Organizing

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Organizing meint das aktive Anwerben von Gewerkschaftsmitgliedern durch professionell geschulte Werber. (Wildcat 78)


Detlef Wetzel u.a.: Organizing - Die mitgliederorientierte Offensivstrategie für die IG Metall (ohne Datum):

Organizing-Kampagnenführung in 10 Schritten

Um Kampagnen und Konflikte angehen zu können, bedarf es einer soliden Planung. Die folgenden 10 Schritte können als ein Leitfaden zur Orientierung dienen:

  1. Auswahl von Betrieben oder Unternehmen entlang strategischer Kriterien.
  2. Recherchearbeiten zu dem oder den Unternehmen.
  3. Kontaktaufnahme mit den Beschäftigten: Haben wir bereits Mitglieder, die wir ansprechen können? Finden wir einen Kern von Leuten, die bereit sind, sich zu engagieren?
  4. Ressourcenbedarf ermitteln, Einsatzplanung und Prioritätensetzung.
  5. Wahl eines Betriebsrates und Gründung eines Organizing-Komitees(Vertrauensleute) zur Unterstützung.
  6. Betriebliche Präsenz aufbauen. „Heiße“ Themen finden und Meinungsführer identifizieren (Kartierung/Betriebsplan).
  7. Meinungsführer gewinnen und die Belegschaft aktiv einbeziehen. Aktive Mitgliederwerbung starten.
  8. Tragfähige und durchsetzbare Forderungen aufstellen, Aktivierung und Konflikteskalation.
  9. Den Erfolg auswerten und feiern. Den Fokus auf die Bildung von langfristigen betrieblichen Strukturen legen. Ehrenamtliche qualifizieren und aufbauen.
  10. Übergang zu einer weniger intensiven Regelbetreuung.


Aus einem Interview in Wildcat 80 mit einem "Organizer" bei ver.di Hamburg, Winter 2007/08:

... Verdi hat seit einiger Zeit einen Einstellungsstopp. Deshalb haben wir keinen Arbeitsvertrag mit Verdi bekommen, sondern einen Werkvertrag mit der Tochterfirma "ver.di-innotec". Wie ich gehört habe, war der BR der Verdi-Beschäftigten gegen diese Konstruktion, weil sie die Arbeitsbedingungen der Gewerkschaftsangestellten grundsätzlich angreift; aber was sollten wir machen? ...

Jeder hat eine Tabelle über "seine" Stammkontakte geführt. ... Jeder Kontakt wird in die Liste eingetragen und bewertet. "1" hieß, das ist ein "Top-Leader", der ist hoch motiviert, selbstständig und kann Leute mitreißen, eine Art Alpha-Tier. "2er" sind Leute, die zwar zuverlässig sind, aber nicht die Führungsqualität haben. Ab "3" wurde es für uns eher uninteressant. Und "5" sind Leute, die aktiv gegen uns arbeiten, auf Seiten des Unternehmens sind. Ziel war natürlich, das Ranking ständig zu verbessern, aus einem "2er" einen "1er" zu machen. Es kam auch vor, dass Leute runter gerutscht sind, dann musstest du dem Team erklären, wieso ein "2er", der immer regelmäßig gekommen war, auf einmal weggeblieben ist. ...

[Beispiel:] Konflikt bei der S-Bahnwache: Wegen der Streichung von Zuschlägen haben wir Sachen gemacht, die nicht dem üblichen Gewerkschaftsrepertoire entsprachen, also etwa Flugblätter in der S-Bahn verteilen, was man so eigentlich nicht machen darf und die bei dem Arbeitgeber zu großer Verstimmung gegenüber Verdi geführt haben. Danach mussten wir alles, Flyer oder das weitere Vorgehen, von oben absegnen lassen. ...


Siehe auch