Crivitz
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Das Krankenhaus am Crivitzer See wurde zum 1. Oktober 2001 zu 69% an die MediClin AG übergeben. (AktienCheck 27.9.01)
Vor und nach der Privatisierung des KH Crivitz gab bzw. gibt es einen Förderverein Krankenhaus Crivitz e.V. , der die Bevölkerung zu Geldspenden für das Krankenhaus aufruft.
Informationen aus dem Gästebuch der Schweriner Volkszeitung (SVZ) vom 26.10.01 zufolge sitzt im Vorstand dieses Vereins X, ein Mitinhaber der Otto & Zapf Wohnland Immobilienverwaltung Crivitz, die im Dezember 2000 das zweite "Haus am Crivitzer See" ... fertiggestellt hat .
X war im 15. Bundestag (2002 - 2005) Bundestagsmitglied für die FDP. (bundestag.de)
Der Gästebucheintrag war eine Antwort auf einen Gästebucheintrag vom 12.10.2001. Dort heißt es:
... noch am 8. Mai hieß es in der SVZ: "Krankenhaus auf Partnersuche". Gesucht wurde ein "starker" Partner. 26 Prozent der Gesellschafteranteile am Krankenhaus - und damit eine Sperrminorität - sollte weiterhin Crivitz behalten.
Am 27. September hieß es: "Krankhaus Crivitz jetzt in neuen Händen"; am 28. September dann: "Krankenhaus Crivitz privatisiert."
Zwar hält Crivitz bisher noch 26 Prozent der Anteile, aber das nur bis zum Abschluss des II. Bauabschnitts. Danach wird es keine Beteiligung der Stadt oder des Landkreises mehr geben.
Im März 2005 übergaben die Stadt- und LandvertreterInnen MediClin die verbliebenen öffentlichen Anteile am Krankenhaus. In den Titelzeilen der SVZ vom 19.3. und 23.5. heißt es, die Klinik-MitarbeiterInnen verzichten auf Geld (SVZ-Liste mit Artikeln, die sich Ungesundleben leider nicht leisten kann).
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Januar 2005
Ist Otto & Zapf an den Bauprojekten beteiligt?
Es erscheint von nachrangigem Interesse, ob eine Firma von X am geplanten Ausbau des Krankenhauses Crivitz beteiligt sein wird. Offenbar hat der frühere Bundestagsabgeordnete an Einfluss verloren.
Der Bundestag hat im Januar 2005 die Immunität des Bundestagsabgeordneten aufgehoben, damit die Schweriner Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung ermitteln konnte. Dabei ging es um Grundstücksgeschäfte im Jahr 1995 im Zusammenhang mit der Sanierung von Sozialwohnungen.
In der FDP Mecklenburg-Vorpommerns wurde der Bundestagsabgeordnete X dann zur Wahl 2005 abgelöst.
Juli 2005
Von wem werden die Bauprojekte finanziert?
Am 29.07.2005 berichtete die Schweriner Volkszeitung unter dem Titel „Pläne für Krankenhaus-Anbau reifen“:
Nachdem sich Anfang Juni die drei Gesellschafter (Mediclin AG – 69 Prozent, Stadt Crivitz – 26 Prozent und Landkreis Parchim – 5 Prozent) über die Finanzierung geeinigt hatten (SVZ berichtete), wurde weiter an dem Projekt gefeilt. “Jetzt können wir beginnen, die Genehmigungen einzuholen“, gab sich A1 [Geschäftsführer bei MediClin für mehrere Krankenhäuser, u.a. das Krankenhaus Crivitzer See] zuversichtlich.
Drei Millionen Euro stellt der Hauptgesellschafter Mediclin für den Bau als Kredit zur Verfügung. Das Crivitzer Krankenhaus, das weiterhin als eigenständige, gemeinnützige GmbH agiert, muss diese Summe zurückzahlen. Doch dabei fließt zuerst Geld an die Stadt und an den Landkreis. So werden die letzten Anteile am Crivitzer Krankenhaus abgelöst, Mediclin wird alleiniger Gesellschafter.
Bereits am 19.03.2005 hatte die Schweriner Volkszeitung unter dem Titel „Weg frei für Investitionen am Crivitzer Krankenhaus“ berichtet, dass die Mediclin AG den Kredit von zwei Bedingungen abhängig gemacht hatte. Erstens waren 700 000 Euro durch Lohnverzicht der Mitarbeiter aufzubringen und zweitens waren die bisher verbliebenen 31 Prozent Anteile von Stadt und Kreis an Mediclin zu übertragen.
Die ursprünglich weitergehenden Investitionen, die die Mediclin AG bei der Privatisierung im Jahre 2001 zugesagt hatte, sind mit der Vertragsänderung allerdings passé , so die Schweriner Volkszeitung damals.
Damit stellt sich die Frage, warum die Stadt Crivitz und der Landkreis Parchim das Krankenhaus verkauft haben. Die Mediclin AG betätigt sich nicht, wie beim Kauf zugesagt, als Investor, sondern lediglich als Kreditgeber. Das war, realistisch gesehen, nicht anders zu erwarten, weil eine gewinnorientierte Investition in eine gemeinnützige Einrichtung unsinnig wäre. Letztlich müssen die Mittel also vom Krankenhaus selber erwirtschaftet werden. Das hätte das Krankenhaus Crivitz ebenso gut als öffentliche Einrichtung leisten können.
Januar 2006
X und die Otto & Zapf Wohnland Immobiliengesellschaft mbH & Co.KG
Nach einem Mitteilungsblatt des Kreistages und des Rates des Kreises Schwerin-Land wurde X im Juni 1979 in den Rat des Kreises gewählt.
In dem Buch Schweriner Profile – Bürger unserer Zeit von Marion Zinke heißt es: Herr X leitete einige Jahre die Wohnungswirtschaft im VEB Gebäudewirtschaft des Landkreises Schwerin.
1990 beauftragte ihn die Treuhand, die erste aus einer Gebäudewirtschaft umgewandelte Wohnungsgesellschaft in der DDR zu leiten. Diese Gesellschaft wurde 1991 unter dem Namen Wohn-Land Eberhard Otto Verwaltung und Immobilien privatisiert. 1993 kam A3 als Mitgesellschafter hinzu.
Zinkes Buch zitiert Herrn X mit folgenden Worten:
„... Beim ersten Sanierungsvorhaben, einem 24 WE-Block in Kobande, habe ich mich mit Haut und Haaren verpfändet. Aber in der Raiffeisenbank fand ich einen Partner, der mitzog.“ Auf den sozialen Charakter seines Konzeptes legt er viel Wert, was ihn zu einem anerkannten Partner der Kommunen macht. So ist nach der Sanierung die Miete zehn Jahre lang auf Sozialmietniveau festgeschrieben. Etwa 1800 Wohnungen verwaltet er in ganz Mecklenburg. Im Herbst 1996 wurde die 1000. Wohnung saniert. Der Wohnungsneubau, wie derzeit in Leezen, rundet das Konzept ab. Ausdehnen will er die Verwaltungstätigkeit auf Städte wie Wismar, Rostock und Schwerin.(Band III, S.253 Demen, 1996, ISBN 3-924718-90-3)
Die Schweriner Volkszeitung vom 29./30.01.2005 meldet, der Bundestag habe die Immunität von X aufgehoben, um ein Strafverfahren zu ermöglichen. Und weiter:
X sagte gegenüber unserer Zeitung: „Die Sache ist über zehn Jahre her.“ Es gehe um ein Grundstücksgeschäft vom Dezember 1995. Er habe das Geschäft zur Sanierung von Sozialwohnungen als Bau- und Immobilienunternehmer mit steuerlicher und juristischer Beratung abgewickelt. Der Vorgang sei seinerzeit vom Finanzamt Schwerin positiv beschieden worden. Das Finanzamt habe jedoch kurz darauf Steuern nachgefordert. Der Generalsekretär der Landes-FDP, Sebastian Ratjen, sagte, die Schweriner Staatsanwaltschaft prüfe, ob die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung aufgrund von Verjährung oder Geringfügigkeit eingestellt werden.
Biographische Angaben von X als Bundestagsabgeordneter
Die biographischen Angaben von Abgeordneten können durchaus Lücken haben. Die Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages bestimmt in der Anlage 1 „Verhaltensregeln für Mitglieder des Deutschen Bundestages“ in §1 Abs. 1 was dem Präsidenten aus der Zeit vor seiner Mitgliedschaft im Bundestag schriftlich anzuzeigen ist:
- die zuletzt ausgeübte Berufstätigkeit;
- Tätigkeiten als Mitglied eines Vorstandes, Aufsichtsrates, Verwaltungsrates, Beirates oder eines sonstigen Gremiums einer Gesellschaft oder eines in einer anderen Rechtsform betriebenen Unternehmens;
- Tätigkeiten als Mitglied eines Vorstandes, Aufsichtsrates, Verwaltungsrates, Beirates oder eines sonstigen Gremiums einer Körperschaft oder Anstalt des öffentlichen Rechts.
Diese Daten werden aber nicht vollständig veröffentlicht. Nach § 3 der o. a. Anlage werden nur die Angaben gemäß § 1 Abs. 1 nur zu Nr. 1 im Amtlichen Handbuch und auf den Internetseiten des Deutschen Bundestages veröffentlicht.
Selbst dann, wenn eine frühere Tätigkeit in einem Rat des Kreises beim Präsidenten des Bundestages anzuzeigen wäre, dann wäre solche Tätigkeit nicht notwendigerweise auch zu veröffentlichen. Es erscheint somit legal, wenn die biographischen Angaben solche Lücken aufweisen, dies unabhängig davon, wie man es moralisch bewerten mag.
Siehe auch: Ordnung über den Aufbau und die Arbeitsweise der staatlichen Organe der Kreise der Deutschen Demokratischen Republik vom 24. Juli 1952
Weitere Details zum Verkauf und zum Förderverein
Nicht die Interessen von wenigen Einzelnen haben zum Verkauf des kommunalen Krankenhaus in Crivitz geführt, sondern das Gemenge einer Vielzahl von teilweise widersprüchlichen Interessen. Entscheidend kann letztlich gewesen sein, dass der Landkreis Parchim durch den Verkaufserlös seinen Etat kurzfristig bereinigen konnte.
Der Förderverein hat offenbar wesentlich geholfen, den Verkauf populär zu machen. Der Landkreis dankt es A1 zum Tag des Ehrenamtes: A1 sei ... ein entscheidender Förderer des Krankenhauses Crivitz. In dem von ihm gegründeten Förderverein ist Herr A1 der Vorsitzende, der kontinuierlich und mit Herzblut für den Standort Crivitz wirbt . (Landkreis Parchim 5.12.05)
Diese Funktion des Fördervereins kann die Gesellschafterin der Krankenhausgesellschaft weiterhin nutzen: die Mediclin AG. Der Förderverein bildet eine kostenlose Public Relation. Zur Public Relation zählen solche Aktivitäten, die es zum Ziel haben, ein positives Firmenimage zu schaffen. Dabei stehen der Aufbau und die Pflege von Vertrauen zum Unternehmen in der Öffentlichkeit im Vordergrund. Genau diese Aufgabe nimmt – besser als es eine Abteilung des Unternehmens könnte – der Förderverein wahr. Es berichtet die Schweriner Volkszeitung am 11.04.2005 unter der Überschrift: "Den Helfern wird das Geld knapp": Dass mit A2 der Vorsitzende der Mediclin AG dem Verein beigetreten ist, wertet er (A1) als beispielgebend . Aber niemand wird ernsthaft glauben, es ginge darum, dass der Vorsitzende der Mediclin AG ein eigenes Krankenhaus fördert, indem er diesem Förderverein einen persönlichen Förderbeitrag bezahlt.
Der Förderverein hängt von der Gemeinnützigkeit des Krankenhauses ab. Er kann nur steuerbegünstigte Spendenquittungen ausstellen, solange er selber gemeinnützig ist: dies setzt eben die Gemeinnützigkeit des Krankenhauses voraus. Im zitierten Artikel heisst es weiter: Dr. Hans-Heinrich Uhlmann, Geschäftsführer des Hauses und Vereinsmitglied, bekräftigt zudem, dass die Gemeinnützigkeit des Crivitzer Krankenhauses auch nach der Übernahme aller Anteile durch Mediclin nicht zur Debatte steht .
Es verwundert denn, dass die Krankenhausgesellschaft gar nicht als gGmbH, also "gemeinnützige GmbH", im Handelsregister eingetragen ist. Allerdings auch ohne diesen Eintrag könnte eine entsprechende Satzung beschlossen und durch das Finanzamt anerkannt worden sein.
Vorerst kann die Mediclin AG mit der Gemeinnützigkeit des Akutkrankenhauses leben, denn neben einer kostenlosen Public Relation kann die Mediclin AG so ohne weiteres dafür sorgen, dass Patienten aus Crivitz in die zu ihr gehörenden Reha-Kliniken überwiesen werden. Es wird deren Auslastung gesichert.
Im Übrigen erwirtschaftet das Crivitzer Krankenhaus ohnehin vorerst keinen abschöpfbaren "Gewinn", denn erst ist der "Kredit" an die Mediclin AG zurückzuzahlen. Wenn dies irgendwann nicht mehr gelänge, so bliebe der Weg in einen Konkurs der "gemeinnützigen GmbH", die ausschließlich einen Gläubiger zu befriedigen hätte: die Mediclin AG. Mit den Resten des Crivitzer Krankenhauses ließe sich dann durch die Mediclin AG eine neue Gesellschaft gründen. Dabei hätten die Stadt und der Landkreis nur wenig Einfluss, um erneut auf einer Gemeinnützigkeit bestehen zu können.
Mai 2006
Weshalb ein Förderverein für ein privatisiertes Krankenhaus?
Laut Schweriner Volkszeitung (SVZ) vom 13. Mai 2006 hat der Förderverein Krankenhaus Crivitz e.V. im letzten Jahr 200 € mehr Spenden erhalten als im Vorjahr. Insgesamt betragen die Spendeneinnahmen 640 €. Die SVZ schreibt weiter:
Haupteinnahme-Quelle sind und bleiben die Beiträge der Mitglieder. Derzeit sind es 81 Frauen und Männer. Wie auf jeder Jahresversammlung seit der Privatisierung wurde die Frage diskutiert, warum ein Verein und privates Unternehmen unterstützt. A1 erläuterte, dass der Förderverein eine gemeinnützige GmbH unterstützt – und auch nur in den Bereichen, die nicht "gewinnorientiert ausgerichtet" sind. Der Vereinschef hat sich dazu extra im Finanzamt informiert. Die Vereinsmitglieder haben sich generell auf die Fahnen geschrieben, für Wohlfühl-Moment der Patienten im Krankenhaus am Crivitzer See zu sorgen – zusätzlich zur medizinischen Behandlung und Betreuung. In den zurückliegenden Jahren war der Kauf von Babyschlafsäcken der Hauptposten bei den Vereinsausgaben. Jede Familie erhält einen solchen für das in Crivitz geborene Kind geschenkt. Nun übernimmt das Krankenhaus diesen Service auf Firmenkosten.
Oktober 2006
Welche Rolle hat die Schweriner Volkszeitung?
Der früheren ostdeutschen Presse wird nachgesagt, sie sei ein Weiterleiter gewesen. Das mag man heute noch glauben. Im Vorstehenden wurde bereits klargestellt, daß das Crivitzer Krankenhaus gar nicht als gGmbH, also gemeinnützige GmbH, im Handelsregister eingetragen ist.
Die Eigenschaft Gemeinnützigkeit war und ist stets ein gewichtiger Punkt in der öffentlichen Diskussion und unter den Mitgliedern des Fördervereins. Deshalb gab es die hier zuvor zitierten Erläuterungen in der Mitgliederversammlung des Fördervereins.
Die Schweriner Volkszeitung vermeldet dann am 7.9.2006 in einem namentlich von Werner Mett gezeichneten Beitrag unter der Überschrift Crivitzer Krankenhaus wächst: MediClin stellt der eigenständigen Crivitzer gGmbH drei Millionen Euro als Darlehen zur Verfügung. Damit kolportiert die SVZ erneut eine in der Diskussion beachtliche Unrichtigkeit.
Ein Blick in das Handelsregister hätte genügt, um zu erkennen, daß das Krankenhaus am Crivitzer See dort unter HRB 3693 nicht als gGmbH, sondern als GmbH eingetragen ist.
Vielleicht erscheint dieser Blick nicht der Mühe wert, aber ein zweiter Blick in die Akte hätte noch anderes offenbart. In der Akte wird die Verhandlung über den Verkauf der Gesellschaftsanteile an die MEDICLIN AG vor dem Notar wiedergegeben.
Auf Seite 56 heißt es unter § 22, daß sich die Vertragsparteien auf eine grundlegende Neufassung des Gesellschaftsvertrages verständigt hätten, wie sie als Entwurf beigefügt sei. Später folgt in der Akte dieser Entwurf des neuen Gesellschaftsvertrages. Dort ist von Gemeinnützigkeit keine Rede. Vielmehr regelt der § 20 ausdrücklich die Kostenübernahme durch die MEDICLIN AG, wenn der Gesellschaft durch den Verlust der Gemeinnützigkeit Steuern entstehen.
Es ist damit unzweifelhaft, daß die Stadt Crivitz und der Landkreis Parchim als Gesellschafter bereit waren, die Gemeinnützigkeit der Krankenhausgesellschaft aufzugeben. Umgesetzt wurde dies allerdings noch nicht. Es kann aber kaum ein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass die Gemeinnützigkeit des Krankenhauses später aufgegeben wird.
Der § 20 enthält eine weitere Regelung: Die der Gesellschaft, der Stadt Crivitz oder dem Landkreis Parchim entstandenen Kosten der Berater (Unternehmensberater, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer) erstattet die MEDICLIN AG bis zu einer Höhe von 130.000 DM netto. Das sind bald 8 Prozent des vereinbarten Kaufpreises ohne die Kosten bei Notar und Gericht.
Interessant ist diese Kostenübernahme, weil diese Kosten nicht direkt zu Lasten der Haushalte von Stadt und Landkreis gingen und damit einer parlamentarischen Zustimmung und Kontrolle nicht unbedingt bedurften. Trotzdem bestände vielleicht ein öffentliches Interesse daran zu erfahren, wer vom Verkauf des kommunalen Krankenhauses durch solche Beratung profitiert hat.
Die Schweriner Volkszeitung publiziert eher Fotos der öffentlich Beteiligten, so am 7.9.2006 zum ersten Spatenstich und am 21.10.2006 zur Grundsteinlegung. Hintergründe zu vermitteln, stände der Presse gut an. Wie heißt es aber im Impressum der SVZ online: Der Zeitungsverlag Schwerin GmbH & Co. KG hafte nur für eigene Inhalte nach den allgemeinen Gesetzen; darüber hinaus übernähme er keine Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Daten und Informationen.
Juni 2007
Warum wird keine stationäre kinderärztliche Versorgung im Crivitzer Krankenhaus gefordert?
Die kommunalen Gesellschafteranteile am Crivitzer Krankenhaus wurden an das private Krankenhausunternehmen Mediclin AG verkauft, um eine stationäre Versorgung für die Zukunft zu sichern. Es wurde mit dem Umbau des OP-Traktes und der Aufnahme- und Wachstation begonnen und der neue Trakt soll Ende 2007 in Betrieb genommen werden. Die Kosten werden aber nicht von der Mediclin AG getragen. Die Mediclin AG gewährt nur den Kredit, den das weiterhin selbständige Krankenhaus am Crivitzer See GmbH an die Mediclin AG zurückzuzahlen hat.
1991 hieß es in der Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage (Drucksache 1/905): Das Krankenhausgutachten empfiehlt, das Krankenhaus in Crivitz wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit auf Dauer nicht zu erhalten. Auch der Geschäftsbericht 2006 der Mediclin AG weist für das Krankenhaus Crivitz ein Minus auf.
Ein wenigstens langfristig finanziell ausgeglichenes Ergebnis ist nur eine Voraussetzung für das Bestehen eines Krankenhauses. Der Vierte Krankenhausplan des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit einer Laufzeit bis zum 31. 12. 2008 soll den Krankenhäusern eine Planungssicherheit geben. In der Anlage 4 "Thesen und Kriterien für die Krankenhausplanung 2005 bis 2008" wird ausgeführt: Die Fachgebiete Innere Medizin und Chirurgie sind unverzichtbare Bestandteile einer flächendeckenden stationären Grundversorgung. Zugleich kommt den Bereichen Gynäkologie, Geburtshilfe und Pädiatrie in der Versorgung eine herausgehobene Bedeutung zu. Damit erscheint das Krankenhaus Crivitz auch fachlich gesichert, denn es entspricht weitgehend diesen Kriterien: von 100 Betten gehören 34 zur Inneren Medizin, 31 zur Chirurgie und 20 zur Gynäkologie und Geburtshilfe.
Doch der Nachsatz im Krankenhausplan des Landes lautet: Der Grundsatz, dass eine geburtshilfliche Abteilung nur zusammen mit einer stationären pädiatrischen Abteilung zugelassen sein sollte, gilt weiter. Und eben an der stationären kinderärztlichen Versorgung mangelt es in Crivitz. Und solcher Mangel steht seit Jahren in der fachlichen Kritik, ohne dass er vom Förderverein, von der örtlichen Presse oder gar von der breiten Öffentlichkeit thematisiert würde.
1995 wird es noch deutlicher. Die Landesregierung antwortet auf eine kleine Anfrage (Drucksache 2/1034) wegen der geplanten Schließung der Abteilung „Geburtshilfe“ zum Jahresende: Im Krankenhausplan des Landes Mecklenburg-Vorpommern vom 8. Dezember 1992 ist allerdings als Planungsgrundsatz festgehalten, dass geburtshilfliche Abteilungen nur hauptamtlich geführt werden und gegen Ende des Planungszeitraumes jährlich mindestens 500 Geburten verzeichnen sollen.
Diese Zahl der 500 Geburten ist anscheinend zur magischen Grenze für den Erhalt der Geburtshilfe im Crivitzer Krankenhaus geworden. Babyboom in Crivitzer Klinik – Schon jetzt 30 Geburten mehr als im Vergleich zum Vorjahr titelt die Schweriner Volkszeitung am 15.03.2007. Ich hatte viel von der freundlichen Atmosphäre im Crivitzer Krankenhaus gehört und mich deshalb während der Schwangerschaft hier umgesehen berichtet eine 18-jährige Mutter aus dem 5o km entfernten Wismar. Mit Unterstützung der Schweriner Volkszeitung wird für eine familiäre Atmosphäre geworben. Über den Förderverein titelt wiederum der Regionalredakteur Werner Mett im namentlich gezeichneten Artikel vom 16./17.05.2007: Hilfestellung beim Wohlfühlen – Förderverein für das Crivitzer Krankenhaus geht ins zehnte Jahr.
Gemäß dem Strukturierten Qualitätsbericht für das Berichtsjahr 2004 entbinden pro Jahr 450-500 Frauen im Krankenhaus am Crivitzer See. Die Schweriner Volkszeitung nennt im o. a. Artikel 370 Geburten für das Jahr 2005. In Geburtskliniken ohne angeschlossene Kinderklinik sollen nur Schwangere mit komplikationslos über mindestens 36 Wochen verlaufender Schwangerschaft und ohne zu erwartende Komplikation beim Neugeborenen entbunden werden. Die Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin verlangt in ihren Empfehlungen von 2005 eine Mindestzahl von 700 Geburten pro Jahr, so wie ebenso die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in ihren Empfehlungen von 2006 oder der Arbeitsgemeinschaften der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
Die Kassenärztlichen Bundesvereinigungen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Bundesverbände der Krankenkassen, die Bundesknappschaft und die Verbände der Ersatzkassen haben im Gemeinsamen Bundesausschuß nach § 91 SGB V in seiner Vereinbarung über Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Versorgung von Früh- und Neugeborenen zum Jahr 2006 keine Mindestzahl von Geburten für Geburtskliniken festgesetzt.
Der o. a. Qualitätsbericht 2004 für das Krankenhaus in Crivitz meldet 430 Neugeborene mit einem Aufnahmegewicht über 2499 Gramm und ohne größeren operativen Eingriff oder einer Langzeitbeatmung. Insgesamt wurden 442 Einlinge geboren. Davon wurden also 12 Neugeborene nicht der erstgenannten Gruppe zugeordnet. Der Grund ist dem Qualitätsbericht nicht zu entnehmen, weil nur die häufigsten diagnosebezogenen Fallgruppen genannt werden. So nennt das Krankenhaus Crivitz 9 Neugeborene, die nach weniger als 5 Tagen nach der Aufnahme ohne größeren operativen Eingriff verlegt wurden, was beispielsweise bei Untergewicht geraten ist.
Die Qualitätsberichte der Krankenhäuser untereinander sind nicht vollständig vergleichbar. Andere Krankenhäuser ohne angeschlossene Kinderklinik führen diese Fallgruppe der Verlegung nicht auf, wenn sie nicht zu den (relativ) häufigsten diagnosebezogenen Fallgruppen des einzelnen Krankenhauses gehört.
Von den insgesamt 35 im Vierten Krankenhausplan erfaßten Krankenhäusern weisen 19 eine Fachabteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aus und nur wenige davon keine Fachabteilung für Kinderheilkunde: in Crivitz, in Ludwigslust, im Neustrelitz, in Ribnitz-Damgarten und in Anklam, oft mit einem kinderärztlichen Dienst als Konsil von niedergelassenen Fachärzten.
In der stationären Kinderheilkunde sinken die Fallzahlen und reduziert sich die durchschnittliche Verweildauer, wie der aktuelle Krankenhausplan des Landes ausführt. In der Konsequenz hat das Krankenhaus in Ludwigslust 2004 die eigene pädiatrische Versorgung aufgegeben. In Anklam wurde die pädiatrische Fachabteilung 2005 geschlossen. Dadurch entsteht vielleicht der Eindruck, als würden Geburtskliniken ohne Kinderheilkunde heute auch seitens der Landesregierung akzeptiert.
Die Schließung der pädiatrischen Fachabteilungen kann aber auch als Anfang vom Ende verstanden werden. Am Krankenhaus Malchin wurde die Fachabteilung Frauenheilkunde/Geburtshilfe bereits 2002 aufgegeben. Die chirurgische Abteilung deckt einen Teil des Bedarfs in der Frauenheilkunde. Dies könnte durchaus zum Modell für das Crivitzer Krankenhaus werden, das gerade seine Leistungsfähigkeit in der Chirurgie ausbaut.
Vor Jahren noch konnten Abteilungen mit 600 Geburten kostendeckend arbeiten, aber wenn die Fallpauschalen immer weiter herunter gefahren werden, kann man sich ausrechnen, wann man ins Minus rutscht. So wird der Geschäftsführer eines Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen in einem Onlineartikel zitiert: Bei 774 Euro Fallpauschale für eine normale Geburt ist die Abteilung erst bei über 1000 Geburten pro Jahr auskömmlich.
Der Vorstandsvorsitzende des Gesellschafters Mediclin AG führt in seiner Rede in der Hauptversammlung der AG aus: Integration heißt für uns, dass wir eine umfassende medizinische 'Versorgung aus einer Hand' anbieten wollen. Integrierte Versorgung bringt Vorteile für den Patienten und für das Gesundheitssystem. Für uns ist die Integration von Akutmedizin und Rehabilitation wichtig, dass heißt, die sektorenübergreifende Integration des Behandlungsprozesses. Die Mediclin AG dürfte mehr Interesse an der Operativen Gynäkologie haben, als denn an der Geburtshilfe. Mütter und ihre Säuglinge sind keine Patienten in solcher Integration von Akutmedizin und Rehabilitation.
Nicht so sehr das Krankenhaus in Crivitz, sondern deren Geburtshilfe darf sich um seine Existenz sorgen. Die Geburtskliniken stehen bereits in Konkurrenz gegeneinander und werben um Schwangere in verschiedenen Weisen: sie lassen ihre Leistungsfähigkeit zertifizieren (Deutsches Ärzteblatt: Erfolgsmodelle im Vergleichstest). Oder aber sie sind nicht an Information und Aufklärung über ihr Können und interne Abläufe interessiert, wie Öko-Test im Juni 2002 feststellte: nachdem Öko-Test mehr als 1000 geburtshilfliche Abteilungen in Deutschland gebeten hatte, beim Zusammenstellen und Prüfen von Daten für einen Vergleich behilflich zu sein, drohten manche mit presserechtlichen, als auch zivilrechtlichen Schritten, sprich Schadensersatzansprüchen. Die Kliniken in Schwerin und Stralsund nahmen am Vergleich teil.
Die private Krankenhaus GmbH in Crivitz kann sich über einen als gemeinnützig anerkannten und steuerlich begünstigten Verein und Artikel in der Schweriner Volkszeitung nur freuen. Ein positiver Bericht ist Werbung. So bleibt allerdings eine kritische Diskussion außen vor. Und es gerät leicht aus der Sicht, dass neben der Erfahrung eine mögliche Krisenintervention nicht nur bei einer Gefahr für die Mutter, sondern ebenso für das Kind ein Kriterium ist, um eine Entscheidung für eine Geburtsklinik zu treffen. Die Presse könnte durchaus mehr dazu beitragen, sachliche Informationen zu vermitteln als denn Stimmungsbilder zu zeichnen.


