Interview mit der unabhängigen Betriebsgruppe AmperKliniken

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Stand 1. August 2011
Kurzlink auf diese Seite: http://www.ungesundleben.de/interview_bgak


Am vorletzten Juliwochenende 2011 erschienen in der kommerziellen Presse zwei Artikel über die Pflegesituation in den Dachauer Amper Kliniken, die zur Rhön AG gehören. Anlass für beide Artikel war anscheinend die öffentliche Kritik der unabhängigen Betriebsgruppe im Klinikum.


Ungesundleben: Es kommt nicht oft vor, dass eine unabhängige Betriebsgruppe in kommerziellen Medien erwähnt wird. Das würde ich erstmal als Fortschritt ansehen. Nur leider wird eure Sicht in den Artikeln sehr marginal dargestellt. Indirekt kann man entnehmen, dass ihr in einem offenen Brief von “Notstand” sprecht. Stimmt das? Wo ist der offene Brief, wann habt ihr ihn geschrieben und an wen war er gerichtet?

Betriebsgruppe: Einen offenen Brief hat es nie gegeben. Wir haben in der besagten Woche, am 21.7., eine Pressemitteilung mit der Forderung, wegen akutem Personalmangel Betten zu sperren, veröffentlicht. Grund war ein akuter Engpass in Bereichen der Pflege. Auf drei Stationen konnten krankheitsbedingt Dienste nicht mehr voll besetzt werden, so wurde mehrere Tage mit weniger Personal die gleiche Anzahl PatientInnen versorgt. Das hatte zur Folge, dass zusätzlich zur allgemeinen Belastungssituation auf den betroffen Stationen die Nerven mehr als blank lagen. Die ärztliche Leitung erteilte dem Vorschlag, vorübergehend Betten zu sperren, eine klare Absage. Gerade das war aber ein zentrales Anliegen unter den KollegInnen. Daher entschlossen wir der Forderung öffentlich Nachdruck zu verleihen. Gerichtet war diese an die neue Klinikleitung, die ärztliche Leitung und die PDL [Pflegedienstleitung]. Es muss erwähnt werden, dass im vergangenen halben Jahr viele Kliniken im Umkreis München bzw. Freising und Fürstenfeldbruck für ein bis zwei Tage Maßnahmen wie generellen Aufnahmestopp ergriffen. Es handelt sich hier also keineswegs um eine „abwegige“ Forderung. Allerdings kommt das eigentliche Anliegen in der Berichterstattung beider Zeitungen überhaupt nicht rüber.
Zufälligerweise wurden in der Woche nach den Artikeln auf einer Station 15 Betten wegen Personalmangel bis zum 12. September gesperrt.


Ungesundleben: Soweit ich das verstanden habe, funktioniert Öffentlichkeit in unserer Demokratie so: Geschäftsleitungen veröffentlichen in Pressemitteilungen und anderweitigen von ihnen herausgegebenen Publikationen ihre Sicht der Dinge; Gewerkschaften oder Beschäftigte direkt veröffentlichen in ihren Publikationen ihre Sicht der Dinge; die professionelle Presse ist dann u.a. dafür zuständig, die Dinge unter die Lupe zu nehmen und über die divergenten Sichten der Dinge zu berichten. Seriöse Journalist*innen fragen dazu bei den Beteiligten deren Sicht der Dinge nach und geben Gelegenheit zur Stellungnahme. Wurdet ihr vor Veröffentlichung der Artikel von den Autoren Wolfgang Eitler und Thomas Leichsenring kontaktiert? – Leicht zu finden seid ihr ja: wenn man z.B. in Google “Amper Kliniken” eingibt, erscheint ihr auf den oberen Plätzen.

Betriebsgruppe: Die SZ hat sich erst über 24 Stunden später gemeldet und niemanden mehr erreicht. Mit dem Journalisten der Dachauer Nachrichten gab es ein ausführliches Gespräch über die Situation, nicht nur der Pflege, sondern auch über die KollegInnen vom Service, unsere Entlohnung, die deutlich unterhalb der des TvöD liegt, und das grundsätzliche Anliegen und Wesen eines Krankenhauses als Konzern. Alles was wir seit Jahren kritisieren und worüber es auch ausreichend Material von uns gibt. Nichts von alledem ist letztendlich für den Artikel verwendet worden. Herausgekommen ist dann ein realitätsferner Bericht über uns als profilierungssüchtige Minderheit.


Ungesundleben: Im DN-Artikel wird der Vorstandsvorsitzende der Amper Kliniken AG, Schröter, zitiert mit den Worten:“Die Mitarbeiter wissen am besten, was gut ist.” Ihr als Mitarbeiter*innen habt es für gut befunden, an die Öffentlichkeit zu gehen, was er anscheinend gar nicht gut fand, obgleich ihr Mitarbeiter*innen seid. Es gebe regelmäßig “Gespräche mit allen Beteiligten”, heißt es. Verlaufen diese Gespräche nicht zu eurer Zufriedenheit?

Betriebsgruppe: Seit Schröters Antritt Anfang Juni gibt es wohl Gespräche mit den Stationsleitungen und dem Betriebsrat. So etwas gab es in der Form unter der alten Führung von Uwe Schmid nicht. Im Jahr 2008/09 gab es mal einen so genannten „Gesprächskreis Pflege“ mit KollegInnen aus fast allen Abteilungen. Keine Leitungen. Bei den monatlichen Treffen wurde eine Reihe konstruktiver Vorschläge erarbeitet, die aber allesamt vom Vorstand abgelehnt wurden. Das war die Vorgehensweise der alten Geschäftsführung. Man konnte nach außen sagen: Da schaut's, wir reden mit diesen Schwestern und tun so als würden wir sie ernst nehmen, aber ändern werden wir nix.
Die aktuellen Gespräche laufen wie gesagt nur mit Stationsleitungen. Im Artikel wird die Aussage getroffen, man sei „seit Wochen“ dabei „die Pflege zu entlasten“. Sorry, aber davon merkt man nichts!
Aus unserer Erfahrung heraus betrachten wir diese Gespräche abwartend, ohne Euphorie.


Ungesundleben: Laut DN sagt Schröter, dass die Mitarbeiter*innen keine “Nachteile befürchten” brauchen, wenn sie sich äußern.Wieso ist das so unselbstverständlich, dass er das sagen muss?

Betriebsgruppe: Könnte mit dem alten Vorstandsvorsitzenden Uwe Schmid zusammenhängen. Der war reaktionär bis ins Mark. An ihm sind sämtliche Errungenschaften der ArbeiterInnenschaft, wie Gewerkschaften, 8 Stunden-Tag oder auch das Recht auf freie Meinungsäußerung, vorbei gegangen. Seine Führung der „harten Hand“ hat ihm einen überregionalen Ruf beschert, aus den MitarbeiterInnen das Letzte raus zu pressen. Und sollten sie sich darüber beschweren gibt’s eins auf den Deckel – aber richtig, damit man weiß, wer hier das sagen hat, und sowas nicht nochmal versucht wird. Dieser Umstand dürfte Schröter wohl bekannt sein. Der scheint clever zu sein, gibt sich gesprächsbereit und verständnisvoll. Aber auch, wenn er noch so beteuert, dass uns „keine Nachteile“ entstehen würden, hätte ein solches Gespräch sicherlich mehr Vorteile für ihn.


Ungesundleben: Vor einigen Jahren hat sich der Kreistag des Landkreises Dachau auf eure Initiative hin mit der Frage gefährlicher Pflege in den Amper Kliniken befasst, wobei euch der damalige Betriebsrat anscheinend nachträglich Rückendeckung gab. Ich stelle mir vor, dass ein Betriebsrat im Fall gefährlicher Pflege eigentlich immer die zuständige Volksvertretung einschalten müsste, denn einerseits ist eine angemessene medizinische Versorgung eine öffentliche Aufgabe und andererseits ist es kein “betriebsinternes” Problem, wenn Nicht-Betriebsangehörige, sprich: Patienten, gefährdet werden. Auch, wenn es gelänge, die gefährliche Pflege betriebsintern schnell genug abzustellen, sollten doch wohl die zuständigen Volksvertretungen informiert sein, was da vor sich geht und was da im Rahmen des Möglichen liegt. Wieso hat sich in eurem Fall nicht der Betriebsrat an den Kreistag gewandt, sondern ihr als “normale” Mitarbeiter*innen?

Betriebsgruppe: Hier werden anscheinend ein paar Dinge vermischt. Deshalb der Reihe nach. 2007 gab es eine mehrere Monate andauernde, von uns mit angestoßene öffentliche Debatte über den Personalmangel und den hohen Arbeitsaufwand an den Amper Kliniken. Der Betriebsrat sowie Dominik Schirmer, Funktionär der ver.di, haben sich hinter die Proteste gestellt als klar wurde, dass das nicht nur ein kurzes Strohfeuer ist. Vorstand Schmid musste auch im Kreistag Stellung beziehen, da der Landkreis Dachau damals noch 25,1% der Anteile hielt (heute nur noch 5%). Das Resultat in Hinsicht auf die Arbeitsbedingungen war gleich null. Wir als Gruppe konnten seither aber offener agieren bzw. mittlerweile offen im Betrieb auftreten, ohne gleich mit den zuvor erfahrenen Repressalien überzogen zu werden.
Mit dem Begriff „gefährliche Pflege“ gehen wir eher vorsichtig um. Auf jeden Fall ist der Zustand mit wenig Personal oft als fahrlässig zu bezeichnen. Eine direkte Gefährdung versuchen wir natürlich auszuschließen. Klar ist aber, dass wenn laufend am Limit und nicht „nur“ unter Stress gearbeitet wird, die Wahrscheinlichkeit, dass Mist passiert, um einiges höher liegt. Dagegen versuchen wir anzugehen. Aber es reicht unserer Ansicht nach nicht, lediglich Überlastungsanzeigen auszufüllen. Bezüglich des Kreistags: Warum der Betriebsrat sich nicht an diesen wendet, wissen wir nicht, weil wir nicht der Betriebsrat sind. Es gab im August 2010 einen weiteren Vorfall, als Schmid im Kreistag berichten wollte, dass die Arbeitsabläufe in der Pflege und im Service „optimiert“ worden wären und so freie Kapazitäten für eine „noch bessere Versorgung“ entstehen würden. Tatsache war, dass, wie heute, nahezu alle Stationen unterbesetzt waren. Es wurde faktisch keine Änderung vorgenommen. Eine Politikerin der Grünen hat sich an uns gewandt, worauf wir ihr die uns bekannten Zahlen – Anzahl der Betten der einzelnen Stationen, dort fehlende Stellen, pflegerischer Aufwand und Zahl der LeiharbeiterInnen – zukommen ließen. Schmid wurde ziemlich blamiert, und das Ganze hat es auf die Titelseite der Dachauer SZ geschafft. Bemerkenswert daran ist, dass es für JournalistInnen glaubwürdig ist, wenn eine Politikerin das vertritt, gestützt auf unsere Angaben. Wenn wir es von uns aus ohne Umwege ansprechen, scheinbar nicht.


Ungesundleben: Konnte der Kreistag etwas unternehmen? Was ist aus der Sache geworden?

Betriebsgruppe: Na wie immer, nix halt.


Ungesundleben: Laut SZ-DAH behaupten sowohl der Betriebsratsvorsitzende Möbs als auch Vorstandsvorsitzender Schröter, eure Vorwürfe träfen nicht zu. In demselben Artikel heißt es dann, es gebe “Pflege-Engpässe” und “Überforderung” der Mitarbeiter*innen – jedoch nur “punktuell” und “partiell”. Was meint ihr dazu: Bestehen “Pflege-Engpässe” und “Überforderung” eher “punktuell” und “partiell” oder eher “flächig” und “global”?

Betriebsgruppe: Natürlich ist das bundesweit ein Problem. Da wird in den Artikeln ja enormer Aufwand betrieben, um das zu untermauern. Das ändert aber die Situation bei uns vor Ort in keinster Weise. Generell kann man sagen, dass die Akut-Stationen alle auf einem ähnlich geringen personellen Level fahren. Kommt es dann zu Ausfällen, ist das Fiasko perfekt. Überforderung ist eine individuelle Sache, die sich bei den Leuten in verschiedenerlei Art äußert. Die einen rasten aus, andere fangen an zu weinen, andere bekommen einen „Tunnelblick“. Das haben doch alle schon mal beobachten können. Viele junge KollegInnen suchen sich eine neue Stelle, wo die Bedingungen und die Bezahlung nicht ganz so beschissen sind.
Diese Reaktionen sind doch nachvollziehbar. Was sollen denn die KollegInnen für eine Konsequenz daraus ziehen, wenn sie sehen, dass über all die Jahre keine Änderung geschieht? Das große Manko ist natürlich, dass fast niemand mehr die Kraft, Hoffnung oder auch Lust hat, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und für unsere Belange einzutreten. Es ist einfach nur bitter zu sehen wie manche KollegInnen durch den Druck auf Dauer psychisch und physisch bankrott gehen.


Ungesundleben: Hat sich in den letzten Jahren nicht auch etwas verbessert? In den Artikeln werden als Verbesserungen genannt: Servicekräfte für pflegefremde Tätigkeiten, Stationssekretärinnen, Arzthelferinnen, Kinderbetreuung ...

Betriebsgruppe: Kinderbetreuung in den Ferien gibt es erst seit diesen Ferien und auf Initiative des Betriebsrats. Das ist mal was Positives. Arzthelferinnen sind im Leitstand der Notaufnahme und eine auf der IMC (Überwachungsstation).
Das Service Personal wurde 2007 eingeführt, finanziert durch Stellenstreichungen in der Pflege. Die moderne Bezeichnung für die Art ihrer Beschäftigung ist wohl „prekär“. Sie sind bei der KDI Service GmbH, einer Tochtergesellschaft der Amper Kliniken, angestellt, um eine Bindung an den Haustarifvertrag der AG zu umgehen. Sie bekommen höchstens eine 75% Stelle mit Befristung, erhalten weder Wochenend- noch Feiertagszuschläge und haben vielfach Zweitjobs.
Und Stationsassistentinnen gibt es nicht!! Die Wiedereinführung dieser Berufsgruppe ist seit 3 Monaten im Gespräch, aber das war's dann auch. In den Artikeln wird dann die Frechheit besessen, das als bereits existent zu wähnen. Das ist echt grotesk. In einem Schreiben von Vorstand Schröter an alle MitarbeiterInnen vom 29. Juli wird die Absicht, Stationsassistentinnen einzustellen, sowie die Einführung eines Fahrdienstes offiziell bekannt gegeben.


Ungesundleben: Entschuldigt werden die Missstände u.a. mit einem Mangel an qualifizierten Pflegekräften. Eine Zahl von 1000 unbesetzten Pflegestellen an bayerischen Krankenhäusern wird genannt. Laut statistischem Landesamt gibt es in Bayern rund 46 000 Vollzeitstellen im Pflegedienst von Krankenhäusern. Um die Zahl 1000 beurteilen zu können, müsste man wissen, wie lange die Stellen unbesesetzt bleiben. Denn wenn sie im Schnitt nur kurzfristig unbesetzt bleiben, etwa ein viertel Jahr lang, dann wären sie eher Ausdruck von Umstrukturierungen als von Fachkräftemangel. Zusätzlich müsste man wissen, wie viele Pflegekräfte in Bayern Stellen suchen. Zu diesen Dingen steht in den Artikeln leider nichts. Davon zu unterscheiden ist die Frage: Wie viele Pflegekräfte fehlen tatsächlich? Denn es könnte ja sein, dass viel mehr als die 1000 offiziell freien Stellen besetzt werden müssten, um eine angemessene Pflege gewährleisten zu können. Wenn ich mal weiter rechne: Die 46 000 rechnerischen Vollzeitkräfte behandeln laut statistischem Landesamt über 2,5 Millionen Patient*innen jährlich, was rund 550 Patient*innen pro Pflegekraft und Jahr entspricht bzw. rund 45 Patient*innen pro Pflegekraft und Monat bzw. rund 1,5 Patient*innen pro Pflegekraft und Tag – eine Zahl, die mir nicht allzu hoch erscheint. Wie schätzt ihr das ein? Mit wie vielen Patient*innen habt ihr tatsächlich zu tun und wie viel Arbeit machen die konkret?

Betriebsgruppe: Das ist schwierig allgemein zu beantworten, aber wir wollen's mal versuchen. Das Klinikum Dachau, ohne die Reha in Markt Indersdorf, hat 416 Betten. Es gibt im Akutbereich Stationen mit 30, 32, 44 und 47 Betten, die dann aufgeteilt werden in je nachdem 2 bzw. 3 Pflegegruppen. Jede Pflegegruppe wird von einer examinierten Schwester versorgt. Manchenorts im Frühdienst mit einer angelernten Hilfskraft oder einer Krankenpflegeschülerin, anderenorts auch völlig allein, werden im Schnitt 15 PatientInnen versorgt. Diese sind oft schwer pflegebedürftig. Genau lässt sich das schwer sagen. Aber es sind in der Regel mindestens ein Viertel, sehr oft aber ein Drittel schwerst pflegebedürftig. Hier sind Menschen, die eine nur geringe Unterstützung benötigen, nicht einbezogen. Ebenfalls nicht berücksichtigt ist hier, dass oft vier Leute in einem Dreibett-Zimmer untergebracht werden.


Ungesundleben: Ich habe eben mal nachgesehen auf der Homepage der Amper Kliniken nach offenen Stellen. Dort werden Stellen für Pflegekräfte angeboten. Wisst ihr vielleicht, wie viele Pflegekräfte gesucht werden? Seltsamerweise steht in den Artikeln dazu nichts. Wenn sie händeringend suchen, dann hätte doch ein “zur Zeit suchen die Amper Kliniken 100 Pflegekräfte” oder so die Erklärung der (eher punktuellen oder eher flächigen) Missstände mit einem Mangel an qualifizierten Pflegekräften stützen können?

Betriebsgruppe: Die Blöße wird sich nicht gegeben. Ehrlich gesagt wissen wir nicht wie viele Stellen gesucht werden. Es gibt im Haus 13 Stationen, davon 9 Akutstationen, eine Neugeborenenstation, eine „Low care“ (Station mit ausschließlich Selbstversorgenden, nicht rund um die Uhr besetzt), eine Intensiv und die Wache, die IMC. Von diesen Bereichen wissen wir nur von zweien, dass sie voll besetzt sind. Offene Stellen belaufen sich von 1,5 bis 5 Planstellen (Vollzeit). Wobei bereits die Planstellen unseres Erachtens zu gering angesetzt sind. Nicht inbegriffen sind hier die Notaufnahme, die eher gut besetzt sein muss, oder sollte, und der Bereich OP/Anästhesie, zu dem wir mangels Kenntnis keine Angaben mache können.


Ungesundleben: Eine weitere Art von Entschuldigung für die Missstände fand ich ganz putzig: laut DN meint der Betriebsratsvorsitzende Möbs:“Das ist ... nichts Neues und überall in Deutschland so.” Wird ein Notstand weniger kritikwürdig, wenn er lange währt und um sich greift?

Betriebsgruppe: Scheint so. Für uns Beschäftigte wird der Zustand definitiv zur Normalität.


Ungesundleben: Und noch eine weitere Entschuldigung wird vorgebracht: die “moderne Medizin” stelle “zunehmende Anforderungen” an die Pflegekräfte. Da stelle ich mir vor: alle Nase lang kommen bei euch neue Medizingeräte rein und ihr müsst die Bedienung lernen.Ist das so bzw. sind es vor allem medizinische Neuerungen, die zunehmende Anforderungen an euch stellen?

Betriebsgruppe: Wenn unter „moderner Medizin“ verstanden wird, einen schnelleren Durchlauf von jährlich mehr PatientInnen zu haben, dass die Arbeitsverdichtung und damit verbunden das Tempo immer mehr zunimmt: Ja.


Ungesundleben: Nun habt ihr viele Antworten gegeben. Aber ich glaub euch sowieso nicht, weil ihr “linksgerichtet” seid. Dies scheint mir im Artikel der DN die angestrebte Wirkung dieser Kennzeichnung zu sein. Möchtet ihr denen, auf die “linksgerichtet” so wirkt, vielleicht etwas sagen?

Betriebsgruppe: Für ein konservatives Blatt wie den Merkur, also die Dachauer Nachrichten, soll das von ihnen gewählte Attribut mit Sicherheit diffamierend wirken. Sowas ist eigentlich nur als unseriöser Schmierjournalismus auf Bild Zeitungs-Niveau zu bezeichnen. Wir sind ein selbstorganisierter Zusammenschluss von KollegInnen, unabhängig von Gewerkschaften und Parteien. Wir handeln unmittelbar aus der eigenen Situation heraus und sind nicht an vermeintlich höhere Interessen, wie das „Wohl des Unternehmens“ oder die „Sozialpartnerschaft“ gebunden. Ebenso hatten wir nie die Absicht, uns als Gruppe zu profilieren, was letztlich in klassische Politikmacherei mündet. Wir sind keine Stellvertreterinnen. Wenn wir etwas erreichen wollen, dann nur für ALLE. Das heißt primär: Selbstbewusstsein fördern; zu zeigen, dass wir uns wehren können, dass es nur was bringt, wenn wir solidarisch sind und das gemeinsam tun.
Protestieren Menschen direkt gegen irgend so einen dämlichen Bahnhof oder gegen Atomkraft, ist es für Medien was ganz Positives. Wenn wir es als Beschäftigte machen, ist es linksgerichtet. Das können wir nicht ernst nehmen. Was wir ernst nehmen, sind die Bedürfnisse unserer KollegInnen. Das hat für uns oberste Priorität.



Siehe auch