Heinrich Karl von Schimmelmann

Wie Schimmelmann Reichtum erlangte

Heinrich Karl von Schimmelmann war zunächst Heereslieferant des preußischen Königs Friedrich II. im Siebenjährigen Krieg.

Durch “seine Kenntnis und Geschicklichkeit im Steuerfach”, heißt es in der Allgemeinen Deutsche Biographie von 1875, wusste er sich “bei dem preußischen Kriegskommissariat nutzbar und beliebt zu machen und übernahm zusammen mit F. B. Schönberg v. Brenkenhoff die Hauptgetreidelieferungen für die preußische Armee.”

In der Folgezeit vermehrte Schimmelmann seinen Reichtum, so die Allgemeine Deutsche Biographie

  • durch Weiterverkauf der von Friedrich II. “konfiszierten” Vorräte der Meißner Porzellanmanufaktur
  • als Zwischenstation für Hilfszahlungen aus England an Friedrich II.
  • indem er Münzen mit zu niedrigem Silbergehalt und falschem Stempel fertigen ließ
  • in seiner Funktion als Schatzmeister des dänischen Königshauses, die ihm u.a. die Güter Ahrensburg und Wandsbek sowie die dänischen Plantagen auf den westindischen Inseln (heute United States Virgin Islands) einbrachte
  • in “seiner Doppelstellung als hamburgischer Kaufmann und dänischer Staatsmann”, die ihm ermöglichte, den Kurs des dänischen Papiergeldes zu kontrollieren

Die Allgemeine Deutsche Biographie von 1875 schließt den Beitrag über Heinrich Karl von Schimmelmann mit folgendem Resümee:

“Manche der von ihm veranlassten Maßregeln: die sogenannte Kopfsteuer (1 Reichstaler jährlich die Person ohne Unterschied des Standes und Vermögens), die Umwandlung der Kopenhagener Privatbank in eine königliche und die danach folgende beliebige Vermehrung des Papiergeldes, die teilweise oder gänzliche Entwertung kupferner Scheidemünze, welche in Kopenhagen und Hamburg Aufläufe hervorrief, die Zahlenlotterie in Kopenhagen, Wandsbek und Altona dürften nicht allein von heutigen Gesichtspunkten aus bedenklich erscheinen. Doch wird andererseits nicht zu leugnen sein, dass Schimmelmanns Beispiel und Kapital wesentlich zur Hebung des Handels und Gewerbefleißes mitgewirkt haben.”

“Handel und Gewerbefleiß” wurden durch Schimmelmann unter anderem auf dem Gebiet der Sklaverei “gehoben”.

Schimmelmann, so das Hamburger Ärzteblatt 12/03, war einer der größten Sklavenhändler seiner Zeit. In Ahrensburg und Wandsbek ließ er unter kostengünstigem Einsatz von Waisenkindern Kattun fertigen. Außerdem war er Fabrikant von Branntwein und Gewehren. Für diese Produkte erwarb er in Afrika Menschen, die er dann in Amerika und Westindien verkaufte oder auf den eigenen Zuckerplantagen arbeiten ließ, hin- und wieder auch an europäische Adelige auslieferte.

Schimmelmanns Nachfahren

Schimmelmann galt zu Lebzeiten als reichster Mann Europas. Ein Teil seines Vermögens ging beim Staatsbankrott Dänemarks 1813 verloren. Wie es in der Allgemeinen Deutschen Biographie von 1875 heißt, hatte der älteste Sohn Schimmelmanns, Ernst Heinrich, als dänischer Finanzminister den Bankrott durch die “maßlose Vermehrung des unfundierten Papiegeldes” mitzuverantworten.

Graf Ernst Heinrich von Schimmelmann, der Friedrich Schiller drei Jahre lang mit einer Hilfe zum Lebensunterhalt bedachte (insgesamt wohl rund 1500 Taler - entsprechend rund 6 Stück Sklaven), wird bis heute als Menschenfreund gezeichnet. Er ist Initiator des ab 1803 geltenden Verbots für dänische Untertanen, Menschenhandel zu betreiben. Laut Hamburger Ärzteblatt 12/03 betätigte er sich zuvor ziemlich rege in diesem Geschäft, teilweise heimlich und unter Gefährdung der Neutralitätspolitik Dänemarks im Englisch-Spanischen Krieg. Das Handelsverbot wird als Reaktion auf den nicht mehr zu gewinnenden Konkurrenzkampf gegen Großbritannien gedeutet. Wenige Jahre später, 1807/08, gaben auch Großbritannien und die USA den transatlantischen Menschenhandel auf. Die Sklaverei auf den United States Virgin Islands wurde allerdings erst 1848 durch den dänischen Gouverneur von Scholten offiziell verboten.

1917 verkaufte Dänemark nach einer Volksabstimmung die Inseln für 25 Mio. US$ an die USA, bevor die USA – so wurde befürchtet – die Gelegenheit des Ersten Weltkrieges nutzen konnte, die Inseln zu annektieren. (Wikipedia)

1857 verkauften die Schimmelmanns das Gut Wandsbek bzw. die Reste davon – bestehend aus einem Schloss, dem Vorwerk Wandsbek, dem Meierhof Mühlenbek, drei Wirtshäusern, mehreren Erbpachtstellen sowie einige Gebäude im Flecken Wandsbek – an den Grundstücksmakler Johann Carstenn, der 1861 das Schloss abreißen ließ. (Peter Dörling)

1938 verkauften die Schimmelmanns das Schloss Ahrensburg in öffentliche Hände, die sofort denkmalpflegerische Instandsetzungen einleiteten. (Schloss Ahrensburg Homepage)

In jenen Jahren taucht ein Karl Hubertus Arndt Graf von Schimmelmann auf, Adjudant von Göbbels und ab 1944 Leiter einer “Germanischen Leitstelle” in Kopenhagen, die der Rekrutierung und Ausbildung “germanischer” SS-Freiwilliger diente.

Ein jüngeres Mitglied derselben Adelsfamilie ist – falls es nicht mehrere Adelsfamilien desselben Namens gibt – Wulf Freiherr von Schimmelmann, zunächst Partner bei McKinsey & Co., heute Vorsitzender des Vorstands der Postbank sowie Mitglied des Vorstands der Deutschen Post AG und Mandatsinhaber bei

  • PB Versicherung AG
  • PB Lebensversicherung AG
  • TCHIBO Holding AG
  • BHW Holding AG
  • Deutsche Post Retail GmbH
  • Deutsche Telekom AG
  • accenture Corp.

(Who is Who, Postbank-Info, DPWN, FTD)

Siehe auch

Gedenken an Schimmelmann in der Bundesrepublik Deutschland

Schloss Ahrensburg

Die Internetseiten der Stiftung Schloss Ahrensburg werben mit dem Slogan: “Lassen Sie sich verzaubern!”

Jüngst führte die Stormarnschule in Ahrensburg ein Unterrichtsprojekt durch, bei dem sich die Kinder einer fünften Klasse in Kinder der Schimmelmanns und in Kinder von deren Dienstpersonal hineinversetzen sollten. Für dieses Projekt erhielt die Klasse von der Jury des Wettbewerbs schule@museum einen Preis. Der Wettbewerb lief bundesweit im Jahr 2006. Gefördert wurde er von der PricewaterhouseCoopers-Stiftung, einer “Initiative der Führungskräfte” der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Deutschland, die “jungen Menschen einen freien Raum und die Voraussetzungen zur weltoffenen Entwicklung anbieten” will (PwC), und von einem Netzwerk Kinder zum Olymp, einer Kulturstiftung der Bundesländer, die “Kinder und Jugendliche für die Vielfalt unserer Kultur begeistern und damit ihre Kreativität und Fantasie fördern” will.

Jener Aspekt “unserer (?) Kultur”, der es ermöglicht, mit Menschen zu handeln als seien es Waren, sie zu vergewaltigen und ihnen bei Fluchtversuchen die Beine abzuhacken, wurde den Kindern der Stormarnschule nicht vermittelt. Auch die acht “jungen Neger”, die Schimmelmann 1765 nach Ahrensburg verschleppen ließ, um sieben von ihnen in Handwerken auszubilden, die sie als Vorarbeiter auf den Plantagen nutzbar machen sollten, und den achten “hübschen Neeger-Jungen für die gnädige Frau Baronesse” abzustellen (HÄB), kamen nicht vor. Dafür sangen die Kinder im Rahmen einer kostümierten Aufführung immerhin das Lied “Die Gedanken sind frei”. Frei sind die Gedanken aber leider eben nicht, eher verzaubert. Und so sagt im Rollenspiel am Ende des Liedes ein Kind zum anderen, das die Herrschaft von Menschen über Menschen problematisiert hatte: “Ich verstehe dich gar nicht, Johann. Es ist doch wunderschön hier, und uns geht es gut.” (Video)

Eine konkrete Möglichkeit zur Verbesserung der Museumspädagogik bestünde vielleicht darin, unter die “Sachensucher” Gegenstände aufzunehmen, die auf die Sklaverei aufmerksam machen. Diese Gegenstände könnten im Schloss entsprechend der dominanten eurozentristischen Geschichtsauffassung tatsächlich sehr gut versteckt werden. Eine Zusammenarbeit mit Museen der U.S. Virgin Islands bietet sich an (z.B. NPS oder St. Croix).

Heimatmuseum Wandsbek

Im Schuljahr 2002/2003 erstellten SchülerInnen des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums für das Heimatmuseum Wandsbek Internetseiten.

Von Sklaverei oder Kattun produzierenden Waisenkindern konnte ich auf den Internetseiten nichts finden, doch vielleicht ist in diesem Bild links unten der atlantische Dreieckshandel dargestellt?

Möglicherweise sind LehrerInnen an Wandsbeker Schulen für Projekte offen, um die Internetseiten und die Ausstellung im Museum selbst so zu verbessern, dass die Bedeutung Schwarzer Menschen für die “Entwicklung” Wandsbeks mit ihren ” zukunftsträchtigen Erwerbsmöglichkeiten” klarer wird. Es gab in Wandsbek z.B. auch eine Schokoladenfabrik. Ein Museum der U.S. Virgin Islands bietet einen Schokoladen-Workshop für Kinder an – nur so als Idee.

Siehe auch

Die Büste zu Wandsbek

“Ein bei der Kopenhagener Börse projektiertes Marmordenkmal [Heinrich Karl von] Schimmelmanns”, heißt es in der Allgemeinen Deutsche Biographie von 1875, “kam nicht zu Stande.”

Anders in Wandsbek. Ein Unternehmen namens Imtech GmbH lieh dem Bezirk Wandsbek eine Büste Schimmelmanns zwecks Ausstellung auf einem öffentlichen Platz, die von den Verantwortlichen dankbar entgegen genommen wurde.

Mehr darüber bei Black Hamburg.

Anscheinend funktioniert die Weiße deutsche Medienlandschaft so, dass in der Öffentlichkeit bekannte Schimmelmanns um eine Stellungnahme zu dieser Auseinandersetzung herumkommen. JournalistInnen scheinen nicht auf die Idee zu kommen, mal nachzufragen, was heutige Schimmelmanns von dieser Sache halten, und Schimmelmann-Nachfahren scheinen nicht auf die Idee zu kommen, die unfreiwillige abstammungsmäßige Verquickung und die sozialen Privilegien, die damit verbunden sind, zur Verbesserung lokaler Geschichtspolitiken auszunutzen.

Imtech

Die Imtech GmBH gehört zur niederländischen Gruppe Imtech N.V. Diese Gruppe bietet mit rund 14.500 MitarbeiterInnen “europaweit Planung, Ausführung, Systemintegration und Service für Gebäude-, Anlagen-, Infrastruktur und Schiffstechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnologie” an (Imtech-Info, gelesen 11.12.06)

Zwischen der Hamburger Verwaltung und Imtech bestehen hervorragende Beziehungen, wie aus einer Pressemitteilung der Stadt Hamburg vom Februar 2004 deutlich wird:

“Der neue Hauptsitz des technischen Generaldienstleisters Imtech Deutschland wird in Hamburg gebaut. Die Pläne für die neue Deutschlandzentrale und Hauptniederlassung der Region Nord stellte heute der zuständige Direktor Hans-Joachim Jahn gemeinsam mit dem Projektentwickler und Investor LIP Ludger Inholte Projektentwicklung auf einer Pressekonferenz im Bezirksamt Wandsbek vor. Gleichzeitig hoben sie die gute Zusammenarbeit mit den Hamburger Behörden hervor. Die hervorragende Kooperation habe letztlich den Ausschlag dafür gegeben, die Neuansiedlung in Hamburg zu realisieren. Insbesondere treffe dies auf Senator [Gunnar] Uldall und den Leiter des Bezirksamtes Hamburg-Wandsbek, Gerhard Fuchs, zu, die die nutzungsgerechte und schnelle Umsetzung der Pläne ermöglicht haben.”

Die Auftragslage in Hamburg scheint für Imtech gut zu sein. So realisierte die Firma im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft ein Großprojekt im Airport Hamburg (Architekten24). Auch an der Sanierung des Neuen Walls scheint Imtech beteiligt gewesen zu sein (Bild im Unternehmensreport 2005/06).

Für die Postbank unter Wulf Freiherr von Schimmelmann hat eine Firma der Imtech-Gruppe “eine außergewöhnliche IT-Infrastrukturlösung … umgesetzt”. (Funkschaukongress)

Kleiner Exkurs ins globalisierte E-Government

Im Jahr 2006 übernahm Imtech das Ulmer Unternehmen Fritz & Macziol und seine Schwesterfirma Infoma (Computerpartner). Infoma verkauft eine Software für kommunales finanzmanagement, die “newsystem(R) kommunal” heißt und in immer mehr bundesdeutschen kommunalen Verwaltungen eingesetzt wird (Behördenspiegel).

Ende 2005 ging Infoma auf Initiative von Microsoft eine “strategische Partnerschaft” mit Healy Hudson ein, einem Anbieter von elektronischen Beschaffungssystemen.

“Unsere Kunden im öffentlichen Bereich erwarten von unseren Partnern und Microsoft integrierte und interoperable Lösungen. Mit der Integration der Beschaffungs- und Vergabelösung von Healy Hudson und der Navision-basierten Softwarelösung für das kommunale Finanzwesen von INFOMA erweitern wir das Lösungsspektrum unserer Adaptive Government Solutions ganz entscheidend”, sagte Wolfgang Branoner, Director Public Sector, Microsoft…. Das neue Partnerprodukt wird auch im Rahmen der noch laufenden Veranstaltungsreihe “Neues kommunales Finanzwesen” von Microsoft vorgestellt. (Kommune21)

Inzwischen ist die Hamburger Verwaltung komplett abhängig von Microsoft-Produkten. Microsoft argumentiert dabei mit einer angeblich unabhängigen Studie der Unternehmenberatungsfirma Navigant (Mikrosoft). Doch in deren Geschäftsleitung sitzen Leute aus Anwaltssozietäten, die Microsoft vertreten. (Corporate IR, Vault, Microsoft)

So wenig wie Hamburger LokalpolitikerInnen, scheuen sich auch Bundestagsabgeordnete, für Imtech Reklame zu machen, so Jürgen Klimke beim Besuch von Imtech in Wandsbek. “Politik an der Basis” wird dies genannt.

Um “Politik an der Basis” geht es auch bei der inneren Sicherheit. Imtech verhalf der New Yorker Polizei zu einem “Real Time Crime Center”. Auf einem riesigen Bildschirm können sich dabei die Beamten rund um die Uhr in Echtzeit Videos öffentlicher Plätze anschauen und mit Verwaltungs- und Polizeidaten abgleichen.

“Das Zentrum wird hochentwickelte Informationstechnologien einsetzen, um entstehende Kriminalität schnell zu identifizieren und zu beenden”, sagt New Yorks Bürgermeister Bloomberg. “Es wird der Polizei helfen, gefährliche Kriminelle zu fangen, bevor sie andere verletzen können.” (Imtech)

Kleiner Exkurs ins globalisierte New York

Bloomberg wurde vor kurzem von einer breiten Elternbewegung gezwungen, Mittel bereit zu stellen, damit schulische Unterlagen an die Eltern standardmäßig ins Spanische, Jiddische, Russische, Chinesische und in andere Sprachen übersetzt werden.

Eine entsprechende Eingabe war von der Mehrheit des New Yorker Senats (City Council) befürwortet worden, scheiterte aber am Veto des Bürgermeisters. Etwa ein Viertel aller Eltern in New York kann aufgrund von Sprachbarrieren die schulische Ausbildung ihrer Kinder nicht mitvollziehen.

(Gothamgazette 6.2.06, Gothamgazette 1.6.05, Maketheroad)

Nicht nur die guten Beziehungen zu staatlichen Organen hat Imtech mit Heinrich Carl von Schimmelmann gemein. Imtech ist wie einstmals Schimmelmann Zulieferer des Militärs.

Eine Firma der Imtech-Gruppe, die Imtech Marine & Offshore BV, hilft bei der Ausrüstung deutscher, britischer, niederländischer, polnischer, singapurischer und indonesischer Kriegsschiffe. (Naval Technology)

Andere Firmen der Gruppe helfen wiederum – oder ergänzend, wie man’s nimmt – bei der Ausrüstung von Krankenhäusern (Energiesparendes KH).

Mit den Rüstungsanstrengungen von Imtech mag ein Brandanschlag zusammen hängen, der Mitte 2005 auf Fahrzeuge von Imtech verübt wurde. (Die Welt 7.3.06)

Imtech’s Aktivitäten im Bereich der Rüstung haben auch in Wandsbek Tradition. Die Imtech GmbH entstand 2002 aus einem Zusammenschluss der Wandsbeker Firma Rudolf Otto Meyer (ROM) und der Firma Rheinelektra Technik.

In dem Buch „Wie geschmiert - Rüstungsproduktion und Waffenhandel im Raum Hamburg“ (1998) steht über ROM:

“ROM wurde 1858 auf der Hamburger Elbinsel Peute von Rudolph Otto Meyer als Heizungsfirma gegründet. In einer Anzeige von 1978 behauptete ROM, man sei “seit 1917 ununterbrochen für deutsche und ausländische Werften im Marineschiffbau tätig”, was vermutlich nicht ganz korrekt ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ROM als ehemaliger Rüstungsbetrieb auf die Demontageliste gesetzt; es erfolgte aber nur eine Teildemontage. (Alan Kramer: Die britische Demontagepolitik am Beispiel Hamburgs 1945-1950, Hamburg 1991, S. 230 u. 380f.)”

“Während ROM in den 70er Jahren noch offensiv mit seinen wehrtechnischen Aktivitäten beim Kriegsschiff- und Bunkerbau warb (Wehrtechnik Nr. 11/1975, S. 604; Handbuch der Bundeswehr, Koblenz/Bonn 1978 - Anzeige), hat das Unternehmen später über diese nicht mehr viel hören lassen.

Seit Oktober 1992 ist die auf Schiffs-Kältemaschinen spezialisierte VSG Verfahrenstechnik für Schiffsbetrieb GmbH eine 100prozentige Tochter von ROM. Die VSG (frühere Anschrift: Heselstücken 17 in Gross Borstel) besitzt eigene Rüstungserfahrung: Sie hat für die MEKO-Exportfregatten von Blohm + Voss eine neue Generation von sog. Kaltwassersätzen entwickelt und gefertigt. Jede MEKO 360 (geliefert an Nigeria und Argentinien) erhielt 38 Airconditioning- und Kühlanlagen von VSG; einige von ihnen waren für die Munitionskammern der Schiffe bestimmt.( Anzeigen in: International Defence Eqipment Catalogue 1985/86, Vol. III S. 493; Naval Forces Special Supplement Blohm + Voss 1988, S. 38)

Schiffskälteanlagen wird ROM auch zum anstehenden Bau der Fregattenklasse 124 beisteuern.”

Imtech Marine & Industry, Niederlande, wird in einem Dokument der Universität Bremen aus dem Jahr 2001 als “wesentlicher Zulieferer” der Fregattenklasse 124 aufgeführt .

Schimmelmann-Denkmal entfernt

Im Sommer 2008 entschied die Bezirksversammlung von Hamburg-Wandsbek, das Schimmelmann-Denkmal zu entfernen.

Das Kunstprojekt wandsbektransformance schreibt dazu:

Und plötzlich ist der Bronze-Kopf in der Sommerpause verschwunden, der Verbleib nicht herauszufinden. Sollte die mit obrigkeitlichem Gestus erfolgte Installation der Büste einen Sklavenhändler zur imageträchtigen Heimatfigur stilisieren, so sollte die klammheimliche Demontage nun offenbar eine angemessene Dokumentation dieses merkwürdigen Vorgangs verhindern. Forcierte Mythisierung und Verdrängung liegen nahe beieinander.

In der Geschichte kolonialer Denkmalsetzungen gibt es wohl kein zweites Kolonialdenkmal, das - gerade errichtet - nach kaum mehr als zwei Jahren auf öffentlichen Druck hin amtlich wieder abgebaut wird. Aus der Büste wird somit ein Zeitdokument, das es zu beleuchten gilt. Was bedeuten die Proteste, wie wirken sie auf öffentliche Bewusstwerdung? Wo ist die abgelegte Büste abgeblieben, wo kann sie kontextualisiert unterkommen? Welche Gedenkkultur brauchen wir?

Weitere Infos bei Wikipedia.

8 Reaktionen zu “Heinrich Karl von Schimmelmann”

  1. Victoria B. Robinson/BLACKprint

    Vielen Dank für die umfassenden Recherchen, habe auf meinem Blog auf deinen Artikel verwiesen.

    Victoria

  2. Heinz

    “In jenen Jahren taucht ein Karl Hubertus Arndt Graf von Schimmelmann auf, Adjudant von Göbbels und ab 1944 Leiter einer “Germanischen Leitstelle” in Kopenhagen, die der Rekrutierung und Ausbildung “germanischer” SS-Freiwilliger diente.”
    Hallo Maike,

    könntest Du mir sagen, woher diese Info stammt, insbesondere die Sache mit der Germanischen Leitstelle (Göbbels ist bekannt) ?

    Viele Grüße

    Heinz

  3. mj

    Hallo Heinz,

    das mit der Leistelle stammt aus einem Eintrag im Geschichtsforum vom 8.3.06:

    Ich bin auf der Suche nach Informationen über folgende Person:
    Karl Hubertus Arndt Graf von Schimmelmann
    Was ich über ihn weiß:
    geb. 3.9.1903, Erlenthal, ‘45 verschollen, 31.12.46 für tot erklärt.
    seit 1927 bei NSDAP und SS
    1930 Privatsekretär bei Göbbels
    1933 Adjutant Dalueges
    1939 Volksdeutscher Selbstschutz, für Verbrechen während dieser Zeit nach dem Krieg (vermulich) angeklagt
    1944 Leiter Germanische Leitstelle Dänemark

    Außerdem aus einem anderen Forum: Explorate - Schatzsuche, Praxis & Erfolge. In einem Eintrag vom 5.10.05 heißt es dort:

    Bezüglich Karl Hubert Schimmelmann existiert ein Akteneintrag im Bundesarchiv. Findbuch Band 57 / 2(1997): NS 19, Persönlicher Stab Reichsführer SS. AktenNr. 3647 unter Punkt: C.10.4.4: “Volkstumsarbeit in den ‘germanischen Ländern’”: Zitat: “Ablösung des Leiters der Germanischen Leitstelle Dänemark, SS-Sturmbannführer Boysen, durch SS-Sturmbannführer Schimmelmann, 1944″. Das Dokument liegt mir leider nicht vor. Dass er ausgerechnet für Dänemark zuständig wird, dürfte ja in seinen familliären Wurzeln begründet liegen.

    Es scheint beide Male derselbe Autor zu sein. In der “List of Key Nazis” in PRESIDENT FRANKLIN D. ROOSEVELT’S Office Files, 1933–1945 taucht Schimmelmann ebenfalls auf. Dort wird aber die Leitstelle nicht erwähnt.

  4. Heinz

    Hallo mj,

    vielen Dank für Deine Antwort!

    Viele Grüße

    Heinz

  5. Schimmelmann lebt

    quote:
    Ein jüngeres Mitglied derselben Adelsfamilie ist – falls es nicht mehrere Adelsfamilien desselben Namens gibt – Wulf Freiherr von Schimmelmann…

    sueddeutsche.de (SZ vom 25.01.2007) schreibt unter der Überschrift: “Mehr Zeit für die Bahamas”
    …Bisher schafft er es nur selten in sein Haus auf den Bahamas, wo er auch ein Segelboot liegen hat. Dafür wird Schimmelmann, der aus einer holsteinisch-dänischen Adelsfamilie stammt und sich elegant kleidet, bald mehr Zeit haben. Der Aufsichtsrat der Postbank…
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/454/99355

  6. Besitzstandswahrer

    Sehr interessante Details, vor allem zur Imtech Gruppe.

  7. Tobbe

    Ich bin sehr begeistert von deiner Zusammenfassung. Ich arbeite selber gerade über Ernst Schimmelmann, der heute als der “gute” Schimmelmann mythisiert wird.

    Sehr schön (und historisch konsequent) ist die Verbindung, die du zu Rüstungsgeschäften unserer Zeit aufmachst.

    Danke für diesen guten Artikel.

  8. marc

    Die Hamburger Kultursenatorin Karin Freifrau von Welck war vormals die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, des Trägers von “Kinder zum Olymp”. Interessant ist dabei die Verbindung zum Preisträger Stormarnschule im Zusammenhang mit dem Schulprojekt “Kinder, Kinder” im Schloss Ahrensburg wie oben beschrieben.
    Frau von Welck schreibt in ihrem Buch “Kinder zum Olymp! Wege zur Kultur für Kinder und Jugendliche”: “… Nur wenn es gelingt, unsere Erziehungsstrategien in diesem Sinn auszurichten, werden die Kinder und Jugendlichen von heute in ihre Rolle als Verantwortungsträger für die Kultur von morgen hinein wachsen, die kulturellen Werte unserer Gesellschaft bewahren und für künftige Generationen weiter entwickeln.”
    Verantwortung für die Kultur von morgen zu tragen, setzt auch voraus, alle Aspekte des kulturelle Erbes zu beleuchten und nicht nur eurozentristische Werte.

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