Novamed: Solidaritätsaufruf

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Bei Novamed in Antalya (Türkei), einer Tochterfirma von Fresenius Medical Care, befinden sich Arbeiterinnen seit dem 26. September 2006 im Streik.

Am 25.9.07 veröffentlichte LabourNet ein Schreiben von Sevgi Göyçe, Gewerkschaftssekretärin des Gewerkschaftsverbandes KESK (Kamu Emekçileri Sendikaları Konfederasyonu) vom 12.09.2007 in Englisch.

Dies ist eine nicht authorisierte Übersetzung des Schreibens von Sevgi Göyçe aus dem Englischen.

Laut einem Wiki-Eintrag vom 30.9.07 hat Fresenius den Behauptungen der Gewerkschaft widersprochen.


Aufruf zur Solidarität - Unterstützt die in Antalya, Türkei, streikenden Fresenius-Arbeiterinnen

Liebe Schwestern,

Ihr habt vielleicht vom Streik bei Novamed in der Türkei/Antalya gehört. Novamed ist eine der Fabriken von Fresenius Medical Care Deutschland. Sämtliche ArbeiterInnen, die sich im Streik befinden, sind Frauen. Ihre Arbeitsbedingungen sind schlecht und werden von Männern bestimmt/sind patriarchal. Zum Beispiel: Die Arbeiterinnen müssen um Erlaubnis bitten, um heiraten zu dürfen. Verheiratete Frauen werden angehalten, Schwangerschaften und Geburten mit den Plänen der Geschäftsführung abzustimmen. Die Arbeiterinnen werden von den Geschäftsführern häufig gedemütigt, weil sie Frauen sind. Anbei findet ihr genauere Informationen der Gewerkschaft Petrol-Is.

Ende September wird der Streik 1 Jahr dauern. Eine Gruppe von Frauen (Arbeiterinnen und Gewerkschaftvertreterinnen, Feministinnen und Vertreterinnen politischer Parteien) werden dazu eine Kampagne in Istanbul starten. Zum Abschluss, am 27. September 2007, wird es eine Kundgebung zur Unterstützung unserer Schwestern in Antalya geben. Deshalb bitten wir euch dringend um Unterstützung unserer Kampagne. Eure Unterstützung ist sehr wichtig für uns. Ihr könnt diese Information in euren Zeitschriften und auf euren Internetseiten veröffentlichen. Petrol-Is hat bereits internationale Kontakte zu europäischen Gewerkschaften aufgebaut.

In Solidarität,
Sevgi Göyçe KESK Woman Secretary, 12. September 2007


UNTERSTÜTZT DIE IN ANTALYA, TÜRKEI, STREIKENDEN FRESENIUS-ARBEITERINNEN

Der Streik bei der Novamed GmbH in der Freihandelszone Antalya, Türkei, begann am 26. September 2006 durch bei Petrol-Is organisierte Arbeiterinnen und dauert an.

Dieser Streik zeichnet sich durch zwei Eigenschaften aus:

  • Es ist der bisher erste Streik in einer Freihandelszone der Türkei.
  • Es ist ein Streik gegen ein multinationales Unternehmen, Fresenius Medical Care mit Sitz in Deutschland, dessen Tochterunternehmen die Novamed GmbH in Antalya, Türkei, ist.

Wer ist Fresenius Medical Care?

Fresenius Medical Care (FMC) mit Sitz in Deutschland ist der weltweit größte Hersteller von Produkten und Dienstleistungen für Menschen mit chronischen Nierenleiden. Mit seinem Netzwerk von etwa 2.078 Dialyse-Kliniken in Nordamerika, Europa, Lateinamerika und in Asien/Pazifik ermöglicht FMC Dialyse-Behandlungen für ungefähr 161.675 PatientInnen rund um den Globus. Fresenius Medical Care ist außerdem der weltweit größte Anbieter von Dialyse-Produkten wie Hämodialysemaschinen, Dialysatoren und entsprechendes Verbrauchsmaterial (zum Beispiel Schlauchsysteme).

Fresenius Medical Care in der Türkei

Fresenius Medical Care ist seit 1996 in der Türkei aktiv. Die Türkei ist eines von wenigen Ländern, in denen sowohl Dialyse-Behandlungen angeboten als auch Dialyse-Produkte gefertigt und vertrieben werden.

Seit dem Jahr 2000, werden bei der Novamed GmbH, einem der Betriebe von Fresenius Medical Care in der Türkei, Antalya, Schlauchsysteme hergestellt (ungefähr 8.000.000 pro Jahr). Im selben Betrieb erden Sterilisation, Qualitätskontrolle und Tests durchgeführt. Rund 300 ArbeiterInnen arbeiten bei Novamed.

Fresenius-ArbeiterInnen organisieren sich in Petrol-Is

Die Gewerkschaft Petrol-Is begann ihre Organisierungsarbeit im März 2005. Die Arbeitsbedingungen waren damals folgende:

  • Während des Arbeitstages gab es eine 15-minütige Kaffeepause und eine 25-minütige Mittagspause. Eine vernünftige Essensversorgung gab es nicht.
  • Gespräche unter den ArbeiterInnen während der Arbeitszeit und sogar in den Fahrzeugen, die die ArbeiterInnen zu den Arbeitsplätzen bringen (Shuttles), waren verboten.
  • Da die Zahl der Shuttles begrenzt war, verbrachten einige ArbeiterInnen drei bis vier Stunden täglich mit Pendeln.
  • Während der Kaffee- und Mittagspausen war Rauchen verboten. Die Kontrolle dieses Verbots ging so weit, dass ArbeiterInnen bei ihrer Rückkehr zum Arbeitsplatz von einigen Geschäftsführern und Bereichsleitern berochen wurden.
  • Die ArbeiterInnen wurden nicht als menschliche Wesen angesehen, sondern als Teile des Produktionssystems. Sie wurden von den Geschäftsführern des Unternehmens permanent beschimpft.
  • Während der Arbeitswoche und an Arbeitstagen waren den ArbeiterInnen Besuche Zuhause verboten.
  • Die weiblichen ArbeiterInnen mussten die Erlaubnis zu Heiraten einholen.
  • Verheiratete Frauen wurden angehalten, Schwangerschaften und Geburten mit den Plänen der Geschäftsführung abzustimmen.

Nachdem die Organisierungsarbeit unserer Gewerkschaft, Petrol-Is, begann, wurden diese inhumanen Praktiken eingedämmt. Die Repressionen der Geschäftsführung gingen jedoch in bemäntelter Form weiter.

Die Geschäftsführung verweigerte die Anerkennung der Gewerkschaft im Betrieb und startete systematische anti-gewerkschaftliche Aktivitäten, um Mitglieder von Petrol-Is zum Austritt aus der Gewerkschaft zu nötigen.

Es gelang Petrol-Is, alle diese Schwierigkeiten und anti-gewerkschaftlichen Repressionen durchzustehen - insbesondere durch die Solidarität der deutschen Gewerkschaft der Chemie-ArbeiterInnen, IG BCE.

Petrol-Is am Verhandlungstisch

Ausgestattet mit der legalen Vollmacht zu Tarifverhandlungen und zum Abschluss von Tarifverträgen, nahm Petrol-Is am 19. April 2006 Verhandlungen mit der Geschäftsführung von Novamed auf. Aufgrund der starrsinnigen Einstellung des Fresenius-Novamed Managements war es jedoch ziemlich schwer, eine Einigung zu erzielen.

Während der gesamten Verhandlungsdauer betrieb die Geschäftsführung ihre anti-gewerkschaftliche Repression weiter. Den ArbeiterInnen wurde außerdem mit einer Verlegung des Betriebs in ein anderes Land gedroht.

Zwischenzeitlich stellte die Geschäftsführung 50-60 weitere ArbeiterInnen ein, um sie als StreikbrecherInnen in einen möglichen zukünftigen Streik einsetzen zu können.

Im Ergebnis der oben erwähnten starrsinnigen Einstellung der Fresenius- und Novamed-Vertreter traten die Novamed-ArbeiterInnen in Antalya am 26. September 2006 in einen Streik für anständige Arbeits- und Lebensbedingungen.

Wir fragen das Fresenius-Management

  • Fresenius Medical Care schließt in anderen Ländern mit Gewerkschaften Tarifverträge ab. Weshalb nicht in der Türkei?
  • Sind die Freihandelszonen in der Türkei Orte, an denen ArbeiterInnen wie Sklaven behandelt werden können?

Novamed-ArbeiterInnen von Petrol-Is streiken für anständige Arbeits- und Lebensbedingungen.
Novamed-ArbeiterInnen fordern ihre Rechte.
Unterstützt den gerechten Streik der Fresenius/Novamed-ArbeiterInnen!

Wir rufen alle anständigen Menschen dazu auf, Solidaritätsschreiben zu senden an:

Herrn Adil Alaybeyoglu
Lokaler Gewerschaftssekretär von Petrol-Is
mersin[at]petrol-is.org.tr

Wir rufen alle anständigen Menschen dazu auf, Protestschreiben zu senden an folgende Fresenius-Repräsentanten:

Dr. Emanuele Gatti
FMC Vorstand für die Regionen Europa, Lateinamerika, Nahost und Afrika
emanuele.gatti[at]fmc-ag.com

Dr. Massimo Fini
Geschäftsführer
massimo.fini[at]fmc-ag.com

Herr Antonio Raffa
Leiter Logistik und internationale Produktion
Fresenius Medical Care
Antonio.Raffa[at]fmc-ag.com


Hinweis

Es ist damit zu rechnen, dass bei der Übersetzung vom Türkischen aus dem Englischen inhaltliche Verluste eingetreten sind. Weitere Verluste entstehen bei der Übersetzung vom Englischen ins Deutsche.

Wer von der KESK-Homepage und der Homepage der zuständigen Gewerkschaft Petrol-Is direkt ins Deutsche übersetzen kann, wird um Hilfe gebeten. (Direkt in dieses Wiki schreiben oder E-Mail an info[at]ungesundleben.org schicken.)


Siehe auch

Persönliche Werkzeuge