Charité Facility Management GmbH

Aus PrivatisierungsWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Inhalt

Inhalt
Nachrichten
Bundesrepublik
Bundesländer
Städte, Kommunen
Klinikunternehmen/Heimbetreiber
Zusammenschlüsse
Weitere Organisationen
Dokumente
Themen

Ende 2005 beschloss der Aufsichtsrat der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Anteile an der neu zu gründenden Charité Facility Management GmbH in Höhe von 49% an ein Konstortium zu verkaufen (Pressemitteilung der Charité 2.12.05) Die restlichen 51% verbleiben bei der Charité.

Das Konstortium besteht aus

  • der Vamed Management und Service GmbH Deutschland
    Die Vamed Management und Service GmbH Deutschland gehört zum Fresenius Konzern, der Produkte und Dienstleistungen auf dem Gebiet der Dialyse anbietet, und zu dem die Helios Kliniken gehören.
  • der Dussmann Beteiligungsgesellschaft mbH und der Hellmann World Wide Logistics GmbH & Co. KG
    Hellmann ist u.a. in Kuwait und für die Bundeswehr aktiv (Hellmann Info 1.3.06).
    Zusammen mit Dussmann hält Hellmann zu gleichen Teilen 49% an der KLE Klinik Logistik Eppendorf GmbH, die für das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) Patienten- und Gütertransporte, zentrale Warenannahme, Lagerwirtschaft, Gütertransporte, Krankentransporte, Ver- und Entsorgung mit Essen und Getränken für Patienten, die komplette Entsorgung, Modulversorgung, Hol- und Bringedienste, Kopierservice Postservice, Archivierung, sowie Wach- und Pfortendienst durchführt (UKE Info, gelesen 9.5.06).

Für den Kaufpreis von 120 Millionen Euro soll das Konsortium das operative Geschäft verantworten (Dussmann Pressemitteilung 2.12.05).

Die Charité Facility Management GmbH (CFM) ist seit Januar 2006 zuständig für alle nicht-medizinischen Dienstleistungen bei der Charité - Universitätsmedizin Berlin, u.a. Gebäudereinigung, Bauwesen, Catering (Essenversorgung), Logistik (Transporte und Beschaffung) und technischer Service sowie Gärtnerei.

Bis zum Jahr 2010 soll durch die CFM eine Kostensenkung von etwa 25 Prozent gegenüber den derzeitigen Kosten im Bereich Facility Management erreicht werden. Für die betroffenen Charité-Mitarbeiter ändert sich nichts: Sie werden im Rahmen einer Personalgestellung der neuen Servicegesellschaft zur Verfügung gestellt und behalten ihre alten Verträge. (Pressemitteilung der Charité 2.1.06)

Das trotzkistische Online-Magazin World Socialist Web Site schreibt am 25.10.06:

Mit der Charité-Facility-Management (CFM), einem Unternehmen unter Beteiligung des Dussmann-Konzerns, wurde bereits die Privatisierung eingeleitet - ohne dass Verdi tatsächlich etwas dagegen unternahm. Ein Pfleger berichtet über die Bedingungen in der CFM: "Die Arbeitsbedingungen in dem neuen Unternehmen sind schlecht. Überstunden gelten laut Vertrag als bezahlt, die Arbeit wurde ungeheuer verdichtet. Selbst in Zimmern mit immungeschwächten Patienten wird jetzt weniger gereinigt. Diese Kollegen sind allerdings so eingeschüchtert, dass es schwierig ist, Genaueres über ihre Situation herauszubekommen." Auch die Bezahlung neu eingestellter Mitarbeiter der CFM liegt weit unter dem Gehaltsniveau der Kollegen, die aus der Charité in die CFM kamen.


Warnstreik am 28. April 2006

Am 28. April 2006 organisierte ver.di an den Charité-Standorten Benjamin Franklin, Virchow-Klinikum und Mitte einen Warnstreik unter Beteiligung von Pflegekräften, Verwaltungsangestellten und GebäudereinigerInnen. Ver.di fordert u.a. einen Tarifvertrag für alle Beschäftigten der Charité und ihrer Tochterunternehmen; keine betriebsbedingten Kündigungen; Übernahme des Tarifabschlusses im öffentlichen Dienst aus dem Jahr 2003 und keine Privatisierungen.
Tags zuvor warnte die Geschäftsführung der CFM die MitarbeiterInnen schriftlich, daß "jegliche Beteiligung am Warnstreik nicht erlaubt ist und untersagt wird." Die CFM beschäftigt 2500 Personen, darunter 1050 Charité-Mitarbeiter. "Diese Drohung ist absolut unhaltbar. Auch die Mitarbeiter in den Tochtergesellschaften haben ein Recht auf Streik", stellte Georg Güttner-Mayer, Landesbezirksfachbereichsleiter Gesundheit bei Ver.di, klar. (Berliner Morgenpost 28.4.06, ver.di Aufruf zum Warnstreik)

In der Pressemitteilung von Dussmann (2.12.05) heißt es: Die Charité Facility Management GmbH wird zukünftig rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Berliner FDP-Fraktion warf im April 2006 dem Berliner Senat vor, die Veröffentlichung von Berichten zur Arbeit der CFM hinauszuzögern, die nicht reibungslos funktioniere. Hauptkritikpunkt der FDP an der CFM ist die mangelnde Beteiligung der mittelständischen Berliner Wirtschaft (Pressemitteilung der FDP 7.4.06). Zuvor hatten rund 200 mittelständische Unternehmen aus Berlin und Umgebung die nicht-medizinischen Serviceleistungen an der Charité erbracht (Pharmazeutische Zeitung ohne Datum).

In ihrer Einladung zu einer Informationsveranstaltung am 24. April 2006 stellte die Ver.di Betriebsgruppe der Charité folgende Fragen:

  • Stimmt es, dass die Universitätsklinik Charité seit Juli 2004 insgesamt 17 außertarifliche Arbeitsverträge mit Jahresgehältern zwischen 80 000 und 120 000 Euro abgeschlossen hat?
  • Stimmt es, dass die Charite „überraschend“ einen Gewinn von ca. 2 Millionen Euro gemacht hat?
  • Stimmt es, dass der Vorstand der Charité bereit ist 9-15% an die Ärztinnen und Ärzte zu zahlen? Während alle anderen einen Absenkungstarif hinnehmen müssen.
  • Stimmt es, dass der Berater Firma Roland Berger, 20 Millionen Euro kostet? Sind das die 20. Millionen, die uns seit 2003 vorenthaltet wird?
  • Stimmt es, dass der Vorstand Prämien für seine „gute“ Arbeit bekommen hat?
  • Stimmt es, dass in den ausgegliederten Tochterfirmen bereits Lohndumping praktiziert wird und neue Wasserköpfe an leitenden Mitarbeitern geschaffen werden?

Kampf um Pausenraum und unbefristete Arbeitsverträge

Junge Welt 16.8.08:

... vor dem Bettenhochhaus der Charité ... herrscht [am Freitag, den 15.8.08] reger Betrieb. Frauen in Nylonkitteln sitzen auf den Bänken und Mauern und packen ihre Frühstücksbrote aus. Es ... Reinigungskräfte der Charité Facility Management GmbH (CFM) ... Die CFM hat die Pausenräume aus Kostengründen abgeschafft. ...

[Auch MitarbeiterInnen der Cafeteria] halten ... ihre Pause auf dem Vorplatz oder auf der Verladerampe am Wirtschaftseingang neben den Müllcontainern ab, obwohl laut CFM »die Mensen auch zum Verzehr mitgebrachter Speisen und Getränke zur Verfügung« stehen sollen. Kopfschütteln auch hier, von einer solchen Vereinbarung weiß niemand. Üblicherweise werde hinausgebeten, wer sein Frühstück in der Mensa auspackt, berichtet eine Kollegin. Und: »Wenn du den Mund aufmachst, kannste gehen.« Der größte Teil der CFM-Mitarbeiter hat befristete Arbeitsverträge, oft nur über wenige Monate. ...

Die CFM zahlt ihren Reinigungskräften den gesetzlichen Branchenmindestlohn von 8,15 Euro je Stunde, und selbst den versucht das Unternehmen durch aberwitzige Vorgaben in der Praxis zu unterlaufen, berichten die Mitarbeiterinnen.

Die IG BAU mobilisiert mit deutschen und türkischen Flugbättern für den Gewerkschaftsbeitritt, so die junge Welt weiter, während »Vorarbeiter durch die Campi gehen und IG-BAU-Infos herunterreißen«, wie eine Betriebsrätin berichtet.

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge