Nachrichten Inland 2010

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Diese Seite enthält allgemeine Nachrichten zu Geschehnissen im bundesdeutschen Gesundheitswesen.

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Internationale Nachrichten siehe hier.

Inhaltsverzeichnis

Mai 2010

Nur noch etwa 276.000 Vollzeit-Pflegestellen in bundesdeutschen Krankenhäusern

Laut dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) gibt es nur noch etwa 276.000 Vollzeit-Pflegestellen in bundesdeutschen Krankenhäusern, so berichtet Frontal21 in einer Sendung am 18.05.2010, der die Studie "Pflegethermometer 2009" des DIP wenige Tage vor ihrer offiziellen Veröffentlichung vorlag. Zwischen 1995 und 2008 seien, so heißt es weiter, insgesamt rund 50.000 Pflegestellen gestrichen gestrichen worden.

Die Studie "Pflegethermometer 2009" beruht auf der Befragung von 10.000 Pflegekräften. Laut DIP-Direktor Frank Weidner, so Frontal21, haben Pflegende in einem Zeitraum von sechs Monaten Überstunden in einem Umfang geleistet, der rund 15.000 zusätzlichen Vollzeitstellen entsräche. Pflegekräfte, die über 50 Jahre alt sind, erkrankten überdurchschnittlich häufig und gingen früher in Rente als Beschäftigte anderer Berufe. Ungefähr die Hälfte der befragten Pflegekräfte gab an, nicht ausschließen zu können, dass ihnen in den letzten sieben Tagen angesichts des Arbeitsdrucks Fehler unterlaufen sind.

Als Lösungsstrategie wird am Ende der Frontal21-Sendung vorgebracht, die Krankenhäuser mehr ambulant behandeln zu lassen, so dass die zu wenigen Pflegekräfte effizienter eingesetzt werden könnten. Das ist natürlich wegen der Problematik der "blutigen Entlassungen" und aus weiteren Gründen ein fragwürdiger Vorschlag.


Siehe auch

Privatisierung der Universitätsklinik Gießen und Marburg: ein voller Erfolg!

In seiner Stellungnahme zur Entwicklung der universitätsmedizinischen Standorte Gießen und Marburg nach Fusion und Privatisierung der Universitätsklinika (Drs. 9843-10) von Anfang Mai 2010 erklärt der Wissenschaftsrat:

Die Privatisierung des fusionierten Universitätsklinikums Gießen und Marburg hat zu erheblichen infrastrukturellen Investitionen des privaten Betreibers an beiden Standorten geführt, die die baulichen Rahmenbedingungen für die Krankenversorgung und die patientenorientierte klinische Forschung auf ein wettbewerbsfähiges Niveau angehoben haben.

Damit sind die Ursache-/Wirkungs-Beziehungen wissenschaftlich klar umschrieben:
Aus Privatisierungen folgen Investitionen in das Gesundheitswesen – und nicht etwa folgen aus den umfassenen Umverteilungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte erhebliche infrastrukturelle Nicht-Investitionen der öffentlichen Hand in Kombination mit wachsendem privaten Geldkapital, das nach Anlagemöglichkeiten sogar im Gesundheitswesen lechzt.

So schlimm, dass die öffentliche Hand weitere Swimmingpools, Designerkrawatten usw. gar nicht mehr subventionieren könnte, steht es aber denn doch nicht – stellungnimmt der Wissenschaftsrat:

Auch durch zusätzliche Investitionen des Landes Hessen konnten die Bedingungen für die Forschung und Lehre verbessert werden.

Aaaber, moniert der Wissenschaftsbeirat, die Punktbildung entwickele sich nur schwer:

Die Fachbereiche ... haben es bisher versäumt, eine Schwerpunktbildung in Forschung und Lehre gemeinsam weiterzuentwickeln, die die Kapazitäten beider Standorte bündelt. Diese Bündelung ist aus Sicht des Wissenschaftsrates jedoch notwendig, um national wie international sichtbare Schwerpunkte in Forschung und Krankenversorgung zu etablieren. ... Da aufgrund der erst vor wenigen Jahren erfolgten Struktur- und Rechtsformänderungen noch keine abschließende Stellungnahme zu den Auswirkungen der Privatisierung auf Forschung und Lehre möglich ist, behält sich der Wissenschaftsrat vor, frühestens nach fünf Jahren eine erneute Begutachtung vorzunehmen.

Was wäre aus so einer unabgeschlossenen Stellungnahme schlusszufolgern?
Eva Kühne-Hörmann, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, CDU – Studium der Rechtswissenschaft (Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst 10.5.10):

"Die Landesregierung hat ihr Ziel erreicht, durch die Privatisierung des fusionierten Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) die besten Voraussetzungen für hochschulmedizinische Krankenversorgung sowie Forschung und Lehre auf Spitzenniveau zu schaffen."

Unterdessen schlagen ÄrztInnen – ja, sogar Ober-ÄrztInnen des Klinikums – Alarm, wenn die Frankfurter Rundschau vom 14.4.10 nicht übertreibt:

"Wir sehen unsere Klinik als Haus der Maximalversorgung sowie als Ausbildungsstandort gefährdet", warnen acht Oberärzte in einem Brandbrief an die kaufmännische Geschäftsleitung. Die Personaldecke am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin werde immer dünner - so der Tenor des Schreibens vom 17. März, das der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Dabei hatten die neuen 95%-Eigner doch anfangs anscheinend eine recht erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit betrieben, wie das Deutsche Ärzteblatt vor zwei Jahren -- 2007; 104(9): A-529 / B-465 / C-453 mitteilte:

Es weht ein anderer Wind am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Dies bekommt auch die Presse zu spüren. Waren die Ärzte früher regelmäßig zu spontanen Statements zur Stimmung im Hause bereit, so heißt es jetzt: „Zitieren Sie mich bitte nur anonym“ oder „Da muss ich erst Rücksprache mit der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit halten“. Zurückhaltung gegenüber Journalisten, lautet die von oben ausgegebene Devise. Was dahintersteckt, ist klar: Als börsennotiertes Unternehmen muss die Rhön-Klinikum AG darauf bedacht sein, dass keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, die sich negativ auf den Aktienkurs auswirken könnten.

Wind ist trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte noch nicht kontrollierbar. Deshalb darf auch niemand PolitikerInnen dafür zur Verantwortung ziehen, wenn sie dahin getrieben wurden, Steuern zu senken, Investitionen zu stauen und schließlich Anfang 2006 das Universitätsklinikum für einen Preis von 112 Millionen € zu 95% an die Rhön-Klinikum AG zu übergeben (Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst 10.5.10). Nicht mit persönlich zu verantwortenden Taten haben wir es hier zu tun, sondern mit "erfolgenden" Struktur- und Rechtsformänderungen!

Damit im Zusammenhang gelangte der Verkaufserlös irgendwie nahezu komplett in das Universitätsklinikum zurück, wie die Hessische Staatskanzlei ohne Gezeitenangaben mitteilt (gelesen13.5.10):

Die Erlöse aus dem Anteilverkauf betragen abzüglich der Transaktionskosten 100 Mio. €. Diese Mittel sind vollständig in die neu gegründete „von behring|röntgen|stiftung“ zur Förderung von Forschung und Lehre an den beiden Universitäten eingeflossen.

Immerhin verpflichtete sich die Rhön-Klinikum AG, so die Hessische Staatskanzlei weiter, bis 2012 367 Mio. € zu investieren, mindestens 2 Mio. € pro Jahr für die Forschung auszugeben und 30 Mio. € in einen Sozialfonds für die abhängig Beschäftigten einzuzahlen. Wie gut für uns alle, dass diese Leute über dermaßen viel Geld verfügen!

Inwieweit die Rhön-Klinikum AG den Verpflichtungen nachgekommen ist? Wie hoch ihre Investitionen ins Klinikum im Vergleich zu den öffentlichen bisher waren? ... Solchen Fragen nachzugehen, würde bei den Kommerzmedien sicherlich eine kaum zu bewältigende Kostenlawine verursachen. Sei's drum! Ein voller Erfolg bleibt die Privatisierung sowieso ohne vernünftige Prüfung. Das Exzellenzcluster der PrivatisierungserfolglerInnen braucht hier keinen Standpunktwettbewerb zu befüchten, denn:

Wer quakt, gehört biologisch zur Gattung der Kröten – Oberarzt hin oder her.
Staatsministerin Kühne-Hörmann (Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst 10.5.10):

„Der Wissenschaftsrat hat bestätigt, dass die Entscheidung zur Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg 2006 allen Unkenrufen zum Trotz der richtige Weg war, um den damaligen Investitionsstau an beiden Standorten aufzulösen und der Hochschulmedizin in Gießen und Marburg neue Perspektiven und neue Zukunftschancen zu eröffnen“

Mal sehen, was die nächsten fünf Jahre so bringen. Wenn sich Deutsche weiterhin fest zusammenschließen (gegen "die Griechen" und so), dann lassen sich Frühgeborene mit komplexen Fehlbildungen, krebskranke Kinder, junge Diabetiker (Frankfurter Rundschau vom 14.4.10) ja pö a pö doch vielleicht zu sichtbaren Schwerpunkten in Forschung und Krankenversorgung formen und zur Maximalversorgung gewisser Exzellenzen nutzbar machen.


Siehe auch

April 2010

DRGs: Lizenz zum Abzocken

Nach Schätzung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) stellen Krankenhäuser der GKV jährlich rund 1,5 Milliarden Euro mehr in Rechnung als sie tatsächlich leisten. Überprüfen lässt sich die Schätzung schlecht.

Die GKV versucht, anhand statistischer Methoden Auffälligkeiten zu ermitteln. Nimmt sie in einem Krankenhaus die Überprüfung einer Rechnung vor, muss sie dem Krankenhaus 300 Euro bezahlen.

Wird ein Krankenhaus erwischt, bezahlt es den ausstehenden Betrag. Sonst passiert nichts.

Streitet ein Krankenhaus ab, kommt es zu einem teuren Prozess, den meistens die GKV verliert.

Öffentlichen Krankenhäusern sei die Abzocke vorerst verziehen. Die DRG-Pauschalen werden zu niedrig gehalten, um die Privatisierung anzukurbeln. Ist erstmal eine deutliche Mehrheit der Krankenhäuser privatisiert, wird deren Lobby schon für höhere DRGs sorgen.


Quelle: Fokus 25.04.10: Kliniken manipulieren massenhaft Abrechnungen und Kommentare dazu

Siehe auch

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