Charité

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Die Universitätsklinik Charité hat vier Standorte in Berlin: Wedding, Mitte, Berlin-Buch und Steglitz. Berlin-Buch kooperiert mit Helios.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenarbeit mit Helios

Die Charité will mit Helios eine gemeinsame Betreibergesellschaft für Kinderheilkunde gründen. Dies berichtet die Berliner Morgenpost vom 19.8.05. Und weiter: Hilfreich für das gemeinsame Projekt sei, daß Professor Ulrich Wahn bereits sowohl Chefarzt der Pädiatrie in der Lungenklinik Heckeshorn ist, die zum Helios-Klinikum Emil von Behring gehört, als auch im Charité-Klinikum Benjamin Franklin Chefarzt ist. Das Interesse des privaten Klinikkonzerns beschränkt sich jedoch nicht auf die Kinderheilkunde: "Sollte es zu einer Privatisierung des Klinikums in Steglitz kommen, haben wir großes Interesse", sagt Michels, Hauptgeschäftsführer der Helios Kliniken GmbH.

Helios gehört zum Fresenius Konzern, mit dem die Charité seit der Jahreswende 2005/06 auch über die Charité Facility Management GmbH verbunden ist.

ProCare

Juli 2006

ProCare stellte bisher die Reinigungskräfte im Klinikum Steglitz (Benjamin Franklin). Bisher erhielten die KollegInnen den nicht gerade üppigen Tarif, welchen die IG Bau abgeschlossen hatte.

Die KollegInnen hatten aus ihren Erfahrungen, aus dem öffentlichen Dienst in private Hände übergelitet zu werden, heraus einen Betriebsrat erstritten. Bis vor etwa drei Wochen ging dieser und mit ihm die KollegInnen davon aus, dass es eine Überleitung zur Charité Facility Management GmbH (CFM) geben wird nach § 213a. An der CFM hält Dussmann Anteile.

Die CFM hat jetzt dem Chef von Procare mitgeteilt, niemanden der Reinigungskräfte zu übernehmen und dieser hat ihnen allen zum 01.09.06 gekündigt.

Da es sehr unwahrscheinlich ist, dass Dussmann so viele KollegInnen auf Vorrat hat, dass er nahtlos die Reinigung übernehmen kann, ist damit zu rechnen, dass die KollegInnen von ProCare, die nicht durch Aufmucken aufgefallen sind, Einzelverträge angeboten erhalten werden zu schlechten Bedingungen.

In ver.di Kreisen (zuständig ist aber eigentlich die IG Bau) wird von Verträgen mit 20 Stunden in der Woche zu einem Stundenlohn von etwa 4 Euro 50 bis 5 Euro gerechnet. Die Erfahrungen bei Vivantes zeigten, dass die KollegInnen außerdem eine enorme Steigerung der Putzflächen hinnhemen mussten beim Übergang zu einem scheinbar neuen Arbeitgeber. Auch die Erfahrungen der KollegInnen vom Transport in Mitte lassen nichts gutes erwarten. Diesen legte man eines Tages neue Arbeitsverträge vor, die sie bis zum nächsten Tag zu unterschreiben hatten, wenn sie ihre Arbeit behalten wollten. Die KollegInnen waren völlig überrumpelt und es gab keine kollektive Aktion. Deshalb haben sie derzeit wieder eine Probezeit. Bei einer 6-Tage Woche und nur noch 24 Tage Urlaub können sie bundesweit eingesetzt werden und haben einen Bruttojahreverdienst von 15.600 Euro mit dem laut Vertrag auch diverse Überstunden schon abgegolten sind usw.

Weitere Nachrichten

Sommer 2004

Verein Berliner Kaufleute und Industrieller

Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) trat im Sommer 2004 mit einem Positionspapier zur „Reform der Berliner Hochschulmedizin“ hervor, in dem er Entlassungen und Bettenabbau forderte (Berliner Morgenpost 22.6.04).

Schatzmeister des VBKI ist Roland Schulz, ein Vortsandsmitglied der BDO Deutsche Warentreuhand AG. Karl Ernst Knorr, ein anderes Vortsandsmitglied der BDO Deutsche Warentreuhand AG, trat im Juli 2003 als „Sachverständiger“ bei einer Anhörung zur Teilprivatisierung der Baden-Württembergischen Universitätsklinika auf.

Leiterin des Ausschusses für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik beim VBKI ist Petra Gothe, Finanzvorstand der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau AG, in deren Aufsichtsrat Berliner SenatsrätInnen, -dirigentInnen und –sekretärInnen sitzen. 2003 entwickelte Gothe in ihrer Eigenschaft als Finanzvorstand der Gesobau zusammen mit einer Vertreterin von PricewaterhouseCoopers Real Estate ein „Fachkonzept zur wertorientierten Unternehmensführung“ (Info der SAP). PricewaterhouseCoopers vermittelt Übergaben öffentlicher Krankenhäuser an private Träger.

Februar 2005

Aktive Mittagspause

Die Kolleginnen und Kollegen der Charité hatten in der Schumannstr. 20/21 am 25. Februar 2005 eine „aktive Mittagspause“, in der sie gegen Austöchterungen, Teilprivatisierung und Stellenabbau protestierten.

Der massive Bettenabbau in der Charité steht möglicherweise damit in Zusammenhang, dass privaten Klinikbetreibern in Berlin PatientInnen zugespielt oder sie beim Bettenabbau unterstützt werden sollen. Mitte 2004 wurde ein „Planspiel“ aus dem Berliner Senat bekannt, das Benjamin Franklin (UKBF) zugunsten von Vivantes aus der Charité zu lösen (Tagesspiegel 17.6.04). Der Berliner Senat entschied zur Rettung von Vivantes am 16.6.04 die Umschichtung von 230 Mio. €, die Vivantes dem Land schuldet. (Berliner Morgenpost 17.6.04).


Mai 2005

Verhandlungen über Notlagentarif abgebrochen

Die ver.di-Tarifkommission hat beschlossen, die Verhandlungen über Notlagenregelungen abzubrechen, denn die Prüfung der Unterlagen der Charité durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer ergab, dass für die Charité derzeit keine wirtschaftliche Notlage vorliegt. Die Unternehmensleitung der Charité droht mit Kündigungen. Ver.di Berlin organisierte am 13.05.05 eine Protestkundgebung. (ver.di Bezirk Berlin Tarif-Info Nr. 2)

Juli 2005

Tarifverhandlungen wieder aufgenommen

Am 8. Juli 2005 wurden die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen.

Ver.di fordert laut (Tarif-Info Nr. 3):

  • Keine Absenkung der monatlichen Vergütungen!
  • Keine Arbeitszeitverlängerung!
  • Keine Ausgliederungen in der Charité!
  • Keine betriebsbedingten Kündigungen!
  • Kein Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld!
  • Kein Verzicht auf Schichtzulagen!
  • Anpassung an das bundesweite Tarifniveau des Öffentlichen Dienstes
Der Charité-Vorstand will laut Tarif-Info:
  • Eine Notlagenregelung.
  • Tarifabsenkung bis 2009 in Höhe von 40 Mio. €‚ davon 15 Mio. € in 2005.
  • Ab 2010 Verhandlungen über die schrittweise Angleichung des Entgeltniveaus an den TVöD.
  • Unter den vorgenannten Bedingungen wird der Ausschluss von betriebsbedingten Beendigungskündigungen bis 2009 zugesagt.
Konkret würde das bedeuten:
  • 40 Stunden Arbeitszeit (Arbeitszeit-Korridor bis 48 Stunden und für Ärztinnen und Ärzte 60 Stunden)
  • Veränderung der Nacht-Arbeitszeit von 20.00Uhr auf 23.00 Uhr
  • Verkürzung der Ruhepausen auf 8 Stunden
  • Streichung des AZV- Tages und 2 Urlaubstage
  • Arbeitszeitverkürzung für bestimmte Bereiche ohne Lohnausgleich
  • Wegfall von Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • Ausgliederung der Servicebereiche (betrifft ca.1050 Beschäftigte)
  • Transfergesellschaft zur Vermittlung der künftigen Arbeitslosen
  • Abbau von Pflege- und Ärztlichen MitarbeiterInnen und notwendige Wiederbesetzungen durch Billig-Lohnempfänger
... Außer dass der Charité-Vorstand 40 Mio. € Einsparung durch Tarifabsenkung fordert, will er durch Umbauen, Abbauen, Aufgliedern, Ausgliedern, Privatisieren und Schaffung von Billiglohnsektoren noch mehr Geld einsparen. Der Charité-Vorstand will die Personalkosten drastisch um 20% senken und das Personal um ca. 4000 Vollstellen abbauen. Darauf machen insbesondere der Aufsichtsrat und das Land Berlin Druck. Über einen Haustarifvertrag sollten schlechtere arbeitsrechtliche Bedingungen vereinbart werden.
(ver.di Bezirk Berlin Tarif-Info Nr. 3)

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer lehnen die Pläne der Charité zur Gründung einer eigenen Service-GmbH, die alle Serviceleistungen wie Instandhaltung, Reinigung und Catering übernehmen soll, ab. (Rundfunk Berlin-Brandenburg 8.7.05)

Offener Brief der Ärzteschaft der Charité

In einem Offenen Brief der Ärzteschaft der Charité an den Aufsichtsrat der Charité und an den Berliner Senat heißt es:

mit großer Sorge sehen wir, dass der Charité Sparmaßnahmen auferlegt wurden, die Berlin als Wissenschaftsstandort akut und auf lange Sicht gefährden.
Allein aufgrund der Senatsentscheidung, den Landeszuschuss für Forschung und Lehre eines kompletten Universitätsklinikums zu streichen, muss die Charité 98 Mill. Euro einsparen. Weitere politische Vorgaben steigern das geforderte Einsparvolumen auf 212 Mill. Euro in den nächsten fünf Jahren. Die bisher einzige sichtbare Reaktion des Vorstands hierauf besteht in einer Gehaltskürzung von ca. 15 % für alle Mitarbeiter, die neue Verträge erhalten, sowie in einem radikalen Personalabbau.
... Aktuell werden betroffenen Ärzten Verträge mit einer Laufzeit von einem Monat angeboten, falls ihre Stelle nicht ganz gestrichen wird.
... Die Krankenversorgung in der Charité kann bereits jetzt nur durch monatlich ca. 85.000 unbezahlte Überstunden der Ärzteschaft aufrechterhalten werden. Aktuell subventionieren die Ärzte dadurch die Charité mit einer Summe von 20 Mio. Euro jährlich.

Den Brief unterstützten 680 ÄrztInnen. (Berliner Morgenpost 21.7.05)

August 2005

Aufsichtsrat lehnt Anbindung an TVöD 2011 ab

Die Gewerkschaft hat vorgeschlagen, dass ab 2011 automatisch der dann geltende Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes auch für die MitarbeiterInnen der Charité gelten soll. Der Aufsichtsrat der Charité lehnte ab. Die Kürzungen des Senats und die Verluste durch die Fallpauschalen sollen durch Gehaltsverzicht und Personaleinsparungen ausgeglichen werden. (Berliner Zeitung 20.8.05)

September 2005

Demonstrationen in Mitte, Wedding und Steglitz

Für den 13. September 2005 rief ver.di zu Protestaktionen an den Klinikstandorten Mitte, Wedding und Steglitz in Dienstkleidung auf.

Die Tarifverhandlungen drohen zu scheitern. Aufsichtsrat und Vorstand der Charité würden unzumutbare Forderungen stellen. "Die Arbeitgeber wollen 40 Millionen Euro bei den Einkommen streichen und fordern eine 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich für die Verwaltung, Technik und Betriebe", so Gummert [stellvertretender Ver.di-Vorsitzender der Charité-Nord]. Zusammen mit der geforderten Streichung des Urlaubs- und der Kürzung des Weihnachtsgeldes hätte dies einen Monatsbruttoverlust von 11 Prozent zur Folge. Auch Lohnverzicht über das Jahr 2010 hinaus gehöre zum Forderungskatalog, mit dem sich Ver.di nicht abfinden werde. Hinzu kämen aktuelle Privatisierungsprojekte in der Krankenversorgung in Kooperation mit der Helios GmbH am Klinikum Benjamin Franklin und ähnliche Vorhaben in den Polikliniken, der Labormedizin und der Radiologie der Charité. "Diese Entwicklung läuft auf die Privatisierung ganzer Zentren bzw. der gesamten Krankenversorgung hinaus." (Berliner Morgenpost 13.9.05)

Siehe auch

November 2005

Streik an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Website der Ärzteinitiative an der Charité (ÄI):

Der Marburger Bund – Gewerkschaft der angestellten und beamteten Ärzte Deutschlands – (MB) hat zu einem ersten befristeten Streik an der Charité – Universitätsmedizin Berlin vom 28.11.- 02.12.2005 aufgerufen. Grundlage hierfür sind die nach 1,5 Jahren gescheiterten Tarifverhandlungen. Der Abbruch ist auf die fortgesetzte Weigerung der Arbeitgeberseite, über einen alle Bereiche der ärztlichen/wissenschaftlichen Tätigkeit umfassenden Tarifvertrag zu verhandeln, zurückzuführen.

Ausführliche Informationen: Website der Ärzteinitiative an der Charité (ÄI).

Siehe auch

Streikdokumentation an der Charité

Mit Datum 23.11.05, d.h. einige Tage vor einem geplanten Streik der ÄrztInnen, verschickte der Vorstand der Charité ein Schreiben an das Führungspersonal der Klinik in dem die Führungskräfte dazu aufgefordert wurden, alle Mitarbeiter/innen, welche sich an Streikmaßnahmen beteiligen, namentlich zu ermitteln sowie in den jeweiligen Einrichtungen Leitungskräfte zu bestimmen, die die Arbeitsniederlegung begleiten und die Einzelheiten (Dauer, Teilnehmer, besondere Vorfälle, etc.) schriftlich dokumentieren und diese … weiterleiten.

Die Zeit vom 8.12.05 berichtet:

»Es klang wie die Aufforderung zur Denunziation«, sagt ein hochrangiger Mitarbeiter der Berliner Charité.

Einer der Unterzeichner des Schreibens, Detlev Ganten, ist Mitglied des Nationalen Ethikrats.

Am 24.11.05 wurde eine Sitzung des Vorstands mit dem Führungspersonal einberufen, auf der es „turbulent“ zugegangen sei. In Folge dieser Sitzung wurde ein umformuliertes Schreiben losgeschickt, das den Eindruck erweckte, die Ermittlungen gegen die Streikenden dienten lediglich der Erfassung der bei den Gehaltszahlungen zu berücksichtigenden Fehlzeiten.

Siehe auch

Dezember 2005

Aktionsbündnis „Gesunde Charité“ gegründet

Am 7.12.05 gründete sich auf Initiative der ver.di-Betriebsgruppe der Charité das Aktionsbündnis »Gesunde Charité«.

In der Einladung von ver.di zum Gründungstreffen heißt es:

Wir sehen die Angriffe gegen uns an der Charité nicht isoliert, sondern als Teil der neoliberalen Politik in Deutschland, ja in Europa, um öffentliche Dienstleistungen privaten Profitinteressen zur Verfügung zu stellen.

Siehe auch

Februar 2006

Charité macht Gewinn – Ver.di lehnt Absenkungstarifvertrag ab

Nach einer Meldung des Tagesspiegels vom 26.2.06 erwartet der Vorstand der Charité für 2005 einen Gewinn von kanpp 2 Millionen €.

In einem Flugblatt von ver.di vom 20.2.06 heißt es dazu:

Anfang 2005 argumentierten die Arbeitgeber noch, dass die Charité in einer Notlage sei oder unmittelbar in eine solche gerate. Wir hatten dies in einem unabhängigen Gutachten widerlegen lassen. Und die Aussagen des Vorstandes, dass das Geschäftsjahr 2005 mit einem plus von 2 Millionen, anstatt mit einem minus von 8 Millionen (wie sie es erwarteten) abgeschlossen wird, bestätigen den realen Zustand der Charité. ... Für uns gilt für die Zukunft:
  • Einen rechtsgültigen Tarifvertrag für alle! Wir wollen: Gleichen Lohn für gleiche Arbeit
  • Endlich Potsdam 2003- plus 4,4%
  • Keine betriebsbedingte Kündigung
  • Keine Privatisierung/Ausgründung
Kolleginnen und Kollegen der Charité: Zeigen wir unseren Arbeitgebern von Senat, Vorstand und Aufsichtsrat der Charité, was uns unsere Arbeit wert ist! Ver.di ruft euch in aller Deutlichkeit auf, in diesem Jahr alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Arbeitgeber durch unsere Taten zu überzeugen.

Laut Marburger Bund vom März 2006 leisten ÄrztInnen an der Charité monatlich 85.000 unbezahlte Überstunden.

April 2006

Marburger Bund und Charité einigen sich auf Vorschalt-Tarifvertrag

Pressemitteilung des Marburger Bundes vom 21.4.06:

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und der Vorstand der Charité haben sich am 21. April 2006 auf den Abschluss eines Vorschalt-Tarifvertrages für die 2200 Berliner Universitätsärzte geeinigt. In letzter Minute konnte damit der für Montag anberaumte Ärzte-Streik abgewendet werden. Kerninhalte des Tarifvertrages sind unter anderem: Rücknahme der durch die Übergangstarifverträge erzielten Einsparungen beim ärztlichen Personal; Neue Arbeitszeitmodelle mit erhöhten Stundensätzen und vollständigem Überstunden-Lohnausgleich; Einführung einer Arztzulage; Aufhebung der Ost-West-Unterschiede; Flächendeckende und objektive Zeiterfassung; Längere Vertragslaufzeiten und 95%-ige Vergütung aller Bereitschaftsdienste…“

Siehe auch: Kommentar dazu von Frank Stöhr, 1. Vorsitzender der dbb tarifunion

September 2006

Ver.di erklärt Tarifverhandlungen für gescheitert

Junge Welt 5.9.06:

Die seit Monaten laufenden Tarifverhandlungen am Berliner Uniklinikum Charité sind am Montag gescheitert. Wie die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mitteilte, will sie ab Mittwoch ihre Mitglieder zur Urabstimmung über einen Streik aufrufen, um so eine Beendigung des tariflosen Zustandes zu erzwingen. Ver.di fordert eine Vereinbarung auf dem Niveau des Flächentarifvertrags TVÖD. Durch den tariflosen Zustand verlieren die Beschäftigten von Europas größter Uniklinik zur Zeit pro Jahr insgesamt 20 Millionen Euro.

Streik

Am 12.09.06, einen Tag vor einem Streik der Berliner SchülerInnen, begann der Streik an der Charité. 91,18% stimmten bei der Urabstimmung dafür.

Junge Welt 12.09.06:

[Es geht] darum, einen Absenkungstarifvertrag abzuwehren und den drohenden Stellenabbau und die Privatisierung des Klinikums zu verhindern. Die Privatisierung der Charité würde bedeuten, daß neben Tausenden Arbeitsplätzen auch viele Ausbildungsplätze gestrichen werden – das gemeinsame Interesse der SchülerInnen und der Charité-MitarbeiterInnen liegt auf der Hand.


Siehe auch

Oktober 2006

Eckpunkte für Tarifvertrag vereinbart

Junge Welt 21.10.06:

Nach langem Ringen ist für die rund 11500 nicht-ärztlichen Beschäftigten am Berliner Uniklinikum Charité ein Tarifabschluß erzielt worden. Wie ver.di am Freitag bekanntgab, einigten sich Gewerkschaft und Klinikvorstand auf eine schrittweise Übernahme des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVÖD). Auch die weitgehende Angleichung der Ost- an die Westeinkommen sowie der Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2012 ist in den vereinbarten Eckpunkten enthalten. ...

Nach mehreren eintägigen Warnstreiks und 26 Verhandlungsrunden entschied sich die Gewerkschaft ... dafür, die Beschäftigten zu einem unbefristeten Erzwingungsstreik aufzurufen ... Vorstand und Aufsichtsrat sahen sich daraufhin dazu veranlaßt, die Gespräche am 27. September wieder aufzunehmen. Nach einigem Hin und Her einigten sich Gewerkschaft und »Arbeitgeber« nun auf Eckpunkte für einen neuen Tarifvertrag.

Dem Abkommen zufolge sollen die Löhne und Gehälter ab dem 1. Januar 2007 in drei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent erhöht und damit an den TVÖD angeglichen werden. »Allerdings wird ein Teil der Erhöhung durch eine Kürzung beim Weihnachtsgeld kompensiert«, erläuterte ver.di-Fachbereichsleiter Georg Güttner-Mayer in einer Stellungnahme. Insgesamt werde jedoch kein Beschäftigter schlechtergestellt, betonte er. Auch die Unterschiede zwischen Ost- und Westtarifen sollen größtenteils aufgehoben werden: Die Arbeitszeiten werde im Westen um eine halbe Stunde verlängert und im Osten um eine Stunde verkürzt, so daß für alle die 39-Stunden-Woche gilt. Die Einkommen werden – bis auf einen Teil der Zuwendung – in den kommenden vier Jahren angeglichen. Während der Tarifvertrag am 31. Dezember 2010 ausläuft, gilt der Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen mindestens bis Ende 2012. ... Die ver.di-Mitglieder im Betrieb müssen noch per Urabstimmung über die Vereinbarung befinden.

Das trotzkistische Online-Magazin World Socialist Web Site schreibt am 25.10.06:

Eine ursprünglich aufgestellte Forderung von Verdi war der Verzicht auf Privatisierungen im Klinikum. Während in der Verdi-Online-Streikzeitung vom 20. September diese Forderung noch zu finden war, fehlte sie - ohne Kommentar - bereits in den Forderungen der ersten Verhandlungsrunde nach Aussetzung des Streikes.

Siehe auch


September 2007

Plan zur Gründung einer Arbeitnehmerüberlassungsgesellschaft (AÜG)?

Junge Welt 3.9.07:

Laut Werner Koop (für die Charité zuständiger ver.di-Sekretär) beabsichtige die Klinikleitung, neue Beschäftigte künftig nur noch in einer als GmbH geführten Tochter anzustellen, die als interne Leiharbeitsfirma agieren solle. Der Clou daran: Diese Beschäftigten würden nach dem DGB-Zeitarbeitstarifvertrag bezahlt – und damit rund 20 Prozent weniger verdienen als ihre direkt bei der Charité angestellten Kollegen. »Mit dem im vergangenen Jahr erzielten Tarifvertrag haben wir die alten Spaltungslinien zwischen Alt- und Neubeschäftigten sowie zwischen Ost und West endlich überwunden, und jetzt soll die Gleichstellung wieder beseitigt werden«, kritisierte Koop. ... Charité-Sprecherin Kerstin Endele erklärte auf jW-Nachfrage, es gebe »keine konkreten Pläne« für die Gründung einer Leiharbeitsgesellschaft ...

Die Berliner Zeitung vom 5.9.07 berichtet, Endele habe mitgeteilt, es würden alle Möglichkeiten zu einem sozial verträglichen Personalabbau geprüft. "Die Gründung einer Mitarbeiterüberlassungsgesellschaft war eine Idee von vielen."

Ver.di organisiert Protestkundgebungen vor den Kliniken.

Laut Tagesspiegel vom 3.9.07 hatten sich Mitarbeiter vergangene Woche wegen Überstunden und steigender Arbeitsbelastung beschwert.


Newsletter von LabourNet 6.9.07:

„Leider hatten die befragten Kollegen wohl vergessen zu erwähnen, dass so etwas schon seit dem 1.1.2007 an der Charité existiert. Die so genannte PSMA (Personal-Service-Management-Agentur) wurde bereits im Zuge der Tarifverhandlungen umfangreich in einer eigenen Arbeitsgruppe der Verhandlungskommission behandelt und erhielt schon im Oktober 2006 ein umfangreiches Regelwerk. Dieser Teil 2 des Tarifvertrages wurde der Belegschaft nur durch Folienpräsentation zugänglich gemacht, war und ist dementsprechend kaum bekannt. (…) Mein Fazit: es ist nicht etwas grundsätzlich Neues passiert, sondern es wurde ein vorhandenes Einfallstor genutzt, um eine weitaus größere Gruppe von Beschäftigten dem Lohndumping zu unterwerfen. Man gibt den kleinen Finger, und die Bosse nehmen gleich die ganze Hand. Es zeigt sich wieder – Co-Management lohnt sich nicht!“ Wir danken einem Leser aus der Charité für diesen Hinweis!

Carsten Becker , Ver.di-Betriebsgruppenvorsitzender Charité in LabourNet 17.9.07:

... Der erkämpfte Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen nach dem Charité-Tarifvertrag ist verbunden mit dem TV "Restrukturierungsmaßnahmen". Die dort definierte PSMA (Personal-Service-Management-Agentur / Name war Arbeitgeberwunsch) ist eine neugegründete Abteilung für den sogenannten"Personalüberhang" und eben keine wie auch immer geartete Ausgründung der Charité. Die PSMA ist nicht die neue Tochter, die als Zeitarbeitsfirma (mittels Personal-Überlassungs-Tarifvertrag) einstellen soll. Dieser neuen Tochter hat ver.di nicht und nirgends zugestimmt. ...


Siehe auch

Schlossparkklinik Charlottenburg und Parkklinik Weißensee: Streikverbot

Der Tagesspiegel 20.9.07:

Der [5-stündige] Warnstreik von Beschäftigten der Schlossparkklinik Charlottenburg und der Parkklinik Weißensee wurde heute vorläufig [per Einstweiliger Verfügung] untersagt. ... Das Gericht [Berliner Arbeitsgericht] bezweifelt nach Angaben der Gewerkschaft Verdi die Verhältnismäßigkeit der Arbeitsniederlegung. "Wir protestieren gegen diesen massiven Eingriff in die Tarifautonomie", sagte die stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiterin Astrid Westhoff. Sobald die ausführliche Begründung vorliege, würden "weitere Schritte" unternommen. ... Der Grund für den Aufruf zum Warnstreik sei "die beharrliche Weigerung der Geschäftsführer der beiden Kliniken", Tarifverhandlungen mit ver.di aufzunehmen. Die Dienstleistungsgewerkschaft fordert für die rund 1000 Beschäftigten eine lineare Erhöhung der Gehälter. Sie hätten seit acht Jahren keine Lohnerhöhung erhalten. Zu weiteren Forderungen gehören gleiche Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten, ein Tarifvertrag über eine Altersvorsorge und ein 13. Monatsgehalt. Bisher erkennt die Geschäftsführung Verdi nicht als Gesprächspartner an. 2006 war ein Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV und dem Marburger Bund geschlossen worden. ...


Siehe auch


November 2007

ÄrztInnen arbeiten für Helios

Newsletter vom 25.11.07 der Ver.di Betriebsgruppe Knappschaftskrankenhaus Sulzbach:

Ärzte des landeseigenen Uniklinikums arbeiteten für den privaten Krankenhausbetreiber Helios – auf Kosten des Steuerzahlers. Seit 2001 soll sich ein Schaden in Millionenhöhe angehäuft haben.
© Tagesspiegel Berlin, 24.11.2007


Siehe auch


August 2008

Aktivitäten gegen die Ausgründung der Physiotherapie - Die Unabhängigen rufen zu Bündnis auf

Auszüge aus einer Erklärung der "Unabhängigen", veröffentlicht bei LabourNet Mitte August 2008:

... Der Gesamtpersonalrat hat in seiner Sitzung vom 05.08.2008 im Zusammenhang mit diesem Brief drei Beschlüsse gefasst:
  • anwaltliche Beratung in Anspruch zu nehmen zur Klärung der vertretenen Positionen
  • im Zusammenhang mit der beabsichtigten Ausgründung ein wirtschaftliches Gutachten in Auftrag zu geben
  • in einer Presseerklärung den eigenen Standpunkt zu diesem Vorfall darzustellen

... Wir haben einen ethischen Anspruch. Wir setzen uns ein für eine umfassende Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau mit entsprechend ausgebildeten und bezahlten Fachkräften.

Die Unternehmerseite kommerzialisiert und will Gewinne machen. Das kann zum Schluss gar nicht zusammenpassen. Die Öffentlichkeit, das sind Menschen, die einfach gesund werden wollen, wenn sie krank sind. Aber Privatisierung und Kommerzialisierung, das bedeutet Verschlechterung der Gesundheitsversorgung für die meisten unserer Patientinnen und Patienten. ... Alle Gruppierungen an der Charite, die sich gegen diese Ausgründung ausgesprochen haben, sind aufgefordert, dieses Thema mehr in die Öffentlichkeit zu bringen und einen „Runden Tisch“ zu bilden. ... Lasst nicht zu, dass Eure Auseinandersetzung isoliert von irgendeiner Gruppierung behandelt wird.

Siehe auch

Betriebsgruppen und -zeitungen

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge