Diskussion:Betriebsgruppe AmperKliniken

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Liberalismus, Neoliberalismus und Manchesterismus (10.4.07)

Man darf nicht Äpfel mit Birnen verwechseln. Die Amperkliniken sind nicht die Rhön AG. Rhön ist sicher nicht der angenehmste Arbeitgeber, aber der Yorstand der Amperkliniken hat ein anderes Kaliber.

Bei den Wirtschaftsideologien unterscheidet man zwischen Liberalismus, Neoliberalismus und Manchesterismus.

Liberalismus ist der ursprünglich im Zuge der Aufklärung und Industrialisierung aufkommende Wunsch nach Demokratie, Menschenrechten und freier Wirtschaft. Die staatliche Macht, die bis dahin das öffentliche und private Leben regulierte, sollte zu Gunsten größerer Eigenständigkeit des Einzelnen zurückgefahren werden. Der Liberalismus ist der Grundgedanke jeder modernen Demokratie, allerdings ist er unvollständig.

Neoliberalismus, wie er von den Ökonomen Röpke, Rüstow, Hayek, Eucken, Böhm und Miksch auf einer Konferenz in Genf im Jahre 1939 beschrieben wurde, ist die Philosophie, dass nicht nur die staatliche Macht Regularien benötige, um die Privatsphäre und das Individualitätsrecht zu gewährleisten, sondern dass auch die wirtschaftliche Macht reguliert werden müsse, um Monopolen und Ausbeuterei vorzubeugen. Es ist im Grunde die Grundphilosophie der modernen sozialen Marktwirtschaft.

Manchesterismus hingegen ist das genaue Gegenteil: Vollkommenes Laissez-Faire der großen Industrien, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Privilegiensysteme. Es ist das Ausbeutersystem schlechthin und im Grunde das Gegenteil von Liberalismus.

Fakt ist also: Die sich heute Neoliberalisten nennen, sind Manchesteristen, die den Begriff Neoliberalismus lediglich benutzen, weil er gut klingt und bei den Liberalen Stimmen fangen kann. Sie haben aber mit dem wahren, ursprünglichen Neoliberalismus nichts zu tun!

Der Vorstand der Amperkliniken ist demnach sehr Neoliberal, sogar das Paradebeispiel eines Neoliberalen.

Tarifvertrag, ver.di und Beteiligung (10.10.07)

Liebe Leute,

eure Darstellung der Situation an den AmperKliniken entspricht eurer Auffassung und Wahrnehmung der Realität. Dazu lässt sich kaum diskutieren. Auch eure Bewertungen sind eben eurem politischen und sozialen Kontext entsprechend gewählt.

Was mich stört und was ich hiermit klarstellen will, ist eure "Verniedlichung" von ver.di. Hierzu will eine definitive Klarstellung vornehmen, die mir wichtig ist.

Ihr schreibt:

"Die ver.di machte sich nach der Übernahme gleich ans Werk einen eigenen Haustarifvertrag für Dachau/Indersdorf und Pasing/Perlach auszuhandeln. Die Gegenseite versuchte neben anderen Schweinereien die 40 Stunden Woche durchzubringen, was aber nicht gelang, nicht zuletzt wieder durch Eigeninitiative. Als der Tarifvertrag dann abgeschlossen war, gab´s auch keine Mitgliederversammlung oder dergleichen. Man bekam eine Broschüre, die das Ergebnis darlegte."

Das ist aber definitiv falsch! Schon während der Verhandlungen gab es nicht nur regelmäßige Infos / Flugblätter an die Beschäftigten, auch nahm ich - als ver.di-Verhandlungsführer - an mehreren Betriebsversammlungen teil um über den schwierigen Verlauf der Tarifverhandlungen zu informieren. Hier gab es leider de facto kein Feedback an mich bzw. ver.di. Weder mündlich, noch schriftlich, noch sonstwie.

Aber wichtiger noch: Es gab auch während der Tarifverhandlungen Mitgliederversammlungen. Und vor allem gab es vor der Entscheidung, ob wir einem Tarifabschluss zustimmen wollen/können eine Mitgliederversammlung. Es war keineswegs so, dass wir verhandelt hätten und die Verhandlungsergebnisse dann in einer Broschüre veröffentlicht hätten.

Mag sein, dass ihr euch einen anderen Tarifvertrag gewünscht hättet. Allerdings haben wir von ver.di von euch während der Tarifverhandlungen nie etwas gehört. Weder positiv noch negativ.

Oder?!

Beste Grüße,

Dominik Schirmer ver.di Bayern


Spontane Klarstellung zu dem Beitrag von D. Schirmer (17.10.07)

Natürlich stammen unsere „Bewertungen“ aus einem gewissen, persönlichem politischen „Kontext“, das ist aber primär pfundswurscht, da der erwähnte „soziale Kontext“ der ausschlaggebende ist. Und der dürfte wohl ein anderer sein, als der von Herrn Schirmer. Nix für ungut, wir arbeiten halt körperlich.

Was als eine „Verniedlichung“ der ver.di bezeichnet wurde entspricht trotzdem der Realität (nicht nur unserer). Nachdem die Tarifinfos regelmäßig von der Geschäftsführung entfernt wurden, da es hieß es gäbe keine rechtliche Grundlage diese am Betriebsratsbrett anzubringen, wurde großsprurig verkündet einen verschließbaren ver.di – Kasten notfalls einzuklagen. Nix war´s. Die Infos über den Stand der Verhandlung wurden ja nicht mal von den im Haus beschäftigten KollegInnen der Tarifkommission wahrnehmbar verteilt. Es geschah mehrheitlich durch Einzelne.

Dass D. Schirmer auf Betriebsvollversammlungen gesprochen hat, wird nicht bestritten. Zu den Mitgliederversammlungen: Es gab zu Beginn und während den Verhandlungen jeweils eine Versammlung. Bei der zweiten am 30. November 05 in Dachau hat D. Schirmer Vorschlägen nach Aktion, zur Unterstützung der Forderungen, eine Absage erteilt. Am 4. Dezember 06 fand die letzte Mitgliederversammlung im DGB- Haus in München statt, wo der Mantel TV vorgestellt wurde, inklusive Aussprache darüber. Der Einladungsbrief war datiert vom 27. November! Bekommen haben ihn die Mitglieder 1- 2 Tage vor dem Termin. Da war es, bedingt durch Schichtdienst, nur den wenigsten möglich zu erscheinen. Danach standen noch einige Verhandlungstermine aus und gehört hat man bis zum Juni erstmal wieder nix. Dann erschienen die erwähnten „Heftchen“. Ab 1. Juli trat der TV in Kraft.

Es geht/ging uns auch nicht darum einen „anderen“ TV abzuschließen. Im Prinzip ist das immer nur ein mehr oder weniger fauler Kompromiss. Die aktuellen minimalen Zugeständnisse wurden nur möglich, weil die KollegInnen in Aktion getreten sind. Die Behauptung, die ver.di hätte während den Verhandlungen nichts von der Betriebsgruppe gehört stimmt so auch nicht:

Ein Mitglied der Betriebsgruppe war nämlich Mitglied der Tarifkommission. Die Person trat dort vor der gesamten Geschäftsführung zwar nicht offen als BG in Erscheinung, aber sie hat versucht Dinge einzubringen, soweit das überhaupt geht. Es wurde, gerade weil im Betrieb nur unzureichend informiert wurde, im März 06 ein Flugblatt der Betriebsgruppe im Einvernehmen bzw. mit Impressum der ver.di verteilt. Darin wurde in Kürze der Verhandlungsstand wider gegeben. Als dieses dann von Geschäftsführung und einem Mitglied des Betriebsrats(gleichzeitig auch in der Tarifkommission!!!)gemeinsam eingesammelt wurde und mit Unterlassungsklage gedroht wurde, war die kämpferische Stimmung auf einmal nicht mehr da. Und die, von denen nix mehr zu hören war, was konkret der Vorwurf ist, ob Anzeige erstattet wurde usw. : Das war die ver.di! Ab diesem Zeitpunkt bezeichnete sich die BG wieder als „unabhängig“.

Es soll hiermit nicht um eine „Schelte“ gegen D. Schirmer persönlich gehen, aber er hat sich jetzt mehrfach zum Konflikt geäußert und möchte, was ja sein gutes Recht ist, die ver.di repräsentieren. Die restlichen Mitglieder der (Dachauer) Tarifkommission, die ja direkt im Betrieb arbeiten, haben sich mehrheitlich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Arbeit vs. Kapital:

Im Übrigen stellt die ver.di für uns keinen Gegner dar. 

Gegner ist das Kapital! Wir haben andere Ansichten als die bezahlten Funktionäre, keine Frage. Man sollte aber die Überschneidungen, die man hat, nutzen. Der Konflikt an den Amper Kliniken lässt sich auch nicht auf den TV reduzieren. Für die meisten repräsentieren Institutionen wie die ver.di nicht die „Arbeit“, was die zahlreichen Austritte der Dachauer KollegInnen dieses Jahr auch widerspiegeln. Sie hat ein eigenes Interesse jenseits des Klasseninteresses entwickelt. z.B.: Wenn D. Schirmer wegen dem „Negativ Beispiel“ Amper Kliniken die Rhön AG zu hart angeht, könnte das Folgen haben für die Verhandlungsposition mit den restlichen Rhön Kliniken, wo er, bzw. die ver.di, als Partner sehr geschätzt wird……..

„you don´t need a wheatherman….“

Alles was zählt ist die Solidarität! dr. mandingo

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