweise weniger Leistungen abruft, für die Zeit an, in der er das Gesundheitswesen stärker braucht. Bei 40 Jahren, so empfielt der Ökonom den Politikern, sollten sie den Schnitt ansetzen. Alle darunter in das neue System, alle düber weiter im Umlageverfahren. Nach der Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren, etwa 2050, werden laut Oberender die staatlichen Zahlungen maximal 3% des Bruttoinlandsprodukts betragen. Für noch viel wertvoller hielte Oberender die Entstaatlichung des Gesundheitswesens, das nur dann finanzierbar, sozialverträglich und zukunftsfähig bleibe.

10 Euro pro Arztbesuch

Gesundheit-Sachsen vom 2.6.06 meldet:

In dem gut besuchten Symposium "Ethik und Ökonomie" während der DDG [Deutsche Diabetes Gesellschaft]-Tagung forderte der Bayreuther Gesundheitsökonom ... eine Gebühr von 10 Euro bei jedem Arztbesuch (mit Höchstgrenze aller Gesundheitskosten bei ca. 15% des Einkommens). Er verwies auf die im internationalen Vergleich viel zu häufigen Arztkontakte in Deutschland (Deutschland 9,8 pro Jahr, Schweden 2,3). Auf Initiative des Tagungspräsidenten Prof. Kiess, der die Über-, Unter- und Fehlversorgung von Diabetikern konstatiert, wurde das Hauptsymposium "Ethik in der Diabetologie" eingeführt.


Weitere Quellen

Siehe auch

Übergaben

  • Kreistagsentscheid Dezember 2004: Kreiskliniken München-Pasing und München-Perlach (100%).
    Ver.di hatte zu den Privatisierungsplänen im Oktober 2004 eine Informationsveranstaltung organisiert. Auch die Grünen engagierten sich.
  • Zum 1. Januar 2005: Klinikum Salzgitter (94,9%)
    Es verbleiben 5,1% der Anteile bei der Stadt Salzgitter.
    Gegen den Verkauf wurde eine Bürgerinitiative gegründet.
  • Zu Anfang 2005: 74,9% der Amper Kliniken AG (Klinikum Dachau, Frauenklinik Dachau+Klinik Markt Indersdorf)
    Der LK DAH behält 25,1% der Anteile.
    In einer Presseerklärung lehnte der SPD-Ortsverein Dachau den Verkauf ab.
  • Kreistagsentscheid Oktober 2004: Kreiskrankenhaus Gifhorn (96%)
    4% verbleiben beim Kreis Gifhorn.
    Klinik-MitarbeiterInnen veranstalteten im Oktober 2004 einen Protestmarsch.
  • Stadtratsentscheid Oktober 2004: Städtisches Krankenhaus Wittingen (96%)
    Die Stadt Wittingen behält 4% der Anteile.
  • April 2005: Die Altmühltalklinik Kipfenberg geht an die Klinik Kipfenberg GmbH über, die Rhön gehört. Im Donaukurier 5.4.05 heißt es: Die Immobilie Altmühltalklinik Kipfenberg wird Eigentum der Besitzgesellschaft Altmühltalklinik Leasing-GmbH, an der der Landkreis 49 Prozent und die Rhön Klinikum AG 51 Prozent hält. Dieser Besitzgesellschaft gehörten bisher schon Grundstück und Bauten der Neurochirurgischen und Neurologischen Fachklinik. Betreibergesellschaft aber wird die Klinik Kipfenberg GmbH. Die Umsetzung der neuen Lösung soll, so Schlosser, "schnellstmöglich" erfolgen. Die Empfehlung des Kreisausschusses an den Kreistag fiel einstimmig.
    [Eine Aufteilung in Besitz- und Betreibergesellschaft gibt es öfters. Wer mag den wirtschaftlichen Hintergrund genauer erklären?]
  • Mit der Unterzeichnung und notariellen Beurkundung des Kaufvertrages übernimmt die Rhön-Klinikum AG die Heinz-Kalk-Krankenhaus GmbH & Co. KG zum 1. Januar 2006. Das Kartellamt hat dem Zusammenschluss zugestimmt. (Pressemitteilung Rhön 9.8.05)
    Über die Konditionen wurde nichts bekannt gegeben.
    (Der Aktionär)
  • Zum 1. Oktober 2005: Frankenwaldklinik Kronach gGmbH an Rhön übergeben

Quellen

Siehe auch

Betriebsgruppen

Persönliche Werkzeuge